Jenseits des Buchs: webbasierte Forschungsumgebungen als Kern der digital humanities (Zitieren)


(334 Wörter)

Thomas Krefeld

Philologie unterwegs in die digital humanities

  • traditionell buchorientierte Disziplinen (‚Literatur‘ und ‚Sprache‘), Forschung über Bücher und durch das Medium Buch
  • inhaltliche Erweiterungen
  • neuer methodologischer Horizont (und neue Perspektive für das Fach), in dem Bücher und Verlage überflüssig sind: Forschung mit strukturierten Daten und durch das Medium der Webtechnologie

Radikal veränderte Wissenschaftskommunikation

  • Publikation in Gestalt einzelner materieller Objekte (‚Bücher‘) → Publikation in Gestalt interaktiver (‚Schreibe eine Antwort‘), hypertextuell verknüpfter, kontinuierlich erweiterbarer Informationen
  • Publikationsplattformen mit textstabilen (‚versionierten‘), verlässlich zitierbaren Beiträgen, auf die absatzgenau referenziert werden kann; vgl. Korpus im Text (KiT)
  • Aktuelle Entwicklung  von Strategien und Prozeduren zur Sicherung der Nachhaltigkeit in enger Kooperation mit
    • den Rechenzentren  (Repositorien)
    • und den Bibliotheken (auch für buchlose Forschung substantiell: auf Dauer gestellte Institutionen für die Thesaurierung und Administrierung des Wissens)
  • Integrierte Lehr- und Forschungsumgebungen, Beispiel an der LMU DHLehre,

Ein Beispiel aus der Dialektologie: VerbaAlpina

Ziel: Darstellung des relativ einheitlichen alpinen Kulturraums im Spiegel seiner sehr ausgeprägten Mehrsprachigkeit

(1) Dokumentation und sprachgeschichtliche Analyse des dialektalen Wortschatzes, der nach Maßgabe ethnographischer Kriterien als charakteristisch eingeschätzt wird;

  • quellentreue Retrodigitalisierung aus Sprachatlanten und georeferenzierbaren Wörterbüchern
  • in der Forschungsumgebung neu erhobene Daten (s.u. [4])
  • komplementäre Erfassung nicht-sprachlicher historischer Daten (z.B. lat. Inschriften und Ortsnamen) ; vgl. die Karte zu lat. cellarium|deu. Keller, und lat. casearia|bair. Kaser

(2) Kooperation mit Projektpartnern zum gegenseitigen Datenaustausch und zur Datenanalyse (Open Access)
(3) Publikation:

  • Datenbestand
  • Code (auf GitHub)
  • Metadaten in standardisierten Schemata (Clarin-d, DataCite, GeRDI)
  • analytische Texte und unterschiedlicher, projektbezogene Materialien (z.B. historische Informationen)
  • sowohl für die Forschung als auch für die interessierte breite Öffentlichkeit
  • Verschränkung lexikographischer und kartographischer Funktionen mit interaktive Sharing–Option
    • Beispiel: Konzept BUTTER (mit i-Button: Karte ↔ Lexikon),
    • vier ausgewählte Bezeichnungen des Konzepts

(4) Datenerhebung durch Crowdsourcing
(5) Forschungslabor; optionale Erstellung und Sharing von Karten und Kommentaren durch (projektexterne) Nutzer