Die digitale Strukturierung der Daten (‚Digitalisierungsgrad D 3‚) erlaubt eine differenzierte semantische Analyse der erfassten sprachlichen Ausdrücke, denn Synonymien, Polysemien und Homonymien lassen sich durch die Verknüpfung der ‚Bezeichnungen‘ mit den ‚Konzepten‚ in Gestalt so genannter n:m-Beziehungen abbilden:

Im Lichte der dabei zu Tage tretenden Konzeptrelationen lässt sich das synchrone semantische Profil eines jeden polysemen Ausdrucks skizzieren; die wichtigsten Ausprägungen von Polysemie sind:

taxonomisch, wenn ein Ausdruck hierarchisch sowohl einander über- als auch untergeordnete Konzepte bezeichnet;
meronymisch, wenn ein Ausdruck sowohl komplexe Sachzusammenhänge (‚Ganze‘) als auch Konstituenten dieser Zusammenhänge (‚Teile‘) bezeichnet; so wird die ALM, der für den Bauern wichtige Teil des Berges häufig schlechthin als ‚Berg‘ bezeichnet: Vgl. Karte Konzept ALM

 

Beispielhafte meronymische Bezeichnung des Konzepts ALM als Teil des Bergs durch Übertragung der Bezeichnung des Ganzen
Morpho-lex. Typ montagna ‚Gebirge‘ (rom. m.)
Morpho-lex. Typ monte  ‚Berg‘ (rom. f.)

Andererseits kann die ALM,  als wirtschaftliches Ganzes (mit allem, was dazu gehört) mit Ausdrücken bezeichnet werden, die eigentlich nur für Komponenten der Almwirtschaft stehen: Vgl. Karte Konzept ALM

 

Beispielhafte meronymische Bezeichnung des Konzepts ALM als Ganzes durch Übertragung der Bezeichnung von Komponenten
Morpho-lex. Typ cascina ‚Sennhütte‘ (rom. f.) Cascina (rom. f.)
Morpho-lex. Typ casera ‚Ennhütte‘ (rom. f.)
Morpho-lex. Typ cjampei ‚Felder‘ (rom. m.)
Morpho-lex. Typ pascol ‚Weide‘ (rom. m.)
Morpho-lex. Typ pascolo ‚Weide‘ (rom. m.)

metonymisch, wenn ein Ausdruck Konzepte bezeichnet, die innerhalb ein und desselben ‚Ganzen‘ unterschiedliche ‚Teile‘ bezeichnet; so gehören zu einer ALM u.a. das VIEH, GEBÄUDE für das PERSONAL und für das Vieh, eine HÜRDE usw. Alle genannten Komponenten können in unterschiedlichen romanischen Ortsdialekten durch den morpho-lexikalischen rom. mandra bezeichnet werden: Vgl. Karte

Metonymische Bedeutungen des morpho-lexikalischen Typs rom. mandra

Konzept ALMHÜTTE
Konzept ALMSTALL
Konzept HERDE
Konzept RINDERHÜRDE

metaphorisch, wenn ein Ausdruck Konzepte unterschiedlicher Domänen bezeichnet, die in keinem gemeinsamen Zusammenhang stehen; allein das Konzept RAHM wird mit folgenden Metaphern, bzw. metaphorischen Vergleichen  bezeichnet:

    • als ‚Kopf‘: capo (rom. m.), (19 Belege), dazu capo di latte (rom.), wörtlich ‚Milchkopf‘  (12 Belege),  il capo del latte (rom.) (1 Beleg)
    • als ‚Blume‘: fleur / fiore (rom. m.) (15 Belege), fiora (rom. f.) (17 Belege), dazu fiora cruda (1 Beleg), wörtlich ‚ungekochte Blume‘, fiore di latte (rom.), wörtlich ‚Milchblume‘ (2 Belege)
    • als ‚Haut‘: Haut (ger. m.) (2 Belege), peau / pelle (rom. f.) (1 Beleg), la pelle del latte (rom.) (1 Beleg)
    • als ‚Pelz‘: pelliccia (rom. f.) (2 Belege), Pelz (ger. m.) (4 Belege)
    • als ‚Nebel‘: sbrumacje (rom. f.) (2 Belege), sbrume (rom. m.) (11 Belege)
    • als ‚Schaum‘: écume / schiuma (rom. f.) (2 Belege), spuma (rom. f.) (1 Beleg), spumacje (rom. f.) (1 Beleg)
    • als ‚Tuch‘: toile / tela (rom. m.) (14 Belege), dazu tela del latte (rom.) (1 Beleg) und tela di latte (rom.) (5 Belege), wörtlich ‚Milchtuch‘

antonymisch, wenn ein Ausdruck Konzepte bezeichnet, die im Gegensatz zueinander stehen.
Dabei können auch die semantischen, skizzierten Relationen zwischen den Konzepten zu Tage treten, die sich in den Polysemien ergeben.

Selbstverständlich kann ein Ausdruck auch mehrere unterschiedliche semantische Beziehungen bezeichnen, wie die Konzepte, die in unterschiedlichen romanischen Varietäten mit dem Basistyp malg- verbunden sind, exemplarisch zeigen.

(auct. Thomas Krefeld)

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