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Fotos  (Zitieren)

Die Mediathek von VerbaAlpina enthält eine umfangreiche, ständig wachsende Sammlung georeferenzierter Fotos; diese Aufnahmen erfüllen einen doppelten Zweck: Einerseits verweisen sie auf konkrete Referenten mit all ihren idiosynkratischen Besonderheiten, die vor allem bei Gebäuden sehr ausgeprägt sein können; andererseits sollen die Fotos in möglichst anschaulicher Weise ein Konzept illustrieren und so zur Grundlage für die Erhebung weiterer Bezeichnungen des Konzepts werden. In dieser Funktion geht es also nicht darum, den spezifischen Referenten, also eine ganz bestimmte Almhütte, wiederzuerkennen. Das wäre sogar eher störend, denn in diesem Fall neigen Informanten dazu, den Eigennamen der Alm zu liefern, und nicht die Bezeichnungen des Konzepts. Das Risiko ist allerdings überschaubar; ein grundsätzliches Missverständnis ergibt sich eigentlich nur beim Wiederkennen bekannter Personen; hier ziehen die individuellen Merkmale die gesamte Konzentration des Betrachters auf sich, so dass der Abgebildete spontan und unwillkürlich mit dem Namen genannt wird ("das ist doch der Willi!") – und nicht in der Funktion, die er auf dem Foto ausübt (SENN). Strenggenommen wäre daher zur Erhebung von Bezeichnungen die Verwendung idealisierter Zeichnungen anstelle von Fotos konkreter Objekte vorzuziehen; das scheitert jedoch am Fehlen entsprechender Vorlagen. Alle Abbildungen von Referenten sind über die Datenbank mit den Kategorien "Konzept" und "Bezeichnung" verbunden.

(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)

Tags: Dokumentation



Funktionsbereich (1): Dokumentation  (Zitieren)

VerbaAlpina dokumentiert die dialektale Variation innerhalb eines ethnographisch definierten Raums; der onomasiologische Rahmen wird durch kulturelle Techniken und Lebensformen abgesteckt, die sich unter den jeweils spezifischen, auch kulturunabhängigen Umweltbedingungen konventionalisiert haben. Dergleichen Räume, die durch die Alpen in prototypischer Weise repräsentiert werden, konnten die sprachwissenschaftlichen Forschungstraditionen nicht angemessen erfassen, da sich die Teildisziplinen, die sich systematisch mit der Konstitution von Räumen beschäftigen – also die Sprachgeographie, bzw. Dialektologie oder auch Geolinguistik – beinahe ausnahmslos an vorgegebenen politischen und/oder (einzel)sprachlichen Grenzen orientieren. Der räumliche Zuschnitt zentraler und in mancher Hinsicht bis heute maßgeblicher Unternehmungen ist zwar nachzuvollziehen (vgl. etwa den AIS und das FEW) – zustimmen mag man jedoch oft nicht. Gerade die besonders faszinierenden mehrsprachigen Kulturräume, also z. B. das Gebiet zwischen der montenegrinisch-albanischen Adriaküste und der Donau, fallen daher durch das Raster der etablierten, durch nationalphilologische Voreinstellungen gesteuerten Forschung. Der ambitioniert geplante Atlante linguistico mediterraneo hätte ein richtungweisendes Großprojekt werden können; er ist jedoch über Ansätze niemals hinausgekommen.
VerbaAlpina zielt auf den Alpenraum; das Projekt will aber weder Sprach- noch Dialektgrenzen herausarbeiten und keineswegs das Mosaik gegeneinander abgegrenzter Varietäten (Dialekte) abbilden. Vielmehr wird eine interlinguale Geolinguistik entwickelt, die untersucht, inwieweit spezifische Varianten, nämlich die für den alpinen Kulturraum charakteristischen Bezeichnungstypen, gerade den Dialekten gemeinsam sind und sie womöglich über die Grenzen der Sprachfamilien hinaus verbinden. Die relative Ähnlichkeit der lokalen Dialekte ergibt sich induktiv aus den Daten selbst. Die einzige vorgegebene Gliederung des Alpenraums, die von vornherein unterlegt wird, betrifft die aktuellen Grenzen zwischen den drei großen Sprachfamilien (Germanisch, Romanisch, Slawisch).

Perspektive

Die Verteilung der Varianten in diesen dialektalen Großräumen impliziert vielfältige, mehr oder weniger weit zurückliegende Kontaktbeziehungen; daher kann die übergreifende Perspektive des Projekts nur eine historische sein. Im Hinblick auf den skizzierten Untersuchungsraum versteht sich VerbaAlpina allerdings nicht als Beitrag zur nationalen Sprachgeschichtsschreibung der involvierten Sprachen, sondern als Versuch, die Stratigraphie eines mehrsprachigen kommunikativen Raums exemplarisch zu rekonstruieren.

Dabei wird ausschließlich bottom up verfahren, das heißt auf Grundlage von Daten, die lokal georeferenzierbar sind. Die minimale und by default geltende Referenzeinheit ist die politische Gemeinde, genauer gesagt ein Geopunkt, der die Gemeinde als Ganze repräsentiert, oder aber die gesamte Gemeindefläche. Im Bedarfsfall kann die Georeferenzierung jedoch bis auf wenige Meter präzisiert werden.

Kartographie

Den Zugang zur Dokumentation vermittelt vor allem ein interaktive Karte. Bislang werden zur Visualisierung nur Punktsymbolkarten mit interaktiven Symbolen eingesetzt. Komplementär wird eine interaktive Flächensymbolisierung auf Basis der Gemeindeflächen vorbereitet, um eine bessere Visualisierung quantitativer Verhältnisse zu erzielen. Die interaktiven Symbolkarten markieren einen substanziellen Fortschritt der linguistischen und humanwissenschaftlichen Raumdarstellung, da sie es gestatten, stark abstrahierte ('synthetische') Repräsentationen mit ganz konkreten, lokalen Informationen ('analytisch') anzureichern.

Linguistische Datenaufbereitung

Bei Aktivierung ('Klick') eines Punktsymbols öffnet sich ein Fenster mit den jeweils für den Ort verfügbaren sprachlichen Daten; das folgende Beispiel zeigt die Bezeichnung des Konzepts BUTTER in Ramosch (Unterengadin):



Präsentation der sprachlichen Daten mit einem Pop-up-Fenster der interaktiven Karte

Die Daten werden quellentreu wiedergegeben (als phonetisch transkribierter Einzelbeleg, wie im vorstehenden Beispiel, oder in orthographisch typisierter Form) und allgemeineren Typen zugeordnet; die abstrakteste Kategorie wird durch den etymologisch definierten Basistyp vertreten. Demnächst kommen – wenn möglich – Verweise auf Referenzwörterbücher hinzu.

Filter

Mehrere Filter erlauben es dem Nutzer, aus den verfügbaren Daten eine gezielte Auswahl zu treffen und kartographisch darzustellen. Der oben gezeigte Kartenausschnitt stammt aus der Karte, die bei Auswahl des 'Konzepts' BUTTER erscheint:



Filter zu Steuerung der interaktiven Karte

Gruppieren und Sortieren

Nicht selten sind in den ausgewählten Kategorien bereits zahlreiche sprachliche Ausdrücke verfügbar; die Suche nach dem 'Konzept' BUTTER (vgl. die folgende Abb.) führt zu 1448 Belegen. Es wird daher die Möglichkeit gegeben, alle relevanten Ausdrücke nach unterschiedlichen Kriterien zu gruppieren und sortieren:



Die Sortierfunktion der interaktiven Karte: Konzepte

Eine entsprechende Option ergibt sich auch bei der Suche nach morpho-lexikalischen Typen oder Basistypen; vor allem die Sortierung nach dem Kriterium 'Konzept' ist auch unabhängig vom erfassten Sprachraum von Interesse, weil sie die Polysemie eines jeden Ausdrucks freilegt. Hier zwei screenshots der Vorgehensweise am Beispiel von malga:





Als Ergebnis resultieren die folgenden Bedeutungen, die untereinander in klarer metonymischer Beziehung stehen:



Polysemie des morpho-lexikalischen Typs malga

Quellen

Bislang wurden einige georeferenzierbare Wörterbücher, vor allem jedoch Sprachatlanten ausgewertet. Dabei wurden im Wesentlichen drei Techniken eingesetzt:
    1. Bereits auf gedruckten Karten publiziertes Material wurde mit einem speziell entwickelten Tool neu transkribiert und in die VA-Datenbank eingelesen, so im Fall der allermeisten Atlanten (SDS, AIS, TSA usw.).


    2. Das von VA entwickelte Transkriptionstool

    3. Bereits auf gedruckten Karten publiziertes Material, das jedoch im Original schon digital vorliegt, wurde so konvertiert und algorithmisch neu transkribiert, dass es in die VA-Datenbank eingelesen werden konnte. Dieses Verfahren wurde für den ALD und den ALTR praktiziert.
    4. Noch nicht publiziertes Material anderer Projekte wird direkt aus deren Erhebungsbögen transkribiert bzw. digital übernommen; dies gilt bislang vor allem für SAO-Daten.

    Multidimensionalität

    Für ein umfassendes Verständnis der historischen Prozesse ist es unbedingt wünschenswert, die sprachliche Daten um andere, historisch relevante Daten zu ergänzen; das kann VerbaAlpina nur sehr bedingt leisten; immerhin sind manche relevante Daten abrufbar. Der folgende Kartenausschnitt zeigt in synoptischer Zusammenschau einerseits die
    • Orte mit lateinischen Inschriften in der Provinz Noricum ;
    • Orte mit lateinischen Inschriften aus Raetien ;
    • aus der so genannten Tabula Peutingeriana überlieferten römische Ortsnamen an den viae publicae .
    Andererseits wurden die Reflexe von drei lateinischen, genauer: zwei lateinischen und einem latinisierten aber mutmaßlich vorrömischen Basistypen aufgerufen:
    • Basistyp lat. casearia in der Bedeutung 'Hütte'  in Nord-, Süd- und besonders prägnant in Osttirol;
    • den Basistyp vorröm. baita in der Bedeutung 'Haus'   in Slowenien südlich von Ljubljana;
    • den Basistyp lat. cellarium in der Bedeutung 'Hütte'  in Oberösterreich.


    Synoptische Karte zur lateinischen Epigraphik, den Tabula Peutingeriana-Orten und den Basistypen cellarium und baita in einem Teil des deu. und slow. Raums (vgl. die Legende oberhalb der Karte)

    Die unübersehbare Kongruenz oder wenigstens Affinität der Distributionen dürfte kaum einem Zufall geschuldet sein.

    (auct. Thomas Krefeld)

    Tags: Publikation



Funktionsbereich (2): Kooperation  (Zitieren)

Zusammenarbeit mit anderen Projekten ist für die Konzeption von VerbaAlpina grundlegend; sie spiegelt sich in zahlreichen Kooperationsvereinbarungen mit Projektpartnern wider. Ihre Umsetzung ist de facto jedoch nicht immer einfach; sie wird durch praktische, d.h. vor allem informationstechnische und damit verbundene datenrechtliche Probleme, aber am Rande auch ein wenig durch ideologische Vorbehalte gegenüber der open source-Ausrichtung behindert. Jede Kooperation stützt sich auf eine formale Vereinbarung, die den Partnern (PVA) eine exklusiv nutzbare Datenbank zum Upload zusichert. Jede Partner-Datenbank steht allen Partnern zum Download zur Verfügung. Aber die Kooperation soll selbstverständlich nicht auf Datenaustausch beschränkt bleiben; vielmehr sind alle Partner eingeladen (und aufgefordert), alle Funktionsbereiche zu nützen.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Kooperation Publikation



Funktionsbereich (3): Publikation  (Zitieren)

Strenggenommen ist schon die Datendokumentation im Internet eine Form der Publikation; darüber hinaus versteht sich VerbaAlpina aber auch als Instrument zur Veröffentlichung von projektbezogenen Texten. Dafür sind im Wesentlichen drei Formate vorgesehen:
  1. Theoretisch und methodologisch zentrale Begriffe und Probleme werden in konziser Weise unter dem Reiter Methodologie abgelegt.
  2. Ausführlichere analytische Untersuchungen von Projektergebnissen oder theoretische bzw. methodologische Diskussionen können unter Projektpublikationen abgelegt werden.
  3. Kommentare zu einzelnen sprachlichen Typen werden in der Kartenlegende durch einen 'i'-Button geöffnet; sie können dort auch sehr leicht durch Projektmitarbeiter oder Externe eingestellt werden.


Über die Legende zugängliche Kommentarfunktion

auct. Thomas Krefeld

Tags: Publikation



Funktionsbereich (4): Crowdsourcing  (Zitieren)

Damit ist die Erhebung von Neudaten über das Internet gemeint, die im zweiten Halbjahr 2016 aktiviert werden soll. Diese Funktion wird auf ein umfangreiches, noch nicht öffentliches Archiv ethnographischer Fotos und Videos zurückgreifen.

Herausheben des Käsebruchs (Tannheim, Bezirk Reutte, Tirol, 1940)

auct. Thomas Krefeld

Tags: Crowdsourcing



Funktionsbereich (5): Forschungslabor  (Zitieren)

Es ist ferner vorgesehen, ein virtuelles Forschungslabor einzurichten, das alle interessierten Nutzer einlädt, die von VerbaAlpina entwickelten geolinguistischen Tools (verschiedene kartographische Darstellungen,Typisierungsstufen u.a.) individuell zu nutzen und neue, womöglich auch alternative Analysen und Ergebnisse zu präsentieren. Selbstverständlich können auch die Tools selbst weiterentwickelt werden.

auct. Thomas Krefeld


Tags: Forschungslabor



Funktionsbereiche  (Zitieren)

Die Aufgaben und Leistungen von VerbaAlpina können den folgenden Bereichen zugeordnet werden:
(1) Dokumentation und sprachgeschichtliche Analyse des dialektalen Wortschatzes, der nach Maßgabe des onomasiologischen Rahmes als charakteristisch eingeschätzt wird;
(2) Kooperation mit Projektpartnern zum gegenseitigen Datenaustausch und zur Datenanalyse;
(3) Publikation des Datenbestandes, analytischer Texte und unterschiedlicher, projektbezogener Materialien, die sich teils an die fachliche, teils an die breite Öffentlichkeit richten.
Die Funktionen (1) bis (3) wurden mit der ersten Version 15/1 bereits aktiviert und werden kontinuierlich ausgebaut. In der Vorbereitung befinden sich die zwei weitere Funktionen:
(4) Datenerhebung durch Crowdsourcing;
(5) die Einrichtung eines Forschungslabors.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Publikation