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Erklärungssprache  (Zitieren)

Die Oberfläche dieses Portals wird in mehreren Standardsprachen aufrufbar sein, nämlich (in alphabetischer Reihenfolge) auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch (Rumantsch Grischun) und Slowenisch, dabei ist im Fall des Deutschen je nach Autor/in gelegentlich mit schweizerischen und österreichischen Standardvarianten zu rechnen. Unabhängig von der gewählten Erklärungssprache hat der Nutzer jedoch stets Zugriff auf sämtliche objektsprachlichen Materialien aller erfassten Dialekte und Sprachen.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Publikation



Ethnolinguistik  (Zitieren)

In der romanistischen, aber vor allem italianistischen Forschungstradition war die Dialektologie von Beginn an, d.h. in Italien mindestens seit Giuseppe Pitré, immer sehr eng mit den Sozialwissenschaften, genauer gesagt mit der Soziologie und der Ethnologie verbunden. In dieser Perspektive lässt sich die gesamte Geolinguistik sogar als Teildisziplin einer übergeordneten 'Ethnowissenschaft' verstehen. Dieser Ausdruck, der hier als Übersetzung von ita. etnoscienza (aus engl. ethnoscience) gesetzt wird, hat allerdings weder in Italien, noch in Deutschland etablieren können. In dem sehr scharfsinnigen und informativen Manuale di etnoscienza von Giorgio Raimondo Cardona (Cardona 1995) heißt es:

"[...] il prefissoide etno- permette un'immediata 'etnologizzazione' di qualunque sottodisciplina [...]. L'inglese offre ancora un altro tipo di formazione, quella con folk- (folk-taxonomy), che ha però lo svantaggio di non essere atrettanto facilmente esportabile quanto il suo concorrente grecizzante.

Il termine con etno- copre però due cose distinte, nella letteratura: etnobotanica può significare:
a) una vera botanica scientifica, ma ritagliata sull'habitat, uso ecc. di una specifica etnia;

b) la scienza botanica posseduta da una specifica etnia.
Nel primo caso, il ricercatore è soprattutto un naturalista, che compie il suo lavoro consueto, anche se con una particolare attenzione alle denominazioni locali ecc.; nel secondo il ricercatore è piuttosto un antropologo conoscitivo, che studia come venga categorizzato il mondo naturale da una data etnia; dei dati naturalistici egli si servirà soprattutto per ancorare le classificazioni così individuate a referenti reperibili e riconoscibili anche per chi è esterno alla cultura studiata. [...]

Gran parte dell'analisi etnoscientifica si basa sull'analisi di enunciati della lingua del gruppo [...] " (Cardona 1995, 15 f.; Hervorhebung durch fette Schrift: ThK)  

Die so skizzierte etnoscienza wird in der US-amerikanischen Tradition auch als cultural anthropology (dt. Kulturanthropologie) bezeichnet. Speziell im deutschsprachigen Raum wurde darüberhinaus zwischen Volkskunde für die Erforschung einheimischer Kultur(en) und Völkerkunde für die Erforschung fremder, insbesondere nichteuropäischer Kulturen unterschieden. In der Gegenwart wird stattdessen meist allgemein von Ethnologie mit dem besonderen Teilgebiet der Europäischen Ethnologie (im Sinne der Volkskunde) gesprochen. Die Bezeichnung Ethnolinguistik ist daher auch nicht eindeutig, da sie oft auf die sprachwissenschaftliche Untersuchung nicht europäischer Kulturen eingeschränkt wird (vgl. Senft 2003), obwohl sie die europäischen nicht ausschließen sollte; die kategorische Trennung erweist sich im Hinblick auf die massenhaften und weiträumigen Migrationsströme ohnehin in rapide zunehmendem Maße als sinnlos.

Eine Unschärfe im zitierten Passus von Cardona bleibt zu klären; sie betrifft das 'Präfixoid' ethno-, das einerseits als Synonym des en. folk und andererseits mit Bezug auf etnia verwandt wird. Mit folk (in folk-taxonomy usw.) wird auf die alltags- oder lebensweltlichen Wissensbestände und Konventionen der Laien bzw. Nicht-Wissenschaftler verwiesen und genau in diesem Sinne sollte auch Ethnie (bzw. ethno-) auf alltagsweltliche Kulturgemeinschaften bezogen werden, ohne jedoch idealisierte Vorstellungen von Homogenität, Archaizität, sozialer Abgeschlossenheit usw. zu implizieren. Die Unterscheidung Cardonas (a vs. b) verweist weiterhin auf zwei komplementäre Forschungsperspektiven in den Kultur- und Sozialwissenschaften. 

Zusammenfassend darf man dialektologische Forschungen im Sinn von Cardona (auch im Nachhinein) als 'ethnolinguistisch' bezeichnen, wenn sie ihre sprachlichen Daten im engen Zusammenhang mit der Alltagskultur der Sprecher erhebt und analysiert.

Richtungweisend für die ethnolinguistisch orientierte Tradition der italienischen Dialektologie ist die in teilnehmender Beobachtung entstandene Untersuchung von Hugo Plomteux 1980 über die Cultura contadina in Liguria. Ethnolinguistisch sehr gut, im regionalen Vergleich vielleicht am besten erschlossen ist Sizilien. Zu nennen sind vor allem: Fanciullo 1983 und mehrere wichtige Arbeiten, die im Rahmen des Atlante linguistico della Sicilia entstanden sind; die folgenden Titel geben Auskunft über die jeweils untersuchten kulturellen Techniken und Traditionen: Bonanzinga/Giallombardo 2011, Matranga 2011, Sottile 2002 und Castiglione 1999.

(auct. Thomas Krefeld)



Tags: Dokumentation



Ethnolinguistisches Ähnlichkeitsprofil  (Zitieren)

Aus der ethnolinguistischen Sicht dieses Projekts bilden die Basistypen das Fundament des mehrsprachigen alpinen Raums. Im Sinne einer synthetischen Darstellung sind zwei unterschiedliche quantitative Kartierungsfunktionen vorgesehen:
  1. Zunächst sind die Alpenwörter von besonderem Interesse; ihre Gesamtheit bildet sozusagen einen fiktiven Idealtyp, dem die einzelnen Ortsdialekte mehr oder weniger nahe kommen. Dem entspricht die Kartierung einer gradueller Ähnlichkeit, die durch die Darstellung des champ gradient de la gasconité im ALG 6 inspiriert wurde.
  2. Sodann wird nach dem Vorbild des ASD die relative Ähnlichkeit aller Aufnahmeorte untereinander kartiert, indem die gemeinsamen Basistypen eines beliebigen Aufnahmeortes und diejenigen eines beliebigen anderen Ortes als Bezugspunkt festgestellt und angezeigt werden.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Dokumentation



Etymologie  (Zitieren)

Die Freilegung der sprachlichen Strata, die Stratigraphie, setzt die Etymologisierung voraus. Der etymologische Kommentar geht jeweils vom Basistyp aus und verfolgt ein dreifaches Ziel:
- die Ermittlung der Herkunftssprache der lexematischen Basis;
- die Begründung der Zusammengehörigkeit aller unter dem Basistyp vereinigten Typen; dafür sind die Regularitäten der historischen Phonetik und die semantische Plausibilität der zugrundeliegenden Konzeptrelationen entscheidend;
- die Rekonstruktion der Entlehnungswege, falls der Basistyp in mehreren Sprachgebieten verbreitet ist; sobald die Sprache des Etymons einerseits und des Informanten andererseits nicht übereinstimmen, wird automatisch Sprachkontakt festgestellt.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Dokumentation Kooperation