3. Methodik und Vorgehensweise (Zitieren)


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3. Methodik und Vorgehensweise: Konzeption der Personenrecherche für die Crowd

Bei der Personenrecherche für eine geeignete Crowd des Projekts bzw. für den Pretest müssen zwei grundsätzliche Punkte berücksichtigt werden. Zunächst stellt die Erreichbarkeit der Personen, die interessant für VerbaAlpina sind, ein gewisses Problem da. Ein echter Experte bzgl. Milch- und Käseproduktion und daher für den Alpenwortschatz im Allgemeinen z.B. ein Senn, ist tendenziell ein älterer Mensch, der im VerbaAlpinagebiet lebt. Das heißt, es könnte schwierig werden, jene Experten zum einen altersbedingt mit Social Media, App oder Website zu erreichen. Zum anderen könnte die zweite Schwierigkeit geographischer Natur sein, da der Internetanschluss im Gebirge und somit die Zugänglichkeit nicht abzusehen ist. Auch bei schlechtem Empfang o.Ä. könnten Komplikationen für das Nutzen der App/Website auftreten.

Von diesen grundsätzlichen  Einschränkungen abgesehen, mussten für die Funktionalität des Pretests gewisse Suchstrategien entwickelt werden, um Probanden zu finden.

3.1 Suchstrategien: Potenzielle User in Colle Santa Lucia und Brescia

Glücklicherweise hat VerbaAlpina durch zwei Kontaktpersonen die Möglichkeit auf verschiedene ‚Minicrowds‘ zurückzugreifen. Zum einen steht eine Minicrowd aus Colle Santa Lucia, gelegen mitten im VerbaAlpina-Gebiet (gelbe Markierung s. Abb. 7), zur  Verfügung, das verschiedene interessante Parameter zur Untersuchung bietet.

screen colle s.lucia

Abbildung 7

Es handelt sich dabei um eine Gruppe von 15-20 Personen. Da unter diesen Personen zumindest schon zwei Generationen  vertreten sind, kann man heterogene Antworten erwarten, sowohl bei den dialektalen Fragen als auch im Kompetenztest. Weiterhin lässt sich bei dieser Anzahl von Probanden auch eine ‚dorfspezifische‘ Untersuchung durchführen, wobei es hier besonders interessant wäre, im Falle heterogener Antworten, das Alter, Geschlecht und die Kompetenz  zu vergleichen und somit unterschiedliche Antworten zu erklären.

Bei der Minicrowd aus Brescia ist noch nicht abzusehen, welche Art von Usern und wie viele teilnehmen werden.  Der Anprechpartner aus Brescia hat sich bereit erklärt, über seinen Newsletter alle Mitglieder der Gruppe gruppo dei ricercatori ed appassionati di cultura alpina della Valle Camonica an der Teilnahme am Pretest einzuladen.

3.2 Social Media

Über gängige Social Media Plattformen zu suchen, bietet sich im Umgang mit Crowdsourcing sehr gut an. Zur Auswahl stehen verschiedene Möglichkeiten, die im Rahmen des Pretests getestet werden und – falls sich diese als erfolgreich herausstellen – im großen Stil für das Crowdsourcing für VerbaAlpina angewendet werden sollen. Als eine der ersten Plattformen kann man Facebook nutzen. Die Suchstrategie, die ich hier anwenden möchte, sieht vor, verschiedene Facebookgruppen, die potenzielle User für den Pretest darstellen, zu suchen und durch einen direkten Aufruf anzuschreiben. Zunächst wurde also stichprobenartig direkt nach Gruppierungen der Gemeinden aus dem VerbaAlpina Gebiet gesucht. Die Basis dafür ergibt sich aus der VerbaAlpina-Datenbank, in der alle Gemeinden, die im Erhebungsgebiet liegen, aufgelistet sind. Durch eine simple Abfrage mit MySQL

SELECT * FROM `gemeinden_ak` WHERE Sprachfamilie REGEXP ‚rom‘

lassen sich die Gemeinden nach Sprachfamilie sortieren, die in diesem Fall “romanisch“ wäre:

datenbank screen

Abbildung 7 (vgl. Datenbank/VerbaAlpina/Gemeinden)

Da man sich durch die Georeferenzierung nun alle Orte anzeigen lassen kann, die im italophonen Gebiet liegen, kann eine systematische Suche nach Gruppierungen, Vereinen o.Ä. dieser Gemeinde im Internet erstellt werden.

Eine andere Herangehensweise stellt die Suche nach allgemeineren Gruppen dar, von denen ich mir erhoffe, Menschen zu finden, die aus dem Erhebungsgebiet stammen. Passende Gruppen können z.B. italiani a monaco, Italiener in München etc. sein. Der Aufruf soll in direkter Form die jeweiligen Gruppen geposted werden. Dieser Aufruf sieht wie folgt aus.

Ciao a tutti,

sono una studentessa italo-tedesca di Monaco e per la mia tesi ho costruito un’applicazione per analizzare i dialetti italiani alpini, cioè si tratta di un lavoro sui dialetti italiani nelle regione italofone nelle Alpi. I temi trattati saranno anche tipici per le Alpi: Lavorazione del Latte, Alpeggio etc..

Come funziona?

18 domande, tipo: come dici ‚il latte‘? Ci sono anche delle fotografie, video etc., dunque ci si può divertire anche un po‘ 😉

Non durerà più che ca. 15 minuti. Quindi, se sei di una regione alpina italofona, se hai voglia di aiutarmi e di far parte della scienza linguistica, clicca direttamente qui! 🙂

Tutto si svolgerà in modo anonimo!

Il test e la tesi fanno parte del progetto linguistico VerbaAlpina, guidato da Prof. Dr. Thomas Krefeld e Dr. Stefan Lücke, Ludwig-Maximilians-Universität München. Per ulteriori informazioni clicca su http://www.verba-alpina.gwi.uni-muenchen.de !

Grazie in anticipo per il vostro aiuto ed a presto!

Giorgia

Ein Aufruf für die Teilnahme am Crowdsourcing VerbaAlpinas soll auch auf weiteren öffentlichen Netzwerken wie Twitter veröffentlicht werden.
Das Ziel über die Suche durch Social Media sollte sein, dass so viele Menschen wie möglich erreicht werden, z.B. – im Idealfall- durch selbstständiges Teilen.

3.3 Institutionen

Eine andere Möglichkeit stellt das Suchen der User über Institutionen dar, die entweder eine italienischsprachige Zielgruppe haben, im Alpenraum tätig sind, Interesse am Alpenraum haben oder Milch-und Käseproduktion als Tätigkeit ausüben. Dazu gehören das italienische Kulturinstitut in München, das italienische Konsulat, evtl. der bayerische Alpenverein, Ass.Alpini di Monaco oder auch Onlineportals wie www.comuni-italani.it, Molkereien, (Schau)Käsereien, Almen und andere Vertriebe von Milch-und Käseprodukten.

Der Vorteil des Kontakts mit öffentlichen Institutionen besteht darin, dass sie oft eine große community haben und über Newsletter der Institutionen erreicht werden können. Außerdem kann man davon ausgehen, dass Einrichtungen wie Kulturinstitute selbst ein Interesse an Projekten wie VerbaAlpina haben, da hier Sprach-und Kulturgut Italiens im Vordergrund steht.

Des Weiteren habe ich durch die Recherche mit der Suchmaschine Google nach Molkereien, Almen (mit touristischem Hintergrund sowie Schaukäsereien im italienischsprachigen Erhebungsgebiet gesucht und alle Kontaktmöglichkeiten genutzt; d.h. Emailadressen kontaktiert sowie auf jeweiligen Facebookseiten den eben gezeigten Aufruf geteilt.

screen fb

Abbildung 8

Es folgt nun eine Auflistung aller kontaktierten Institutionen:

Kulturinstitute:

  • Istituto di cultura italiana di Monaco di Baviera

  • Istituto Ladino

Molkereien:

  • Caseificio dal Casarao

  • Latteria Livigno

  • Caseificio Sociale di Vallecamonica

Almen:

  • Kreuzwiesenalm
  • Samerhof (Meransen)
  • Fallhof

Unternehmen:

  • La Macelleria Rigamonti (Produktion von Käse- und Salamispezialitäten)
  • Gutes aus Südtirol (Versand von Südtiroler Spezialitäten)

Die Resonanz und den Erfolg dieser Suchstrategien gilt es noch abzuwarten. Mit persönlichen Antworten ist kaum zu rechnen, allerdings wird sich in der Datenmenge und auch in der IP-Adresse der Nutzer zeigen, wie erfolgreiche diese Strategien waren und welche Gruppen erreicht wurden.