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Tabula Peutingeriana (Zitieren)

Die Tabula Peutingeriana (T.P.) ist eine vermutlich im 12. oder 13. Jh. entstandene kartographische Darstellung der bedeutendsten Ortschaften und Verkehrswege im römischen Kaiserreich. Sie befindet sich heute in der österreichischen Nationalbibliothek in Wien (Codex Vindobonensis 324). Es handelt sich um einen aus mehreren Einzelteilen bestehenden Pergamentstreifen von knapp sieben Metern Länge bei einer Höhe von etwas über 30 Zentimetern (genaue Maße: 6,8 m x 0,33 m).




Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana (in der Mitte Apulien und Kalabrien, dazwischen der Golf von Tarent, unterhalb von Kalabrien Sizilien)

Die Abdeckung der Karte geht nach Osten hin über die Grenze des römischen Reiches hinaus und reicht bis an die Ostküste Indiens, wobei das in diesem Bereich abgebildete Orts- und Straßennetz verglichen mit dem Gebiet des römischen Reichs stark ausgedünnt ist. Die Teile der Karte, auf der die britische Hauptinsel, die iberische Halbinsel sowie der Bereich der nordafrikanischen Küste westlich von Algier abgebildet waren, sind heute verloren (die dortigen Ortschaften und Straßenverläufe wurden z.T. jedoch aus den Angaben im sog. Itinerarium Antonini ergänzt, einem Itinerar aus dem 3. Jh., das allerdings nicht in Kartenform, sondern in Gestalt einer bloßen Routenliste samt Entfernungsangaben vorliegt [ Text ]). Die Darstellung der Karte ist weder winkel- noch maßstabsgetreu und insofern nicht mit modernen Karten vergleichbar. Wenigstens ansatzweise entspricht die Abbildung der Küstenverläufe jedoch durchaus den realen Verhältnissen. Ein Beispiel hierfür ist die Darstellung Unteritaliens, die eindeutig Stiefelabsatz und -spitze sowie den dazwischen liegenden Golf von Tarent erkennen lässt. Auf der T.P. sind neben Landflächen und Meeren auch Flußläufe und Gebirgszüge eingetragen. Der vordergründige Informationsgehalt der Karte besteht in der ungefähren Lokalisierung und Benennung von Ortschaften sowie den zwischen den Ortschaften bestehenden Straßenverbindungen (Seewege sind nicht kartiert). Die Markierung von Ortschaften geschieht in unterschiedlicher Weise in Abhängigkeit von deren Größe und Bedeutung. Während vergleichsweise bedeutende Orte durch schematische Darstellungen von größeren oder kleineren Bauwerken angezeigt werden, sind unbedeutende Siedlungen nur durch einen "Knick" innerhalb eines Straßenverlaufs markiert. Grundsätzlich gibt die Karte die Distanz zwischen zwei mit einer Straße verbundenen Ortschaften in römischen Meilen an. Die von der Karte gegebenen Informationen weisen z. T. Inkonsistenzen auf. So ist einerseits das i. J. 79 zerstörte Pompeji verzeichnet, andererseits findet sich der Name Constantinopolis, der der Stadt Byzantion erst im Jahr 337 verliehen worden ist. Diese Inkonsistenz mag darauf hindeuten, dass die T.P. entweder direkt oder mittelbar auf unterschiedlichen Quellen basiert.

Es ist umstritten, welcher Art die antiken Vorlagen gewesen sind, auf die die T.P. rekurriert. Insbesondere ist unklar, ob es eine antike kartographische, in ihrer Erscheinungsform mit der T.P. vergleichbare, Vorlage gegeben hat, an der sich die T.P. orientierte. Diese Frage berührt die viel grundsätzlichere Thematik, ob es in der Antike überhaupt "Landkarten" im modernen Sinn gegeben hat, wobei hier differenziert werden muss. Tatsächlich erhalten sind Kataster- und Stadtpläne. Ein prominentes Beispiel ist die sog. Forma Urbis, ein Plan der Stadt Rom, der unter Kaiser Septimius Severus zu Beginn des 3. Jhs. angefertigt wurde. Der Plan, der auch detaillierte Grundrisse von Gebäuden präsentiert, war auf insgesamt 150 Marmorplatten aufgetragen, die an einer Innenwand des Templum Pacis in Rom angebracht wurden. Zahlreiche Fragmente dieses Plans sind erhalten. Ein weiteres Beispiel antiker "Kartographie" sind die sog. Katasterpläne von Orange. Dabei handelt es sich um insgesamt drei unterschiedliche Pläne, die die Landaufteilung in der Umgebung der römischen Kolonie Arausio (= Orange) in der Provence dokumentieren und deren Entstehung in das letzte Viertel des 1. Jhs. datiert wird (Kaiser Vespasian). Fragmente auch dieser Pläne sind bis heute erhalten (Musée d'Art et d'Histoire in Orange).

Bei der Forma Urbis wie auch bei den Katasterplänen von Orange handelt es sich um Kartierungen einzelner "Siedlungsplätze" im weitesten Sinn. Kartographische Werke, die die übergeordnete Dimension, also die Verortung von Siedlungsplätzen in ihrem lokalen Verhältnis zueinander, abzubilden versuchen, sind realiter nicht aus der Antike auf uns gekommen. Es gibt lediglich eine Reihe von literarischen Nachrichten aus der Antike, die als Hinweise auf die Existenz solcher Kartenwerke interpretiert werden können, was im Einzelfall jedoch sehr umstritten ist. Reisende in der Antike bedienten sich zur Orientierung für gewöhnlich wohl sog. Itinerare, Listen, die die Namen der Ortschaften nannten, die auf einer Reise von einem Punkt A zu einem Punkt B nacheinander anzusteuern waren, und die außerdem die Distanzen zwischen den Orten angaben. Im wesentlichen sind dies die Informationen, die auch aus der T.P. abzulesen sind. Dies lässt an die Möglichkeit denken, dass die T.P. unter Umständen nichts anderes ist als eine nachträgliche, rein mittelalterliche Visualisierungsform eines oder mehrerer solcher antiker Itinerare.




Abschrift eines Itinerars, das auf einen bei der toskanischen Ortschaft Vicarello gefundenen Silberbecher (einer von insgesamt vier nahezu identischen) geschrieben ist und das die Route von Gades/Cadiz nach Rom beschreibt (Itinerarium Gaditanum)

Für VerbaAlpina ist zunächst das toponomastische Repertoire von Interesse, das durch die Karte überliefert wird, da es Einblicke in historische Gegebenheiten und Prozesse erlaubt, die vor allem für die Substratforschung von Bedeutung sind (s. z.B. T. Krefeld, Wortgeschichte und Toponymie: zur Familie von ‚Salles‘, ‚Sala‘ und Verwandtem, in: VerbaAlpina 18/1, https://www.verba-alpina.gwi.uni-muenchen.de/?p=2064&db=181). Die durch die T.P. dokumentierten in der Antike benutzten Verkehrsrouten durch die Alpen können wiederum Aufschluss über die möglichen Verbreitungswege sprachlicher Phänomene geben.

Die auf der T.P. verzeichneten Routen durch die Alpen sind eindeutig hauptsächlich auf deren Überquerung ausgerichtet. Rein inneralpine, gleichsam quer zu den großen Transitrouten verlaufende Kommunikationswege, die etwa gezielt verschiedene Talschaften miteinander verbinden würden, sind nicht kartiert. Aufs Ganze gesehen kann man das auf der T.P. abgebildete Straßensystem in einen West- und in einen Ostteil gliedern. Die Straßen südlich des Genfer Sees verbinden im Wesentlichen Italien mit den gallischen Provinzen, vor allem der Gallia Narbonensis. Die eingezeichneten Verkehrswege des Ostteils führen von Italien aus in die Provinzen Raetia und Noricum. Unter den Straßen des Westteils befindet sich auch eine der ältesten römischen Straßen im Alpenraum: Die Via Domitia, die zwischen 122 und 118 v. Chr. vom Prokonsul Gnaeus Domitius Ahenobarbus zur Anbindung der neu eingerichteten Provinz Gallia Transalpina (später: Narbonensis) angelegt worden war. Sie führte von der Poebene durch die Val di Susa (Segusio) über den Col de Montgenèvre (1850 m) hinüber nach Briançon und von dort weiter über Gap nach Narbonne (Narbo). Erst gut 100 Jahre nach der Erbauung der Via Domitia wurde von Augustus die Via Iulia Augusta angelegt, die die Seealpen in unmittelbarer Meeresnähe überwindet und an deren höchstem Punkt (512 m) das Tropaeum Alpium steht. Neben diesen beiden Straßen mit prominenter Benennung verzeichnet die T.P. in den Westalpen weitere zwar namenlose, zweifellos jedoch auch bedeutende und stark frequentierte Routen. Eine davon führte durch das Aostatal und schließlich, nach der Gabelung bei Aosta, über den Großen Sankt Bernhard (2469 m) hinüber in das Wallis und schließlich zum Genfer See bzw. über den Kleinen Sankt Bernhard (2188 m) und in der Folge über Albertville und Chambery nach Vienne im Rhonetal. Abzweigungen von der Via Domitia führten nach Vienne und Valence. Es fällt auf, dass der Abstand zwischen den einzelnen Etappenorten im Bereich der Westalpen im Schnitt markant geringer ist als bei den auf der T.P. verzeichneten Streckenverläufen in den Ostalpen.

In den Ostalpen verzeichnet die T.P. im Wesentlichen vier Übergänge von Italien nach Raetien bzw. Noricum. Am weitesten im Westen liegt die Route, die Mailand (Mediolanum) mit Bregenz (Brigantium) und schließlich Augsburg (Augusta Vindelicum) verband. Sie führte von Como über Chiavenna und den Splügenpass (2114 m) nach Chur (Curia) und folgte dann dem Rheintal bis zum Bodensee. Weiter im Osten ist der Verlauf der Via Raetia eingetragen, die Verona über den Brenner mit Augsburg verband. Im südlichen Abschnitt, von Verona bis Bozen (Pontedrusi), folgte sie dabei der Trasse der Via Claudia Augusta, jener Straße, die bereits unter Augustus angelegt und später von Kaiser Claudius ausgebaut worden war. Anders als diese, die von Bozen durch das Vintschgau und dann über den Reschen- (1504 m) und den Fernpass (1216 m) Richtung Augsburg führte, folgte die Via Raetia dem Lauf des Eisack bis zum Brenner (1370 m) hinauf und führte von dort weiter über den Seefelder Sattel (1185 m) und Partenkirchen. Die Via Raetia war erst von Kaiser Septimius Severus (193-211) angelegt worden und verkürzte die Strecke von Verona bis Augsburg um rund 70 Kilometer. Besondere Hindernisse, die dem Ausbau dieser Route zunächst entgegenstanden, waren die Eisackschlucht zwischen Bozen und Klausen (Sublabione) sowie die Sillschlucht bei Innsbruck. Noch weiter im Osten verzeichnet die T.P. je eine Straßenverbindung von Viruno, dem heutigen Maria Saal wenig nördlich von Klagenfurt, über den Radstädter Tauernpass (1738 m) nach Salzburg (Iuvavo) bzw. über die Triebener Tauern (1274 m) nach Liezen (Stiriate) und von dort weiter nach Wels (Ovilia = Colonia Aurelia Antoniana Ovilabis).

Die auf der T.P. im Alpenraum verzeichneten Straßenverbindungen repräsentieren bei weitem nicht alle in der römischen Antike genutzten Verkehrswege in dieser Region. Als Beispiel sei hier nur die Römerstraße genannt, die über den Iulierpass (römischer Meilenstein auf der Passhöhe) führend das Oberengadin mit Chur im Rheintal verband.

Einige wenige der von der T.P. im Alpenraum verzeichneten Ortschaften sind in ihrer Bedeutung durch die Verwendung eines besonderen Symbols in Hausform hervorgehoben. Innerhalb des Perimeters der Alpenkonvention sind dies im Bereich der Westalpen Riez (Reis Apollinaris = Colonia Iulia Augusta Apollinarium Reiorum) und Aosta (Augusta Pretoria = Colonia Augusta Praetoria), in den Ostalpen Bregenz (Brigantio), Trient/Trento (Tredente), Maria Saal (Viruno = Claudium Virunum, von Kaiser Claudius als Hauptstadt der Provinz Noricum gegründet, Nachfolger der Siedlung auf dem Magdalensberg) sowie Salzburg (Iuvavo = Iuvavum).

Die auf der interaktiven Karte von VerbaAlpina gegebene georeferenzierte Präsentation der Daten von der T.P. basiert auf der entsprechenden Vorarbeit von René Voorburg (https://omnesviae.org/), der die Nachnutzung seiner Arbeit ausdrücklich gestattet, wofür ihm hier gedankt sei.


Lit.: Brodersen 1995, S. 186f. (T.P. als "Umsetzung von Itinerar-Texten in eine Graphik"); Fellmeth, Ulrich, “Tabula Peutingeriana”, in: Der Neue Pauly, Herausgegeben von: Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Antike), Manfred Landfester (Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte). Consulted online on 27 November 2018 http://dx.doi.org.emedien.ub.uni-muenchen.de/10.1163/1574-9347_dnp_e1128120> First published online: 2006; Rathmann 2016. -
http://www.cambridge.org/us/talbert/talbertdatabase/prm.html


(auct. Stephan Lücke)

Tags: Außersprachlicher Kontext



Technologie (Zitieren)

VerbaAlpina verwendet soweit möglich online-Technologie. Herzstück ist eine Wordpress-Installation (Modul VA_WEB), an die mehrere MySQL-Datenbanken (Modul VA_DB) angebunden sind. Bei Wordpress handelt es sich um ein kostenfrei verfügbares, quelloffenes (open source) und individuell erweiterbares PHP-Framework, dessen Funktionalitäten durch den Einsatz von Javascript-Bibliotheken ergänzt werden. Letzteres trifft vor allem auf die interaktive online-Karte zu, die sich in den ersten Versionen von VerbaAlpina der einschlägigen Javascript-Bibliothek von Google Maps bediente. Voraussichtlich mit der VA-Version 19_1 erfolgt die Umstellung auf das quelloffene Javascript-Framework "Leaflet", die mit der Implementierung eines hochperformanten WebGL-Layers zur Visualisierung großer Datenmengen einhergeht.

Soweit möglich und sinnvoll, werden sämtliche von VerbaAlpina entwickelten Wordpress-Funktionalitäten als sog. Plugins realisiert, die anschließend auf der weithin bekannten und innerhalb der Entwickler-Community fest etablierten Plattform "Github" abgelegt werden (https://github.com/VerbaAlpina/). Sie können von dort uneingeschränkt heruntergeladen und nachgenutzt werden. Die Verwendung der Plugins wird im Rahmen der im Bereich der Softwareentwicklung weit verbreiteten MIT- Lizenz gestattet. Die auf Github angezeigte Unterscheidung zwischen PHP- und Javascript-Plugins ist artifiziell und wurde vom Github-System automatisch eingetragen. Die meisten der von VerbaAlpina entwickelten Plugins enthalten grundsätzlich neben PHP-Code immer auch gewisse Anteile an Javascript-Code. Derzeit (November 2018) stehen auf der Github-Seite von VerbaAlpina die Plugins "TranscriptionTool-Plugin", "Interactive-Map_Plugin", "Verba-Alpina-Plugin" zur Verfügung. Zusätzlich kann von dort auch das "Verba-Alpina-Theme" heruntergeladen werden, das hauptsächlich für das Design des Frontends verantwortlich ist. Es ist vorgesehen, noch weitere von VerbaAlpina entwickelte Funktionserweiterungen in Form von Plugins auf Github zum Download anzubieten.

Liste der wichtigsten bislang von VerbaAlpina entwickelten Funktionserweiterungen:

  • Interaktive Online-Karte (vielschichtige Visualisierung von Datenanalysen)
  • Transkriptionstool (für die Transkription hauptsächlich von Sprachatlanten)
  • Typisierungstool (Kategorisierung von erfasstem Sprachmaterial und Zuweisung zu Typen)
  • Konzeptbaum (Verwaltung der hierarchischen Struktur der außersprachlichen Konzeptwelt)
  • CS-Tool ("Crowdsourcing"-Tool; Erhebung von Sprachmaterial über das Internet zur Abrundung und Ergänzung des Datenmaterials)
  • SQLtoHTML (direkte Einbindung der Ergebnisse von SQL-Abfragen in Wordpressbeiträge)

Neben diesen komplexen Tools, die sehr wahrscheinlich auch für Anwender jenseits von VerbaAlpina von Nutzen sein können, erfolgte die Entwicklung von zahlreichen Funktionalitäten im Detail, deren Umformung in modular verwendbare Plugins nicht sinnvoll erscheint, da sie entweder zu geringfügig oder zu spezifisch zugeschnitten auf die Erfordernisse von VerbaAlpina erscheinen. Zugänglich ist jedoch auch diese Kategorie von Entwicklungen, zumal neben den erwähnten Plugins auch der komplette Softwarecode von VerbaAlpina auf Github abgelegt wird.

Das an die Wordpress-Umgebung angebundene Backend besteht, wie gesagt, aus mehreren MySQL-Datenbanken. Die Datenbank va_wp basiert auf dem Standard-Modell einer MySQL-Datenbank, wie sie üblicherweise als Backend von Wordpress-Installationen Verwendung finden. Über diese Datenbank werden hauptsächlich die "generischen" Funktionalitäten einer Wordpress-Installation wie z.B. die Benutzerverwaltung abgewickelt. Der zentrale fachwissenschaftliche Datenbestand von VerbaAlpina wie etwa Transkriptionen (Tabelle `tokens`), Typisierungen im weitesten Sinn (`morph_typen`, `basistypen`, `etyma`, `lemmata`), Konzepte (`konzepte`), Methodologie-Einträge (`glossar`), Beiträge des Lexikon alpinum (`im_comments`) oder auch die Bibliographie (`bibliographie`) befindet sich in der Datenbank va_xxx. Das Suffix "xxx" bezeichnet dabei die jeweilige Arbeitsversion von VerbaAlpina, deren Datenbestand durch den laufenden Betrieb ständigen Änderungen unterliegt. Bei der Erzeugung einer VerbaAlpina-Version wird jeweils eine dann stabile Kopie dieser Datenbank erzeugt, deren Name die entsprechende Versions-Nummer als Suffix erhält (z.B. va_181). Außerdem existiert für eine Reihe von Kooperationspartnern von VerbaAlpina jeweils eine MySQL-Datenbank. Die Namen dieser Datenbanken weisen jeweils das Praefix "pva_" (= "Partner von VerbaAlpina") auf, es folgt das Kürzel des Partnerprojekts (z.B. pva_ald-i).

Die von VerbaAlpina in der Mediathek (Modul VA_MT) der Wordpressinstallation gesammelten Mediendateien (Bilder, Videos, Tonaufnahmen) werden, wie bei Wordpress-Installationen üblich, im Filesystem des Webservers gespeichert.

Alle technologischen Instanzen von VerbaAlpina, also die Wordpress-Installation wie auch die Datenbanken, nutzen die IT-Infrastruktur der IT-Gruppe Geisteswissenschaften der LMU. Diese Institution betreibt ein professionelles IT-Management mit hochverfügbaren Web- und Datenbankservern und greift dabei auch auf Dienste des Leibniz-Rechenzentrums der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zurück. Der Bestand der ITG ist mit derzeit insgesamt sieben unbefristeten Personalstellen langfristig gesichert. Ein Teil des Personals widmet sich ausschließlich dem Betrieb sowie der Wartung und Pflege von Server-Hard- und -Software.

Sämtliche Softwareentwicklungen wurden von den Informatikern David Englmeier (wiss. Mitarbeiter; seit Oktober 2016), Filip Hristov (Hilfskraft; seit September 2016) und Florian Zacherl (wiss. Mitarbeiter; seit Oktober 2014) geleistet.

(auct. Stephan Lücke)

Tags: Informationstechnologie



Terminologie (Zitieren)

Vielfach wird eine Unterscheidung zwischen Rohdaten, Primär- und Metadaten vorgenommen. Eine verbindliche Definition dieser Kategorien existiert bislang nicht.

Rohdaten: Daten nach Übernahme aus "Quelle" (z.B. von Partnern, über OCR aus Lexika, via Transkription ...)

VA orientiert sich am Modell von Stuart Card (infovis-reference-model; reference-model for vizualization).

Dementsprechend wird unterschieden zwischen Roh- und Primärdaten. Rohdaten sind alle Daten in der Gestalt, die vorliegt, bevor die Daten elektronisch in die VA-Struktur übertragen wurden. Dies gilt auch für den Fall, dass zu übernehmende Daten bereits in der VA-Struktur vorliegen, da auch in diesem Fall menschliche Interaktion zur Datenübernahme erforderlich ist (etwa um festzustellen, *dass* die Struktur identisch ist).

Als Primärdaten werden definiert: Sämtliche Daten, die über die API mit dem Parameter "getRecord" (Beispiel: https://www.verba-alpina.gwi.uni-muenchen.de/?api=1&action=getRecord&id=C1&version=182&format=xml&empty=0) abgerufen werden (noch nicht vollständig implementiert) können. Dabei wird unterschieden zwischen Kern-Primärdaten (=sprachliche Daten) und peripheren Primärdaten (sprachliche Peripherie wie z.B. archäologische Daten).

Unter Metadaten werden all die Daten verstanden, die die Primärdaten beschreiben (z.B. administrative Daten zur Beschreibung des Gesamtprojekts, alle erläuternden Texte, z.B. in der Methodologie [die unterschiedliche Aspekte des Gesamtprojekts beleuchtet] oder dem Lexikon Alpinum).

Sekundärdaten sind all die Daten, die der Verarbeitung all der anderen Daten dienen (Code, Queries etc. ...)

(auct. David Englmeier | Filip Hristov | Thomas Krefeld | Stephan Lücke | Christina Mutter | Florian Zacherl)

Tags: Informationstechnologie



Transkription (Zitieren)

Die sprachlichen Materialien werden graphisch in doppelter Weise wiedergegeben, um den beiden gegenläufigen Prinzipien der Quellentreue und der leichten Vergleichbarkeit gerecht zu werden:
(1) Inputversion in der Originaltranskription
Im VA-Portal werden Quellen zusammengeführt, die aus unterschiedlichen Fachtraditionen stammen (Romanistik, Germanistik, Slavistik) und die historisch unterschiedliche Phasen der dialektologischen Forschung repräsentieren; manche Wörterbuchdaten wurden zu Beginn des letzten Jahrhunderts (GPSR) und andere erst vor wenigen Jahren (ALD) erhoben. Deshalb ist es wissenschaftsgeschichtlich notwendig, die Originaltranskription weitestgehend zu respektieren. Aus technischen Gründen ist es allerdings unmöglich, bestimmte Konventionen unverändert zu erhalten; das gilt insbesondere für die vertikale Kombination von Basiszeichen (‘Buchstaben’) und diakritischen Zeichen, also etwa dann, wenn ein Betonungsakzent über einem Längenzeichen über einem Vokal über einem Schließungszeichen positioniert ist (Betacode). Diese Konventionen werden in jeweils definierten technischen Transkriptionen in lineare Folgen von Zeichen überführt, wobei ausschließlich ASCII-Zeichen benutzt werden (so genannter Betacode). Bis zu einem gewissen Grad können bei der Beta-Kodierung intuitiv verständliche graphische Ähnlichkeiten zwischen den Originaldiakritika und den ASCII-Entsprechungen ausgenützt werden; sie sind mnemotechnisch günstig.

(2) Outputversion in IPA
Im Sinne der Vergleichbarkeit und auch der Nutzerfreundlichkeit ist zudem die Ausgabe in einer einheitlichen Transkription wünschenswert. Alle Beta-Codes werden daher mit spezifischen Ersetzungsroutinen in IPA-Zeichen überführt. Einige wenige, aber unvermeidbare Unverträglichkeiten ergeben sich vor allem dann, wenn einem, durch Diakritika spezifizierten Basiszeichen in der Inputtranskription in IPA zwei unterschiedliche Basiszeichen entsprechen. Das gilt vor allem im Hinblick auf die Öffnungsgrade der Vokale, wo z. B. in der palatalen Reihe die beiden Basiszeichen <i> und <e> in Verbindung mit Schließungspunkt und einem oder zwei Öffnungshäkchen es erlauben, sechs Öffnungsgrade abzubilden; in Beta-Kodierung sind das: i – i( – i((– e?-- e – e(– e((. Dafür stehen in IPA nur vier Basiszeichen i – ɪ – e – ɛ zur Verfügung.


(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik Informationstechnologie



Tropaeum Alpium (Zitieren)

Das Tropaeum Alpium (https://www.wikidata.org/wiki/Q747588; s. H. Philipp, RE 7A,1 [1939], Sp. 661f., s.v. Tropaea Augusti; E. Meyer, RE Suppl. 11 [1968], Sp. 1269, s.v. Tropaeum Alpium) ist ein Siegesmonument, das nach der Niederwerfung der den Alpenraum besiedelnden Barbarenstämme (Feldzug des [späteren Kaisers] Tiberius und des Drusus [dessen jüngerem Bruder] i. J. 15 v. Chr.; Hauptquellen: Cassius Dio 54, 22 und Strabon 4, 6, 6–9; 7, 1, 5) auf Beschluss von Senat und Volk von Rom zu Ehren des Kaisers Augustus bald nach dem Jahr 7/6 v. Chr. (die Beschlussfassung erfolgte laut Inschrift im 17. Jahr seiner Tribunicia potestas, d.h. zwischen dem 26.6.7 und dem 25.6.6 v. Chr.) errichtet worden war. Die Reste des monumentalen, ursprünglich rund 50 Meter hohen, Bauwerks stehen in den französischen Seealpen hoch oberhalb von Monaco bei der Ortschaft La Turbie direkt auf der Passhöhe des Col d'Èze (512 m über dem Meer; Märtin 2017, S. 119).




Rekonstruktion des Tropaeum Alpium im Museum von La Turbie. Auf dem Sockel ist die im Folgenden besprochene Inschrift erkennbar.
(Von Matthias Holländer – Selbst fotografiert, Copyrighted free use, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37407992)


Aus Sicht von VerbaAlpina ist vor allem die monumentale (etwa 20 x 4 Meter) an dem Denkmal angebrachte Inschrift (CIL V 7817 = EDCS-05401067; Foto) von Interesse, die die Namen der damals unterworfenen Stämme auflistet. Diese Inschrift ist nur teilweise erhalten, und die Reste sind überdies in knapp 170 Fragmente zerschlagen. Der vollständige Text ist jedoch vom römischen Schriftsteller Plinius dem Älteren in dessen Naturalis Historia überliefert (Plin. NH 3, 136f.), so dass die Rekonstruktion der fragmentierten Inschrift gelingen konnte.




Die, über weite Strecken rekonstruierte, Inschrift auf dem Sockel des Tropaeum Alpium
(Foto: Stefano Costa https://www.flickr.com/photos/47912543@N00/11358571655/in/pool-1876758@N22, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/)

Reflexe der in der Inschrift genannten Stammesnamen haben sich z.T. bis heute in der Benennung von Orten oder Regionen im Alpenraum erhalten, so dass auch aufgrund dessen in manchen Fällen die Lokalisierung der jeweiligen Siedlungsräume mit einiger Sicherheit angegeben werden kann. Aus Sicht der Sprachwissenschaft können dies im Hinblick auf die Substratforschung wichtige Informationen sein (vgl. Krefeld, Thomas [2018]: Geschichte des romanisch-germanischen Sprachkontakts. Vorlesung dh-lehre. Version 8 [27.08.2018, 17:03]. https://www.dh-lehre.gwi.uni-muenchen.de/?p=53255&lv=8&v=8#p:5).

Die Passage bei Plinius, in der der Text der Inschrift zitiert ist, liest sich wie folgt (Plin. a.a.O.; die Auflösung der Abkürzungen in runden Klammern stammt von mir, Buchstaben[folgen], die nur in der Inschrift am Tropaeum Alpium vorhanden sind, sind unterstrichen; die Zeilenumbrüche sind durch senkrechte Striche angegeben; die Nummerierung in Klammern hinter den Stammesnamen stammt von mir):

(136) Non alienum videtur hoc loco subicere inscriptionem e tropaeo Alpium, quae talis est:

IMP(eratori) · CAESARI DIVI FILIO AVG(usto) | · PONT(ifici) · MAX(imo) · IMP(eratori) · XIIII · TR(ribunicia) · POT(estate) · XVII | · S(enatus) · P(opulus) · Q(ue) · R(omanus) |· QVOD EIVS DVCTV AVSPICIISQVE GENTES ALPINAE OMNES QVAE A MARI SVPERO AD INFERVM PERTINEBANT SVB IMPERIVM P(opuli) · R(omani) · SVNT REDACTAE · | GENTES ALPINAE DEVICTAE TRVMPILINI (1)· CAMVNNI (2) · VENOSTES (3)· VENNONETES (4)· ISARCI (5)· BREVNI (6)· GENAVNES (7)· FOCVNATES (8) · | VINDELICORVM GENTES QVATTVOR (9)· COSVANETES (10)· RVCINATES (11)· LICATES (12)· CATENATES (13)· AMBISONTES (14)· RVGVSCI (15)· SVANETES (16)· CALVCONES (17) · | BRIXENETES (18)· LEPONTI (19)· VBERI (20)· NANTVATES (21)· SEDVNI (22)· VARAGRI (23)· SALASSI (24)· ACITAVONES (25)· MEDVLLI (26)· VCENNI (27)· CATVRIGES (28)· BRIGIANI (29)· | SOGIONTI (30)· BRODIONTI (31)· NEMALONI (32)· EDENATES (33)· VESVBIANI (34)· VEAMINI (35)· GALLITAE (36)· TRIVLLATI (37)· ECDINI (38)· | VERGVNNI (39)· EGVI (40)· TVRI (41)· NEMATVRI (42)· ORATELLI (43)· NERVSI (44)· VELAVNI (45)· SVETRI (46).

(138) Non sunt adiectae Cottianae civitates XV, quae non fuerant hostiles, item adtributae municipiis lege Pompeia.

(ed. C. Mayhoff, Stuttgart [Teubner] 1906; Text der Edition Loeb [zugangsbeschränkt])


Übersetzung:

Es erscheint nicht abwegig, an dieser Stelle die Inschrift vom Tropaeum Alpium anzufügen, die folgendermaßen lautet:
Dem Imperator Caesar, Sohn des Göttlichen, Augustus, Pontifex Maximus, als er 14 Mal die imperatorische Akklamation erhalten hatte und zum 17. Mal die tribunizische Amtsgewalt ausübte, haben der Senat und das römische Volk, weil unter seiner Führung und unter seinem Oberbefehl alle Stämme in den Alpen, die sich vom oberen bis zum unteren Meer erstreckten, unter die Herrschaft des römischen Volkes gebracht worden sind, (dieses Monument errichtet). Die besiegten alpinen Stämme: [Liste der Namen].
Nicht hinzugefügt sind die 15 Gemeinden der Cottier, die nicht feindselig gewesen waren und auch (schon) durch die Lex Pompeia zu den Municipien hinzugefügt worden sind. (Übers. Stephan Lücke)


Plinius dürfte den Text der Inschrift nicht am Monument selbst, sondern vielmehr das originale Schriftstück im Archiv in Rom gesehen haben. Darauf deuten nicht zuletzt die Abweichungen hin, die zwischen dem Text der Inschrift und dem von Plinius überlieferten bestehen.

Mit dem "mare superum" ist die Adria gemeint, "mare inferum" ist das tyrrhenische Meer (s. Georges, s.v. mare; man vergleiche auch die Formulierung von Plinius [NH 3, 133]: verso deinde in Italiam pectore Alpium iuris Euganeae gentes, quarum oppida XXXIIII enumerat Cato. Die Metapher von der "Brust der Alpen" [bei den Euganei, also ungefähr dem heutigen Veneto/Friaul] versteht man gut, wenn man sich die Alpen als einen auf seiner linken Seite liegenden Riesen vorstellt, dessen in Richtung Süden blickendes Haupt am "oberen" Meer zu verorten ist. In diesem Sinn liegt das Tropaeum Alpium am "Fuß" der Alpen, und auch der Name der italienischen Region Piemonte [ich danke Thomas Krefeld für diesen Hinweis] erhält dadurch eine spezifische, bislang wohl eher selten wahrgenommene Konnotation; es ist allerdings einzuräumen, dass die Bezeichnung "Piemonte" für die heute so genannte Region in Antike und Mittelalter anscheinend unbekannt war Treccani s.v. Piemonte), die Unterwerfung betraf also Stämme fast im kompletten Alpenbogen. Ausgenommen scheint allerdings die Gegend östlich des Brenners gewesen zu sein, in der Metapher des Plinius also das "Caput Alpium". Diese Region war ein Jahr vor dem Feldzug des Drusus und Tiberius von Publius Silius Nerva niedergeworfen worden, wobei speziell Noricum keinen Widerstand geleistet hatte (s. Junkelmann, Die Legionen des Augustus, 1986, S. 63 und 70 [non vidi]; zum widerstandslosen Anschluss Noricums: Karl-Wilhelm Welwei, Römische Weltherrschaftsideologie und augusteische Germanienpolitik, Gymnasium 93, 1986, S. 118–138 [non vidi]).

Einige der genannten Stämme werden auch in antiken literarischen Quellen erwähnt und können aufgrund dessen lokalisiert werden. Im Folgenden geben die Nummern hinter den Namen die Position innerhalb der Inschrift an. Die Trumpilini (1) und die Camunni (2) seien Stämme der Euganeer, so Plinius (NH 3, 134). Plinius (ebd.) berichtet von den Leponti (19) – deren Name von Manchen angeblich vom griechischen Wort für VERLASSEN, ZURÜCKLASSEN (λείπω) hergeleitet werde, weil sie angeblich bei der Überschreitung der Alpen im Gefolge des Herakles dort zurückgeblieben seien, da ihnen die Kälte die Glieder hatte gefrieren lassen –, dass sie in der Nähe der Quelle der Rhone siedelten. Die Uberi (20) (im Text der Inschrift VIBERI) bezeichnet Plinius (a.O. 135) als einen Teil, also vermutlich Stamm, der Lepontier, was diese einerseits als Volk erscheinen lässt und damit gleichzeitig im Widerspruch zur Inschrift auf dem Tropaeum Alpium steht, wo sie als gens figurieren. Auffällig ist, dass Leponti und Uberi offenkundig in nächster Nachbarschaft zu einander siedelten und in der Inschrift des Tropaeum Alpium auch unmittelbar nach einander genannt werden. Dies reflektiert u.a. die der Anordnung innewohnende geographische Logik (s. unten). In 3,135 erwähnt Plinius auch die Vennonenses, bei denen es sich um einen Stamm der Raeter handle und die, gemeinsam mit den Sarunetes, in der Nähe der Rheinquelle siedelten. Dass sie mit den Vennonetes (4) der Inschrift zu identifizieren sind, ist jedoch sehr unwahrscheinlich, wie aus dem Folgenden ersichtlich werden wird. Von den in der Inschrift erwähnten Turi schließlich berichtet Plinius (NH 3,135), dass sie ein Stamm der Ligurer seien, demnach also bereits irgendwo im Bereich der Seealpen lebten.

Neben den Nachrichten aus antiken Quellen gibt auch die neuzeitliche Toponomastik Hinweise auf die Lage der Siedlungsgebiete der genannten Gentes. Der Name der Trumpilini (1), von denen Plinius sagt, sie seien ein Stamm der Euganeer, an die noch heute die Colli Euganei westlich von Padua erinnern, kann mit dem Namen der Val Trompia etwas westlich des Gardasees in Verbindung gebracht werden (s. Thomas Krefeld). Nördlich der Val Trompia befindet sich die Val Camonica, deren Name sich sehr wahrscheinlich von den Camunni (2) herleitet. Wiederum nördlich davon liegt das Vinschgau, italienisch Val Venosta, das man unschwer mit den Venostes (3) assoziieren kann. Die Isarci (5) passen zum Isarco, dem linken Nebenfluss der Etsch, der am Brenner entspringt. Der Brenner wiederum mag seinen Namen von den Breuni (6) bekommen haben.

Die Vindelici (9) sind wohlbekannt durch den römischen Namen für Augsburg, Augusta Vindelic(or)um. Da es hier um Bewohner der Alpen geht, wird man ihr Siedlungsgebiet also irgendwo am nördlichen Rand der Alpen unmittelbar südlich von Augsburg zu suchen haben. Es ist umstritten, ob der Eintrag VINDELICORVM GENTES QVATTVOR als Überschrift zu verstehen ist und somit die nachfolgenden vier Gentes als Vindelicer zu verstehen sind. Dafür könnte sprechen, dass eine dieser im Folgenden genannten Gentes, die Licates (12), sicher als vindelikischer Stamm angesehen wurden (Strab. 4,6,8: ἰταμώτατοι δὲ τῶν μὲν Οὐινδολικῶν ἐξητάζοντο Λικάττιοι καὶ Κλαυτηνάτιοι καὶ Οὐέννωνες, τῶν δὲ Ῥαιτῶν Ῥουκάντιοι καὶ Κωτουάντιοι [ed. Loeb [zugangsbeschränkt]). Sehr wahrscheinlich haben sie irgendwo im Lechtal (lat. Licca) gesiedelt, somit in einer Region, die man als Siedlungsgebiet der Vindelicer erwarten würde. Entsprechend wären dann auch die Cosuanetes (10), Rucinates (11) und Catenates (13) Vindelicer und in der näheren oder weiteren Umgebung des Lechtals zu suchen (eine genauere Lokalisierung ist anscheinend bislang noch nicht möglich). Eine weitere Stütze der Annahme, dass VINDELICORVM GENTES QVATTVOR als Überschrift zu verstehen ist, kann in der Analogie von GENTES ALPINAE DEVICTAE, das die Namensliste einleitet, gesehen werden. Auch dieser Passus hat offenkundig den Charakter einer Überschrift. Hinzu kommt, dass VINDELICORVM GENTES QVATTVOR ebenso wie GENTES ALPINAE DEVICTAE am Anfang einer Inschriftenzeile steht.

Brixenetes (18) ist ein anderer Name der Briganti, die ihren Namen an den der Stadt Bregenz am Bodensee weitergegeben haben (HLS, s.v. Brigantii; ich danke Thomas Krefeld für den Hinweis). Thomas Krefeld a.a.O bringt die Val Leventina mit dem Namen der Leponti in Verbindung, was sehr gut zur Nachricht des Plinius passt, diese hätten in der Nähe der Quellen der Rhone gelebt. Den Namen der Caturiges (28) schließlich erkennt Thomas Krefeld im Namen der französischen Ortschaft Chorges in der Nähe von Gap.

Auch die Siedlungsgebiete noch einer Reihe weiterer der in der Inschrift genannten Gentes lassen sich wenigstens ungefähr georeferenzieren, wobei allerdings durchaus die Gefahr von Zirkelschlüssen besteht. Trägt man diese ungefähren Lokalisierungen auf einer Karte ab und kippt diese um ca. 90 Grad nach Westen, erkennt man die der Inschrift innewohnende Logik (die Nummern beziehen sich wiederum auf die Rangfolge der Nennung in der Inschrift. Türkise Zahlen markieren Stämme, deren Lokalisierung allein auf Grundlage der geographischen Logik der Inschrift erschlossen wurde; die Verortung kann nicht wörtlich genommen werden, sondern ist absolut vage):




Ungefähre Lokalisierung der Alpenstämme auf einer um 90 Grad nach links gekippten Karte
(Kartengrundlage: Google Earth; Download der kmz-Datei)

Die unterworfenen Stämme werden, beginnend beim "oberen" Meer, der Reihe nach nach unten bis zum "unteren" Meer aufgezählt – was ja auch exakt dem Wortlaut der Inschrift entspricht: GENTES ALPINAE OMNES QVAE A MARI SVPERO AD INFERVM PERTINEBANT. Genau an der Stelle, an der die letztgenannten Stämme gelebt haben, steht symbolisch das Siegesmonument und setzt damit im übertragenen Sinn ein Ausrufezeichen unter die Liste. Der Standort ist also alles andere als zufällig und überdies auch deswegen ideal gewählt, weil er an einer sicher sehr stark frequentierten Land- und Seeroute (das Monument ist vom Meer her sehr gut zu sehen) gelegen war. Das Tropaeum Alpium lag genau am höchsten Punkt der Via Iulia Augusta, einer sehr wichtigen Straßenverbindung, die erst wenige Jahre vor der Errichtung des Siegesmonuments (im Jahr 13 v. Chr., also unmittelbar nach der siegreichen Beendigung des Feldzugs von Drusus und Tiberius im Spätsommer 15 v. Chr.) von Augustus angelegt worden war und die Italien mit der Provinz Gallia Narbonensis verband.

Wirklich irritierend ist zunächst allein die Nennung des Stammes der Ambisontes (14), da deren Siedlungsgebiet traditionell im Saalfeldener Becken und somit vollkommen außerhalb der ansonsten konsistenten Reihung von Ost nach West bzw. oben nach unten angenommen wird. Diese Lokalisierung geht anscheinend auf eine Stelle in den Geographica des Claudius Ptolemaeus (2,13,2: Κατέχουσι δὲ τὰ μὲν δυσμικώτερα τῆς ἐπαρχίας ἀπὸ ἄρκτων ἀρχομένοις Σεούακες καὶ Ἀλαυνοὶ (Ἀλανοὶ) καὶ Ἀμβισόντιοι, τὰ δὲ ἀνατολικώτερα Νωρικοὶ καὶ Ἀμβίδραυοι καὶ Ἀμβίλικοι.) zurück. Ziemlich sicher liegt hier eine fehlerhafte Identifizierung vor (bereits Theodor Mommsen, CIL III 2, p. 588, hatte vermutet, dass die bei Ptolemaeus genannten Ambisonten nicht mit denen auf dem Tropaeum Alpium identisch sind). Aufgrund der Position 14 innerhalb der Liste des Tropaeum Alpium wäre ihr Siedlungsgebiet wesentlich weiter westlich, vielleicht im Unterengadin oder dem angrenzenden österreichischen Inntal zu suchen. Hinzu kommt, dass die von Ptolemaeus genannten Ambisontes ein Stamm der Noriker gewesen sind, von denen wir wissen, dass diese sich bereits ein Jahr vor dem großen Alpenfeldzug, auf den sich das Tropaeum Alpium bezieht, im Rahmen der Kampagne des Publius Silius Nerva widerstandslos unterworfen hatten. Andere Stämme der Noriker werden in der Inschrift nicht genannt, die Ambisonten wären also der einzige in der Inschrift erwähnte Stamm der Noriker, was allein schon verdächtig wäre. Schließlich ist noch anzumerken, dass die Inschrift vom Tropaeum Alpium von "Ambisontes" spricht, bei Ptolemaios jedoch von den Ἀμβισόντιοι, in der lateinischen Entsprechung also von den Ambisontii, die Rede ist. Einander sehr ähnliche Stammesnamen sind für den Alpenraum auch anderwärts nachgewiesen (vgl. die Vennonenses und die Vennonetes [4]).

Soweit mir bekannt, sind die folgenden in der Inschrift genannten Stämme bislang noch nicht genauer lokalisiert worden: Clucones (17), Acitavones (25), Sogionti (30), Brodionti (31), Nemaloni (32), Veamini (35), Gallitae (36), Ecdini (38), Egui (40), Nematuri (42), Oratelli (43), Nerusi (44), Velauni (45), Suetri (46). Auf Basis der in der Inschrift vom Tropaeum Alpium offenbar vorliegenden geographischen Logik, lässt sich nun aber zumindest eine ungefähre Verortung dieser Stämme vornehmen. Demnach ist das Siedlungsgebiet der Clucones (17) irgendwo in Graubünden, am ehesten vielleicht im Rheintal in der Umgebung von Chur zu suchen. Die Acitavones (25) könnten irgendwo südlich des Mont Blanc im oberen Aosta- oder auch Isère-Tal gelebt haben. Sogionti (30), Brodionti (31), Nemaloni (32) wären in der Gegend südlich von Gap zu suchen, die übrigen genannten bislang nicht lokalisierten Stämme wiederum weiter südlich davon im Bereich der Seealpen.

Laut Plinius fehlen in der Inschrift diejenigen, die sich während des Feldzugs den Römern gegenüber freundschaftlich verhalten hatten. Konkret (aber eben nicht namentlich) genannt werden die 15 Stämme der Cottii (s. Georges, s.v. cottius), deren Siedlungszentrum sich im Susa-Tal (Segusio) südwestlich von Turin befand (Märtin 2017, S. 108). Die Namen von insgesamt 14 Stämmen der Cottii ist durch eine Inschrift (CIL CIL V 7231; Eintrag in der Epigraphischen Datenbank Heidelberg) auf dem Augustusbogen von Susa überliefert (aus dem Jahr 9/8 v. Chr.). Dort werden genannt: Segovii, Segusini, Belaci, Caturigi, Medulli, Tebauii, Adanatii, Savincatii, Ecdinii, Veaminii, Venisami, Iemerii, Vesubianii, Quadiatii.

Bei der von Plinius erwähnten Lex Pompeia muss es sich um die sog. Lex Pompeia de Transpadanis handeln, ein Gesetz aus dem Jahr 89 v. Chr., das vom Konsul Pompeius Strabo (dem Vater Pompeius' des Großen) eingebracht worden war (vgl. E. Weiss, RE 12,2 [1925], Sp. 2403, s.v. Lex Pompeia [1]; G. Rotondi, Leges publicae populi Romani, 1912 [Nachdruck 1962] S. 342 [non vidi]). Gegenstand des Gesetzes ist die Verleihung des latinischen Bürgerrechts an die nördlich des Flusses Po lebenden Verbündeten der Römer im Bundesgenossenkrieg (91-88) gewesen (vgl. Luraschi, Giorgio [1980]. Sui destinatari della c.d. Lex Pompeia de Transpadanis. In: Atti del II seminario romanistico Gardesano, S. 267-292. Milano [non vidi]). Insofern stellt dieses Gesetz eine Ergänzung der Lex Iulia de Civitate Latinis et Sociis Danda aus dem Jahr 90 sowie der Lex Plautia Papiria de Civitate Sociis Danda (89 v. Chr.) dar, durch die die in Italien südlich des Po lebenden Stämme bzw. Völker das latinische Bürgerrecht erhalten hatten.

Die Inschrift vom Tropaeum Alpium unterscheidet hinsichtlich der gelisteten Namen mindestens zwei unterschiedliche Status. Beim Gros der Namen handelt es sich offenkundig um "gentes", also um Stämme. Der Eintrag "Vindelicorum gentes quattuor" zeigt jedoch, dass "gentes" grundsätzlich eine Gliederung einer größeren Einheit sein konnten, die man wohl als "Volk" bezeichnen kann. Es mag sein, dass unter den civitates der Cottier, von denen Plinius spricht, im Grunde auch "gentes" zu verstehen sind. Die unterschiedliche Bezeichnung dürfte mit dem geänderten rechtlichen Status zu erklären sein, der sich aus der Verleihung des latinischen Bürgerrechts ergeben hat (civitas < civis !).

(auct. Stephan Lücke)

Tags: Außersprachlicher Kontext



Typisierung (Zitieren)

Die 'Interaktive Karte' bietet dem Nutzer die Möglichkeit, nach drei verschiedenen sprachlichen 'Typen' zu suchen. Jeder 'Typ' ist als eine Klasse von sprachlichen Ausdrücken zu verstehen; dadurch soll die unübersichtliche Vielfalt der zahlreichen sprachlichen Varianten in überschaubarer Weise strukturiert werden. Es werden phonetische, morphologische und – im Fall des 'Basistyps' – sprachgeschichtliche Kriterien eingesetzt. Die Typisierung der georeferenzierten Sprachdaten gehört zu den grundlegenden Anforderungen von VerbaAlpina. Dazu werden, wo dies möglich ist, aus den Inputdaten nach der Transkription in einem ersten Schritt Tokens ('Einzelwörter') extrahiert und in das gleichnamige Datenbankfeld eingetragen.

Im Zentrum des Interesses von VerbaAlpina steht die morphologische Typisierung des gesammelten Sprachmaterials. Ein morphologischer Typ wird dabei durch Übereinstimmung der folgenden Eigenschaften definiert: Sprachfamilie – Wortart – einfaches Wort vs. affigiertes Wort – Genus – lexikalischer Basistyp. Die Nennform des morphologischen Typs schließlich orientiert sich an den korrespondierenden Lemmata ausgewählter Referenzlexika (s.u.).

Durch die Zuweisung zu einem gemeinsamen lexikalischen Basistyp wird die Zusammengehörigkeit aller vereinigten morpho-lexikalischen Typen klar – auch über Sprachgrenzen hinweg. So lassen sich die folgenden (hier nicht im Detail beschriebenen) Nomina und Verben einem einzigen Basistyp malga zuweisen: malga (ALM, HERDE), malgaro (SENN), malghese (HIRTE), immalgare (ALM BEZIEHEN), dismalgare (ALM VERLASSEN). Allerdings sagt der lexikalische Basistyp nichts über die Wortgeschichte der einzelnen morpho-lexikalischen Typen aus: Ob ein Typ mit lateinisch-romanischem Etymon, der heute im germanischen oder slowenischen Sprachgebiet belegt ist, wie z. B. slowenisch bajta 'einfaches Haus', auf altes lokales Substrat zurückgeht oder aber auf neueren romanischen Sprachkontakt, muss jeweils einzeln herausgearbeitet werden. Aus diesem Grund wird die Bezeichnung "Etymon", die sich grundsätzlich auf die unmittelbare historische Vorstufe eines Wortes bezieht, in diesem Kontext vermieden – auch wenn in vielen Fällen der lexikalische Basistyp tatsächlich auch das Etymon eines morpho-lexikalischen Typs ist. Die Basistypen, die von den Referenzwörterbüchern als unbekannt oder umstritten gekennzeichnet sind, werden durch eine zusätzliche Voranstellung eines Fragezeichens markiert, wie im Beispiel: (?) battuere. Wenn im Prozess der Typisierung die Bestimmung des Basistyps nicht möglich ist, verwendet VerbaAlpina einen unbekannten Typ, der mit einem ? markiert wird.
Die morpho-lexikalischen Typen bilden die Leitkategorie in der Verwaltung der sprachlichen Daten; sie sind den Lemmata der Lexikographie vergleichbar. Mittels der oben genannten, robusten und gut operationalisierbaren Kriterien lassen sich z.B. die vier phonetischen Typen barga, bark, margun, bargun mit der Bedeutung ALMHÜTTE, ALMSTALL auf drei morpho-lexikalische Typen reduzieren:





Die Zugehörigkeit der morpho-lexikalischen Typen zu Sprachfamilien (gem., roa., sla.) hängt von der jeweiligen Quelle ab; sie ergibt sich im Fall traditionell erhobener Atlas- oder Wörterbuchdaten automatisch über die jeweiligen Informanten und wird entsprechend in der Datenbank notiert. Zeigen einzelne Wörter in bestimmten Varietäten ein Suffix, das aber keinen Genuswechsel mit sich bringt, so wird kein gesonderter morpho-lexikalischer Typ angelegt (vgl. bar. Nom. Sg. die Wiesn vs. deu. die Wiese), da die Bündelung der Belege im Vordergrund steht. Im Fall der Daten, die VerbaAlpina selbst durch Crowdsourcing erhebt, wird die Sprach- bzw. Dialektzugehörigkeit von den Informanten behauptet und im Idealfall quantitativ bestätigt; die Anzahl von bestätigenden Informanten wird so zu einem Instrument der Datenvalidierung.

Morpho-lexikalische Typen sind auf eine Sprachfamilie beschränkt. Es stellt sich nun die Frage, durch welche Form ein morpho-lexikalischer Typ in der Suchfunktion der interaktiven Karte repräsentiert werden soll. Im Hinblick auf die germanische und slawische Sprachfamilie fällt die Antwort eher leicht, da beide jeweils nur durch eine standardisierte Einzelsprache ('Deutsch' [deu] bzw. 'Slowenisch' [slo]) vertreten sind. Die morpho-lexikalischen Typen können in Gestalt ihrer standardsprachlichen Varianten abgebildet werden, selbstverständlich unter der Bedingung, dass es im Standard Entsprechungen des Typs gibt; so können beispielsweise alle entsprechenden phonetischen Typen des Alemannischen und Bairischen, die Varianten der Standardform sind, unter ebendieser Standardform aufgerufen werden. Falls Standardvarianten nicht existieren, werden die Lemmata der großen Referenzwörterbücher (Idiotikon, WBOE) herangezogen.

Im Fall der romanischen Sprachfamilie ist die Situation wegen der zahlreichen, teils nicht hinreichend standardisierten Kleinsprachen sehr viel komplexer. Aus pragmatischen Gründen wurde hier der folgende Weg gewählt: Alle morpho-lexikalischen Typen werden, sofern vorhanden, durch die französischen und italienischen Standardformen repräsentiert; so können z. B. alle phonetischen Typen, die Varianten von beurre/burro 'Butter' sind, unter diesen beiden Formen aufgerufen werden; als Referenzwörterbücher fungieren u.a. TLF und Treccani. In entgegengesetzter Perspektive werden jeder Einzeläußerung alle drei Typen, ein Konzept sowie ein Verweis auf ein Referenzwörterbuch zugeordnet: Vgl. Karte Konzept RAHM

Falls nur eine dieser beiden Standardsprachen eine passende Variante hat, erscheint nur diese, wie im Fall von ricotta (die Zugehörigkeit zum Italienischen wird durch die Notationskonvention -/ricotta angezeigt). Wenn in keiner der beiden romanischen Referenzsprachen eine Variante des Typs existiert, wird auf den Eintrag eines dialektalen Referenzwörterbuchs zurückgegriffen, etwa auf LSI. Für den Fall, dass keine verlässlichen Einträge in Dialektwörterbüchern verfügbar sind, schlägt VerbaAlpina einen Basistyp mitsamt grafischer Repräsentation ('VA') vor.

Im Gesamtkonzept und der technischen Umsetzung vorgesehen, jedoch peripher und demnach nicht konsequent umgesetzt, ist die phonetische Typisierung des Sprachmaterials. Die entsprechende Kategorie ist vor allem deswegen unentbehrlich, weil Sprachatlanten bisweilen (z. B. SDS und VALTS) und Wörterbücher ausschließlich phonetische Typen dokumentieren. Bei der phonetischen Typisierung durch VerbaAlpina werden die Tokens nach Kriterien der historischen Phonetik in phonetische Typen eingeteilt (Datenbankfeld 'phon_typ'). Dazu ein charakteristisches Beispiel (aus AIS 1204 LA PANNA | RAHM | CRÈME):





Nach Maßgabe der Phonetik ist es sinnvoll, die Anlautvarianten [kr-] und [gr-] sowie die Tonvokalvarianten [a], [e] und [o] vor [m] zu differenzieren. Sie erscheinen daher als unterschiedliche 'phonetische Typen'. Gleichzeitig ist es klar, dass es sich um lautliche Varianten ein und desselben morpho-lexikalischen Typs handelt, denn es gibt zahlreiche analoge Fälle von Lautwandel. Da sich jedoch keinerlei Evidenz für einen Wandel von [kr-] > [br-] findet, wäre es nicht sinnvoll die entsprechenden dolomitenladinischen Formen (brama) ebenfalls dazu zu stellen. Sie repräsentieren daher trotz der Ähnlichkeiten im Tonvokal und im Silbenauslaut [-ama] einen anderen morpho-lexikalischen Typ.



Eine Automatisierung der phonetischen Typisierung auf Basis von Levenshtein- und soundex-Algorithmen wird untersucht und wenn möglich umgesetzt werden; allerdings wird in jedem Fall ein starker Korrekturaufwand entstehen. Etwa die beiden historisch zusammengehörigen Formen krama und gromma unterscheiden sich rein numerisch im Sinn der Levenshtein-Distanz durch die Menge an Zeichenersetzungen die durchgeführt werden müssen, um eine Form in die andere zu transformieren, stärker als die nicht zusammengehörigen Formen krama und brama.





Durch die Typisierung (Klassenbildung) wird die Datenvielfalt zunehmend übersichtlich; es gilt also in der Regel: Zahl der Tokens > Zahl der phonetischen Typen > Zahl der morpho-lexikalischen Typen > Basistyp. Man beachte jedoch den Extremfall eines einzigen Belegs (Hapax), der einem Token, einem phonetischem Typ und einem morpho-lexikalischen Typ als einzigem Vertreter eines Basistyps entspricht. U.U. ist es sinnvoll, solche Hapax-Formen in der Darstellung herauszufiltern.


(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)

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