6. Fazit: Umgang mit den neu gewonnenen Daten (Zitieren)

GGrimaldi
(407 Wörter)

6. Fazit

Im Sinne VerbaAlpinas und besonders im Hinblick auf die Zielsetzung – nämlich die Verbreitung von Bezeichnungen und Bedeutungen – gibt es verschiedene mögliche Szenarien für den Umgang mit den neu erhobenen Daten. Eine Möglichkeit stellt die kartographische Darstellung der dialektalen Daten dar, wie sie in der Dialektographie bzw. Dialektometrie üblich ist. Da das Probandennetz wahrscheinlich sehr dünn sein wird, bietet sich der Umgang mit Voronoi-Diagrammen bzw. mit Thiessen-Polygonen an, besonders dann, wenn sich nach der Analyse einheitliche, also homogene Daten innerhalb eines Ortes zeigen. Im Polygonverfahren gilt als Grundannahme, „dass die Ähnlichkeit des unbekannten Wertes eines Punktes in der Fläche zum bekannten Messwert mit der Entfernung von diesem abnimmt, die Daten also umso unähnlicher sind, je weiter sie auseinander liegen (https://de.wikipedia.org/wiki/Voronoi-Diagramm/06.06.2016).“

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 Abbildung 21 (vgl. Krefeld, Thomas: ALD II)

Das heißt, man könnte die dialektale Ähnlichkeit bzw. Unähnlichkeit für die verschiedenen Regionen im Erhebungsgebiet farblich markieren und somit auf den ersten Blick die Zusammenhänge erkennen. Aus diesem Prozedere heraus, wäre die Erstellung eigener VerbaAlpina-Karten möglich.

Weiterhin ließen sich durch den Vergleich der heterogenen Daten (gemeindeunabhängig) diverse Phänomene feststellen, beispielsweise das der Italianisierung bestimmter Wörter im Dialekt. Vergleicht man die erhobenen Belege für ital. ricotta aus diversen Gemeinden, erkennt man, dass bis auf den Beleg eines Informanten immer ein dialektaler Beleg verwendet wurde, der sich nicht auf die morphologische Wurzel ricotta zurückführen lässt.

Bassa Friulana (Palmanova-Udine): le scuète

Colle Santa Lucia und Cortina d’Ampezzo: puina

Ovaro: la scueta

Badia: ciote

Bamboo: rigutta (!)

Durch die Verwendung von Crowdsourcing und speziell mit dieser Art der Erhebung, lassen sich also viele Prozesse wie Dynamik im Ort, Unterschiede in Sach- und Dialektkompetenz, neuer Alpenwortschatz und semantische Verschiebungen feststellen und analysieren. Weiterhin besteht der Vorteil im Gebrauch einer App/mobilen Seite darin, dass ein Automatismus erstellt werden kann, der die gewählten Konzepte ersetzen bzw. „fortlaufen“ lässt, sodass eine ständige Aktualisierung der mobilen Website möglich ist. Somit ergibt sich daraus eine Anlaufstelle für den motivierten Informanten regelmäßig seinen Beitrag zur Wissenschaft leisten zu können. Diese diversen Möglichkeiten des Datenumgangs lassen sich gut im Kontext einer sogenannten digitalen Forschungsumgebung einbetten, in der sich künftig ein „virtuelles Forschungslabor“ befinden soll. Dafür könnte man alle interessierten Informanten, die bereits durch das Crowdsourcing „rekrutiert“ wurden, einladen durch die angebotenen Funktionen dieses Labors wie kartographische Darstellungen, Typisierungsstufen und Transkriptionsprogramme ihre eigenen Ergebnisse vorzustellen, Ergebnisse anderer Nutzer oder die VerbaAlpinas zu validieren oder auch zur Weiterentwicklung dieser Forschungsumgebung beizutragen (vgl. Krefeld, Thomas: Eine webbasierte, raumorientierte Forschungsumgebung).