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Betacode  (Zitieren)

In Anlehnung an die Terminologie des Thesaurus Linguae Graecae (TLG), der das entsprechende Konzept Anfang der 1970er Jahre für die elektronische Erfassung altgriechischer Texte mit den damaligen computertechnischen Mitteln entwickelt hatte, wird im Rahmen von VerbaAlpina die Transkription komplexer Schriftsysteme unter ausschließlicher Verwendung von ASCII-Zeichen als "Betacode" bezeichnet.
Die folgende Graphik illustriert das Verfahren anhand eines Beispiels aus dem Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz (AIS):





Bei der Übertragung der im Sprachatlas verwendeten phonetischen Transkription nach Böhmer-Ascoli in aus ASCII-Zeichen bestehende Sequenzen wird zunächst ganz einfach zwischen Basiszeichen und Diakritika unterschieden. Sofern ein Basiszeichen im ASCII-Code vorhanden ist, wird es bei der Übertragung durch sich selbst repräsentiert (was im gegebenen Beispiel durchweg der Fall ist). Unmittelbar hinter das Basiszeichen werden sodann nacheinander alle mit ihm verbundenen Diakritika geschrieben, wobei jedes Diakritikum durch ein spezielles ASCII-Zeichen ersetzt wird. Die Zuordnung der Diakritika zu ASCII-Zeichen ist innerhalb von VerbaAlpina eindeutig und in speziellen Tabellen der VerbaAlpina-Datenbank dokumentiert. Die Wahl der Zuordnung ist, soweit möglich, geleitet vom Prinzip der optischen Ähnlichkeit. So wird im genannten Beispiel das Häkchen unterhalb des u im Wort tu durch eine öffnende runde Klammer wiedergegeben: tu(. Die Diakritika werden ausgehend von ihrer Anordnung am Basiszeichen in der Reihenfolge unten nach oben und links nach rechts hinter das Basiszeichen geschrieben. Aufgrund des Prinzips der optischen Ähnlichkeit erfolgt die Zuordnung von Diakritika zu ASCII-Zeichen unabhängig von ihrer quellenspezifischen Semantik, in anderen Worten: Auch wenn ein Häkchen unterhalb eines Basiszeichens in der einen Quelle eine vollkommen andere phonetische Bedeutung besitzt als in einer anderen Quelle, so wird dennoch in beiden Fällen das Häkchen durch eine nachgestellte Klammer wiedergegeben. Die semantischen Unterschiede werden in den quellenspezifischen Transkriptionstabellen dokumentiert: Sie regeln die Konversion des Betacodes in die Outputtranskription gemäß IPA (ein und dieselbe Betacodierung kann also je nach Quelle zu ganz unterschiedlichen IPA-Kodierungen führen).
Das beschriebene Verfahren besitzt eine Reihe von Vorteilen:
- Die Datenerfassung kann in vergleichsweise hohem Tempo auf herkömmlichen Standardtastaturen erfolgen und ist vollständig betriebsystemunabhängig,
- die Transkriptoren benötigen keine Kenntnisse der phonetischen Transkriptionssysteme,
- es lassen sich beliebige Zeichen bzw. Diakritika erfassen, unabhängig davon, ob diese in Unicode kodiert sind oder nicht, und
- die elektronische Datenerfassung erfolgt ohne Informationsverlust.
Durch Ersetzungsroutinen kann der Betacode in nahezu beliebige andere Transkriptionssysteme überführt werden. Im Zuge solcher Konvertierungen kommt es unter Umständen zu Informationsverlusten, die jedoch im Wesen der Transkriptionssysteme begründet sind. So unterscheidet die phonetische Transkription nach Böhmer-Ascoli verschiedene Öffnungsgrade in einer Granularität, die im IPA-System nicht vorgesehen ist.

(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)

Tags: Dokumentation Kooperation Forschungslabor



Codepage  (Zitieren)

VerbaAlpina vereinigt Daten aus verschiedenen Arten von Quellen: Daten aus gedruckten Sprachatlanten und Wörterbüchern, die zunächst noch digitalisiert werden müssen, sowie bereits elektronisch vorliegende Daten aus einer Reihe von Partnerprojekten. Jede dieser unterschiedlichen Quellen verwendet mehr oder weniger individuelle Systeme zur Transkription. Um die erforderliche Vereinheitlichung zu realisieren, sind Listen nötig, in denen festgelegt ist, welches Schriftzeichen im Transkritionssystem der einen Quelle welche Entsprechung im Transkriptionssystem der anderen Quelle besitzt. Hauptsächlich geht es darum, die unterschiedlichen Transkriptionssysteme auf das Internationale Phonetische Alphabet (IPA) abzubilden, das innerhalb von VerbaAlpina als Referenztranskription fungiert. Zur Überführung eines quellenspezifischen Transkriptionssystems in das IPA-System ist die Anlage einer vollständigen Liste in Tabellengestalt mit Schriftzeichenentsprechungen erforderlich. Eine solche Tabelle wird als "Codepage" bezeichnet.
Nachfolgend ein Auszug aus der für die Konvertierung des AIS-Transkriptionssystems in IPA grundlegenden Codepage. Insgesamt umfasst diese Codepage rund 4500 Zeilen/Zuordnungen:


Die Kolumne `BETA` enthält die im AIS verwendeten Zeichen in nach dem Prinzip des Betacodes transkribierter Form, die Kolumne `IPA` das jeweils entsprechende IPA-Zeichen und die Kolumne `HEX` den oder die Zahlenwerte der Unicodetabelle, die dem jeweiligen IPA-Zeichen entsprechen.

(auct. Stephan Lücke)

Tags: Dokumentation Kooperation



Datenmodellierung  (Zitieren)

s. Relationales Datenmodell

Tags: Dokumentation Kooperation Forschungslabor



Datenzugriffsschicht  (Zitieren)

Der Zugriff auf das Modul VA_DB erlaubt, unmittelbar in den primären Projektdaten zu recherchieren. Dieser Zugriff kann entweder durch den Menschen (über das Modul VA_WEB) oder durch Maschinen bzw. Programme erfolgen. Letzteres Szenario besteht z. B. auch projektintern bei der Kommunikation zwischen den Modulen VA_WEB und VA_DB, betrifft aber auch automatische Zugriffe z. B. von Rechnern bzw. Programmen der VA-Projektpartner. Im Laufe der Entwicklungsarbeiten im Bereich der Module VA_WEB und VA_DB ist es aus informatischer bzw. programmiertechnischer Sicht nicht selten erforderlich, bestehende Datenstrukturen zu verändern und an neue Erfordernisse anzupassen. Dies kann im Fall des Zugriffs durch einen Menschen zu Verwirrung führen, im Fall des Zugriffs durch eine Maschine bzw. ein Programm führt es schlicht zu einer Fehlfunktion. Um diesem Problem zu begegnen, wird innerhalb von VA_DB eine – zumindest weitgehend – stabile Datenstruktur zwischengeschaltet, in die hinein die veränderlichen primären Datenstrukturen projiziert werden.

auct. Stephan Lücke

Tags: Kooperation Publikation Forschungslabor



Digital Humanities  (Zitieren)

Das Projekt VerbaAlpina wurde von vornherein mit Blick auf Webtauglichkeit konzipiert, denn es will ganz entschieden zur Überführung der etablierten geisteswissenschaftlichen Traditionen, genauer: der Geolinguistik, in die Digital Humanities beitragen .
Das bedeutet:
(1) Die empirische Grundlage der Forschung besteht in Daten (vgl. Schöch 2013), d.h. in digital kodierten und strukturierten oder mindestens strukturierbaren Einheiten; dabei handelt es sich teils um bereits publizierte und sekundär digitalisierte Daten (wie z.B. die älteren Atlasmaterialien), teils aber auch um neu zu erhebende Daten. Im Blick auf die relevanten Konzepte werden möglichst umfangreiche Datenbestände angestrebt. Die Methode ist also quantitativ und weitgehend induktiv.
(2) Die Forschungskommunikation erfolgt unter den medialen Bedingungen des Internets. Das eröffnet zunächst die Möglichkeit unterschiedliche Medien (Schrift, Bild, Video und Ton) hypertextuell zu verflechten; weiterhin können die als Forscher (vor allem als Projektpartner) und/oder als Informanten beteiligten Personen kontinuierlich miteinander kommunizieren und kooperieren.
(3) Damit wird interessierten Wissenschaftlern das Angebot gemacht, an der Entwicklung dieser projektbasierten und kollaborativen Forschungsplattform mitzuwirken. Diese Perspektive ist mindestens in doppelter Hinsicht nützlich und weiterführend: Sie erlaubt es, unterschiedliche Standorte einzubinden und – vor allem – die konstruktive Verschränkung von Informationstechnologie und Sprachgeographie mit öffentlichen Ressourcen voranzutreiben, ohne auf den (juristisch und ökonomisch problematischen) Support privater IT-Firmen zurückgreifen zu müssen.
(4) Das projektrelevante Wissen kann auch auf längere Zeit kontinuierlich akkumuliert und modifiziert werden, obwohl die Garantie einer dauerhaften Verfügbarkeit technisch noch schwer umzusetzen ist (vgl. hierzu die wichtige CLARIN-D-Forschungsinfrastruktur http://de.clarin.eu/de/home.html). Jedenfalls ist eine Publikation der Ergebnisse auf dinglichen Trägermedien (Bücher, CDs oder DVDs) vor diesem Hintergrund kein zentrales Anliegen mehr; gleichwohl wird eine sekundäre Druckoption eingerichtet, so wie es auch die Online-Lexikographie gelegentlich anbietet, so z. B. der exemplarische Tesoro della Lingua Italiana delle Origini.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Kooperation Crowdsourcing



Etymologie  (Zitieren)

Die Freilegung der sprachlichen Strata, die Stratigraphie, setzt die Etymologisierung voraus. Der etymologische Kommentar geht jeweils vom Basistyp aus und verfolgt ein dreifaches Ziel:
- die Ermittlung der Herkunftssprache der lexematischen Basis;
- die Begründung der Zusammengehörigkeit aller unter dem Basistyp vereinigten Typen; dafür sind die Regularitäten der historischen Phonetik und die semantische Plausibilität der zugrundeliegenden Konzeptrelationen entscheidend;
- die Rekonstruktion der Entlehnungswege, falls der Basistyp in mehreren Sprachgebieten verbreitet ist; sobald die Sprache des Etymons einerseits und des Informanten andererseits nicht übereinstimmen, wird automatisch Sprachkontakt festgestellt.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Dokumentation Kooperation



Funktionsbereich (2): Kooperation  (Zitieren)

Zusammenarbeit mit anderen Projekten ist für die Konzeption von VerbaAlpina grundlegend; sie spiegelt sich in zahlreichen Kooperationsvereinbarungen mit Projektpartnern wider. Ihre Umsetzung ist de facto jedoch nicht immer einfach; sie wird durch praktische, d.h. vor allem informationstechnische und damit verbundene datenrechtliche Probleme, aber am Rande auch ein wenig durch ideologische Vorbehalte gegenüber der open source-Ausrichtung behindert. Jede Kooperation stützt sich auf eine formale Vereinbarung, die den Partnern (PVA) eine exklusiv nutzbare Datenbank zum Upload zusichert. Jede Partner-Datenbank steht allen Partnern zum Download zur Verfügung. Aber die Kooperation soll selbstverständlich nicht auf Datenaustausch beschränkt bleiben; vielmehr sind alle Partner eingeladen (und aufgefordert), alle Funktionsbereiche zu nützen.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Kooperation Publikation



Georeferenzierung  (Zitieren)

Ein wesentliches Ordnungskriterium der in VerbaAlpina verwalteten Daten ist die Georeferenzierung unter Verwendung von Breiten- und Längengraden. Die Genauigkeit dieser Referenzierung variiert je nach Datentyp, wobei grundsätzlich eine möglichst exakte, metergenaue Referenzierung angestrebt wird. Im Fall der Sprachdaten aus Atlanten und Wörterbüchern ist in aller Regel lediglich eine vergleichsweise ungefähre Referenzierung nach Maßgabe eines Ortsnamens möglich, im Fall von z. B. archäologischen Daten hingegen sind tatsächlich metergenaue Georeferenzierungen möglich. Es können Punkte, Linien (etwa Straßen, Flüsse u. Ä.) und Flächen gespeichert werden. Aus technischer Perspektive findet hauptsächlich das sogenannte WKT-Format (https://en.wikipedia.org/wiki/Well-known_text) Verwendung, das in der VA-Datenbank mit der Funktion geomfromtext() (https://dev.mysql.com/doc/refman/5.7/en/gis-wkt-functions.html in ein spezifisches MySQL-Format überführt und so gespeichert wird. Die Ausgabe im WKT-Format erfolgt durch die MySQL-Funktion astext().
Referenzraster der Georeferenzierung ist das Netz der politischen Gemeinden im Alpenraum, die, je nach Bedarf, entweder als Fläche oder als Punkte ausgegeben werden können. Basis sind dabei die Grenzverläufe der Gemeinden mit Stand von etwa 2014, die VerbaAlpina von seinem Partner "Alpenkonvention" erhalten hat. Eine ständige Aktualisierung dieser Daten, die sich aufgrund nicht seltener Verwaltungsreformen durchaus häufiger verändern, ist entbehrlich, da es sich aus Sicht von VerbaAlpina lediglich um einen geographischen Referenzrahmen handelt. Die Punktdarstellung des Gemeinderasters wird algorithmisch aus den Gemeindegrenzen abgeleitet und ist somit sekundär. Die errechneten Gemeindepunkte stellen die geometrischen Mittelpunkte der Gemeindeflächen dar und markieren höchstens zufällig den Hauptort oder gar deren Mittelpunkt. Im Bedarfsfall können sämtliche Daten einzeln oder kumulierend auf den errechneten Gemeindepunkt projiziert werden. Dies ist etwa bei den Sprachdaten aus Atlanten und Wörterbüchern der Fall.
Zusätzlich zum exakt georeferenzierten Referenzraster der Gemeindegrenzen wird (ab Version 16/1) ein wabenförmiges quasi-georeferenziertes Raster dargestellt, das zwar die ungefähre Lage der Gemeinden zueinander wiedergibt, gleichzeitig jedoch jedem Gemeindegebiet eine idealisierte Fläche jeweils gleicher Form und Größe zuweist. [Bild:va_polygone-1.jpg]] Damit werden alternative Kartierungsverfahren angeboten, die beide ihre Vor- und Nachteile haben und wegen ihrer Bildlichkeit auch beide ein gewisses suggestives Potential mitbringen: Die topographische Darstellung vermittelt wegen ihrer Präzision einen besseren Einblick in die konkrete Räumlichkeit mit ihren oft sehr speziellen Geländeprofilen, einzelnen Übergängen, Talverläufen, unzugänglichen Talausgängen usw. Die Wabenkarte erlaubt dagegen eine abstrahiertere Visualisierung der Daten, da sie die Größen der Gemeindeflächen sowie siedlungsgeographische Ballungen bzw. Streuungen ausgleicht. Das ist besonders bei quantitativen Karten nützlich, denn die Größe der Fläche erzeugt schon bei der Wahrnehmung unwillkürlich den Eindruck quantitativen Gewichts.

(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)

Tags: Dokumentation Kooperation Crowdsourcing



Informant  (Zitieren)

Der Ausdruck wird in VerbaAlpina technisch verstanden, denn er fasst je nach Quelle zwei unterschiedliche Dinge zusammen: In den Atlanten sind alle Sprachdaten in der Regel bis ‘hinunter’ zum Sprecher transparent; in der Datenbank sind diese Informanten über eine individuelle Nummer identifizierbar (ID). Sie sind weiterhin über das Jahr der Erhebung chronoreferenziert und über den Ort der Erhebung georeferenziert. In geoferenzierbaren Wörterbücher ist es dagegen in aller Regel unmöglich, konkrete Sprecher zu identifizieren. Aus datenbanktechnischen Gründen werden aber auch den Quellen dieser Gattung fiktive Informanten zugeschrieben. Jeder Informant ist einer Sprachfamilie zugeordnet; diese Sprachzuweisung wird an alle auf ihn zurückgehenden Sprachdaten ‘vererbt’.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Kooperation Crowdsourcing



Interlinguale Geolinguistik  (Zitieren)

Zu den Zielen dieses Portals gehört es, die prägende Kraft des Sprachkontakts und speziell seine ethnolinguistische Konditionierung bei der Entwicklung des alpinen Sprachraums herauszuarbeiten. Die Konzeption der Datenbank wird es erlauben, die erfassten Entlehnungen auch quantitativ in ihrer lokalen Kumulation abzubilden, denn sie ergeben sich automatisch dann, wenn die Zugehörigkeit des Informanten zu einer der drei Sprachfamilien nicht mit derjenigen des Etymons übereinstimmt.
Es sind, genauer gesagt, drei Sprachfamilien, die den neuzeitlichen Alpenraum in Gestalt unterschiedlich großer und vor allem unterschiedlich stark differenzierter Dialektkontinua prägen; die Verbreitungszonen der drei Sprachfamilien lassen sich übrigens nicht auf spezifische Staaten abbilden vgl. aktuelle Sprachgebiete. Das Germanische ist durch alemannische und bairische Varietäten vertreten, die der plurizentrischen deutschen Sprache zugerechnet werden; allerdings ist der gemeinsame Bezug auf die schweizerische, deutsche und österreichische Standardvarietät, der die Zugehörigkeit zu ein und derselben Sprachgemeinschaft überhaupt erst stiftet, bei manchen walserischen und altbairischen (zimbrischen) Sprachinseln auf der Alpensüdseite eigentlich nicht mehr gegeben.
Im Unterschied zum germanischsprachigen Teilgebiet kann man die Varietäten des romanischen Kontinuums mehreren Sprachen zuordnen; neben dem Französischen und Italienischen handelt es sich dabei nach Maßgabe der politischen Anerkennung in der Schweiz und in Italien um Okzitanisch, Frankoprovenzalisch, Rätoromanisch (im Sinne von Bündnerromanisch), Dolomitenladinisch und Friaulisch.
Das Slawische ist durch slowenische Dialekte vertreten, die außer in Slowenien auch in etlichen italienischen und österreichischen Gemeinden gesprochen werden. Zu den Zielen von VerbaAlpina gehört es jedoch nicht, die Dialekte des Alpenraums möglichst vollständig zu beschreiben, die lokalen oder regionalen Dialektgrenzen herauszuarbeiten und den Raum so gewissermaßen als Mosaik von Varietäten darzustellen. Vielmehr sollen durch die großräumige Anlage gerade die (vor allem lexikalischen) Merkmale hervortreten, die über die einzelnen Dialekt- und Sprachgrenzen hinweg verbreitet sind und so die ethnolinguistischen Gemeinsamkeiten hervortreten lassen.





Da Dialekte in sich vollständige sprachliche Systeme bilden, darf man im Hinblick auf die gemeinsame Untersuchung der drei 'genetisch' verschiedenen Kontinua sagen, dass der Sprachkontakt hier in Gestalt einer interlingualen Geolinguistik untersucht wird.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Dokumentation Kooperation



Lizenzierung  (Zitieren)

Die Module von VerbaAlpina (VA_DB, VA_WEB und VA_MT) und die darin enthaltenen Daten unterliegen im Wesentlichen den folgenden Creative Commons Lizenzen:




CC BY-SA 3.0 DE (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/; "Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen") (objektabhängig) bzw.




CC BY-NC-SA 3.0 DE (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/; "Namensnennung, nicht kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen").

Einzelne Mediendateien im VA-Modul VA_MT, die VA aus externen Datenquellen bekommen oder erworben hat, können auch dem Copyright unterliegen. Die Objekte im Modul VA_MT werden individuell mit entsprechenden Merkmalen versehen.

Das Lizenzierungssystem sowie die Zugriffsrechte der verschiedenen VA-Benutzergruppen wird durch die folgende Graphik dokumentiert:






(auct. Stephan Lücke)


Tags: Kooperation Publikation



Quellen  (Zitieren)

In VerbaAlpina werden sehr unterschiedlichen Quellen zusammengeführt. Zu unterscheiden sind bereits publizierte Quellen (Atlanten, Wörterbücher, Ortsmonographien) auf der einen Seite und neue, das heißt durch das Projekt selbst erstmals erschlossene Quellen andererseits; hierzu gehören von Mitarbeitern, wie z. B. von Beatrice Colcuc, erhobene Daten ebenso wie solche, die durch die crowd, d.h. individuelle und nicht persönlich bekannte Sprecher, beigesteuert werden. In Frage kommen ausschließlich Quellen, die bereits georeferenzierte oder wenigstens georeferenzierbare sprachliche Daten liefern. Allerdings müssen diese Daten vor dem Hintergrund der Typisierung systematisch unterschiedlich behandelt werden. Phonetisch exakt transkribierte Äußerungen werden von VerbaAlpina als 'Einzelbeleg' ausgewiesen. Es ist nun sinnvoll, diese Einzelbelege nach bestimmten Kriterien zu gruppieren ('typisieren'); Daten, die von der Quelle in orthographischer Gestalt angeboten werden, können von vornherein als typisiert angesehen werden, da durch diese Form der Verschriftung sehr viel phonetische Varianz ausgeblendet wird. VerbaAlpina gibt daher nicht nur die Quelle an, sondern präzisiert auch den systematischen Status ('Einzelbeleg' vs. 'phonetischer Typ' vs. 'morpho-lexikalischer Typ') des jeweiligen sprachlichen Datums, das die Quelle liefert. Nicht als Quellen gelten die Referenzwörterbücher, mit denen die morpho-lexikalischen Typen lexikographisch abgesichert und im Idealfall verlinkt werden. Dazu die folgenden Beispiele:

(1) Die Quelle liefert einen Einzelbeleg:

Einzelbeleg: [a̠lpˈejo̞] – Ort: Bassano del Grappa – Quelle: ALD-II 848_1, 181 (Valrovina)
Phonetischer Typ: (nicht typisiert)
Morpho-lexikalischer Typ: Treccani alpeggio (rom. m.)
Basistyp: alpe; vgl. DELI 42
Konzept: ALM

(2) Die Quelle liefert einen phonetischen Typ:

(Kein Einzelbeleg vorhanden) – Ort: Adelboden
Phonetischer Typ: Anke – Quelle: SDS V_179_1, BE104
Morpho-lexikalischer Typ: Anke (ger. m.), vgl. Idiotikon s.v. Anke, 1, 341 ff.
Basistyp: anko; vgl. Kluge 2001, 47
Konzept: BUTTER


(3) Die Quelle liefert einen morpho-lexikalischen Typ:

(Kein Einzelbeleg vorhanden) – Ort: St. Peter-Pagig
Phonetischer Typ: Putter – Quelle: SDS V_179_1, GR22
Morpho-lexikalischer Typ: Butter (ger. n.), vgl. Idiotikon s. v. [[Butter, 1, 341 ff. – Quelle: SDS V_179_1, GR22
Basistyp: butyru(m); vgl. DELI 178
Konzept: BUTTER


(4) Die Quelle liefert einen morpho-lexikalischen Typ, der zwar im Standarddeutschen existiert, jedoch mit einem anderen Konzept verbunden ist:

Morpho-lex. Typ: Pelz Duden s.v. Pelz (nicht für dieses Konzept); Idiotikon s.v. Belz P-, 4, 1222 – Quelle: SDS V_162_1
Konzept: HAUT AUF DER MILCH, BEIM ABKÜHLEN NACH DEM KOCHEN

(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)

Tags: Dokumentation Kooperation Crowdsourcing



Stratigraphie  (Zitieren)

Die Alpen sind seit prähistorischer Zeit ein Gebiet vielfältiger Sprachkontakte, die auf ganz unterschiedliche Stratakonstellationen zurückgehen. Grundsätzlich werden Sprachen, die in einem Gebiet in Kontakt stehen, weil es dort mehr oder weniger zweisprachige Sprecher oder gar Sprechergemeinschaften gibt, als Adstrate bezeichnet. Falls ein Basistyp nur in einem bestimmten Gebiet verbreitet ist, also etwa in den Alpen, und in den betroffenen Sprachfamilien ansonsten nicht vorkommt, sind die Entlehnungsrichtung und die Herkunftssprache oft nicht eindeutig (vgl. den Basistyp rom. baita / dt. Beiz, Beisl).
Wenn die Herkunftssprache des entlehnten Elements im Verbreitungsgebiet, oder in einem Teil davon, nicht mehr gesprochen wird, werden zwei Konstellationen unterschieden: Im Fall des Substrats wurde die Herkunftssprache (Substratsprache) im Verbreitungsgebiet gesprochen, bevor ihre Überlieferungskontinuität abriss und die geltende Sprache sich durchsetzte; das Romanische ist eine Substratsprache des gesamten deutsch- und slowenischsprachigen Alpengebiets. Substratwörter setzen zwar Sprachwechsel voraus; sie zeichnen sich aber trotzdem oft durch außerordentliche regionale oder lokale Kontinuität aus.
Im Falle des Superstrats galt die Herkunftssprache während eines gewissen Zeitraums im Verbreitungsgebiet, ohne sich dort dauerhaft zu etablieren. So herrschten in Teilen des heute romanischsprachigen Alpenraums nach dem Zusammenbruch der römischen Infrastruktur zeitweise germanische Superstrate (Gotisch, Langobardisch) und in Slowenien spielte das Deutsche während der Habsburgerzeit diese Rolle.
Zwischen den drei Sprachfamilien haben sich nun durchaus unterschiedliche Szenarien ergeben; hinsichtlich der Bedeutung des Sprachkontakts für die Geschichte des sprachlichen Raums ist vor allem die Chronologie der Entlehnung wichtig: Handelt es sich beispielsweise bei Romanismen im germanischen und slawischen Sprachraum um Substratwörter mit regionaler Überlieferungskontinuität seit der Antike oder um jüngere adstratale Übernahmen? Dieselbe Frage gilt mutatis mutandis für die Germanismen im romanisch- bzw. slawischsprachigen und die Slawismen im deutschund romanischsprachigen Raum.
Entlehnungen sind ein zuverlässiger Indikator historischer Akkulturationsprozesse; deshalb ist eine quantitative Darstellung angebracht, die es gestattet, die relative Häufigkeit der belegten Entlehnungen ortsgenau abzubilden. Die Akkulturationsrichtung ist jedoch keineswegs immer eindeutig; nicht selten koexistieren in eng definierten onomasiolgischen Bereichen gegenläufige Entlehnungen. Die folgende Graphik schematisiert die stratigraphische Herausforderung. Sie differenziert die drei heute romanisch-, deutsch- und slowenischen Gebiete nach Substrat- und Superstratsprachen und symbolisiert (durch Kugeln) die mehrsprachigen Sprechergruppen in Adstratkonstellationen.



(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Dokumentation Kooperation Forschungslabor



Stratigraphie und Onomasiologie (Zitieren)

Manche onomasiologische Bereiche weisen deutliche Affinitäten zu Entlehnungen auf; so finden sich für etliche Konzepte aus dem Bereich des Almwesens, speziell der Milchverarbeitung im Deutschen romanische, bzw. vorrömische Bezeichnungstypen.
Karte Basistypen: butyrum, casearia, crama, tegia, stabulum u.a.
Das spricht in unmissverständlicher Weise dafür, dass die entsprechenden grundlegenden Kulturtechniken im Alpenraum sehr alt sind und an jeweils hinzukommende Ethnien und ihre Sprachen weitergegeben wurden. Aber es wäre natürlich zu einfach, bestimmte onomasiologische Teilbereiche zur Gänze mit bestimmten sprachlichen 'Schichten' zu verknüpfen. Es ist vielmehr bemerkenswert, dass gerade auch Entlehnungen in entgegengesetzter Richtung belegt sind und daher dauerhafter gegenseitige kultureller Austausch anzunehmen ist. Charakteristisch sind die komplementären Bezeichnungstypen für das Konzept BUTTER. Während sich im Bairischen der romanische Typus Butter durchgesetzt hat, ist der deutsche Typ Schmalz in einem Teil der romanischen Mundarten etabliert:



Es scheint also, als ob sich das Auslassen, d.h das Schmelzen (daher Schmalz) der Butter als elementare Konservierungstechnik ausgehend vom deutschsprachigen Gebiet nach Süden verbreitet hätte.
Ein vergleichbares Bild geben die Bezeichnungstypen lat. stabulu(m) und deu. Stall für einfach Almgebäude.





Tags: Dokumentation Kooperation



Stratigraphie: Romanismen (Zitieren)

Als 'Romanismen' werden in VA alle im heute deutsch- bzw. slawischsprachigen Teilgebiet desr Untersuchungsgebiets erhobenen Ausdrücke bezeichnet, die unmittelbar aus dem Romanischen und mittel bar aus dem Lateinischen bzw. aus vorrömischen Sprachen stammen. Dabei sind im Hinblick auf die regionale Stratigraphie ebenso wie im Hinblick auf die großräumige 'Architektur' des Deutschen und Slowenischen im wesentlichen zwei verschiedene geolinguistische und historische Konstellationen zu unterscheiden.
(1) Exklusiv dialektale Romanismen
    Diese Kategorie, zu der die lokalen Varianten ohne Entsprechungen in der Standardsprache gehören, bildet gewissermaßen die prototypischen romanischen Entlehnungen des Alpenraums; es handelt sich in aller Regel um Substratwörter, d.h. um solche Ausdrücke, die in der Zeit der romanisch-germanischen bzw. romanische-slawischen Zweitsprachigkeit entlehnt wurden und den späteren Sprachwechsel zur germanischen bzw. romanischen Einsprachigkeit grosso modo ortsfest als Relikte überdauert haben. Ein eindeutiges Beispiel liefert der morpho-lexikalische Typ Käser, der so wie sein romanisches Äquivalent casera auf den Basistyp lat. casearia zurückgeht.






(2) Dialektale Romanismen mit Entsprechungen in der Standsprache und in den romanischen Dialekten des Untersuchungsgebiets
    Da auch bei dieser Gruppe sowie im Falle von (1) eine areale Verbreitung gegeben ist, die die aktuellen Grenzen der Sprachfamilien überschreitet, liegt es nahe, die standardsprachlichen Varianten auf die dialektalen Formen zurückzuführen. Diese Kategorie der Romanismen kann daher auch über den Alpenraum hinaus sprachgeschichtliches Interesse beanspruchen. Ein eindeutiges, in der Etymologie des Standarddeutschen verkanntes Beispiel liefert deu. Butter.
Die folgende Karte zeigt klar, dass die maskuline süddeutsche Variante der Butter eine gemeinsames Areal mit dem ebenfalls maskulinen romanischen Typ butirro und beurre bildet und insofern als historisch primär gegenüber der femininen Standardvariante die Butter angesehen werden muss.



Dieses Muster der primären süddeutschen Entlehnung und ihrer sekundären Verbreitung ins Standardeutsche scheint jedoch nicht immer eindeutig, da auch die Möglichkeit der umgekehrten Verbreitungsrichtung aus dem Standard in die Dialekte des Untersuchungsgebiets in Betracht gezogen werden muss. So könnte man eventuell die deutschen Entsprechungen des Basistyps lat. cellārium sehen.
Sowohl im Fall der exklusiv dialektalen wie der dialektal-standardsprachlichen Romanismen sind im Einzelnen substratale lokale Relikte und adstratale Entlehnungen mit sekundärer arealer Verbreitung zu unterscheiden.
(Auct. Thomas Krefeld)

Tags: Dokumentation Kooperation



Synoptische Karte  (Zitieren)

Diese Funktion erlaubt es dem Nutzer, eine getroffene Auswahl an Karten auf einer synoptischen Kombinationskarte zu fixieren . So können die Verbreitungsgebiete beliebiger sprachlicher und außersprachlicher Merkmale im Zusammenhang visualisiert werden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, diese synoptischen Karten in Zoomstufen festzuhalten, wenn ein lokaler Kontext, wie z.B. das Karwendel oder das okzitanisch-frankoprovenzalisch-piemontesische Dialektkontinuum der Westalpen, dokumentiert werden soll.

(auct. Thomas Krefeld)  

Tags: Dokumentation Kooperation Forschungslabor



Wissenschaftskommunikation im Web  (Zitieren)

VerbaAlpina kann als eine webbasierte raumorientierte Forschungsumgebung beschrieben werden. Dieses Format wird bestimmt durch die aktuellen Rahmenbedingungen, die sich ganz erheblich von der traditionellen Wissenschaftskommunikation unterscheiden. In allen Disziplinen, die in ‚klassischer‘ Weise mit empirischen Daten arbeiten, lassen sich drei einander folgende Phasen unterscheiden:
  1. Der Wissenschaftler sucht Informanten.
  2. Die Informanten liefern dem Wissenschaftler Rohdaten.
  3. Der Wissenschaftler gibt eine bestimmte Menge der erhobenen Daten, die im Lichte theoretischer Annahmen selektiert und modelliert wurde, an ein im Wesentlichen wissenschaftliches Publikum weiter.
Die Kommunikation in den drei Phasen verläuft unidirektional und zielt auf in sich abgeschlossene, dinghafte Publikationen, d.h. auf gedruckte Bücher.

Die drei Schritte der traditionellen Wissenschaftskommunikation

Die Neuen Medien haben die Rahmenbedingungen für die Wissenschaftkommunikation revolutioniert: die skizzierte Unidirektionalität der Informationsflusses ist ebenso aufgehoben wie die Bindung der Rolle (INFORMANT, AUTOR, LESER) an unterschiedliche Personen; grundsätzlich kann sich ein und dieselbe Person in schnell wechselnden Funktionen an der Kommunikation beteiligen. Von Grund auf verändert ist im Hinblick auf die Kommunikanten die Funktion INFORMANT, da die Behandlung der gelieferten Daten transparent bleibt und kontinuierlich verfolgt werden kann. Der INFORMANT wird so zum LESER seiner eigenen DATEN – ganz unabhängig davon, ob er die wissenschaftliche Intention überhaupt versteht; gleichzeitig eröffnet sich ihm die Möglichkeit, dazu als AUTOR Stellung zu nehmen. Nicht weniger radikal verändert sich unter diesen Bedingungen der Status Daten selbst, da sie in grundsätzlich dynamischen Datenbank abgelegt werden, deren Umfang und Struktur Veränderungen unterworfen bleibt.


Wissenschaftskommunikation unter den Bedingungen des Internet

In diesem Sinn sind in VerbaAlpina unterschiedliche, aber eng miteinander verflochtene Funktionsbereiche angelegt.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Kooperation Publikation Crowdsourcing