ALM - Konzept (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Thomas Krefeld)
ALMHÜTTE - Konzept (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Thomas Krefeld)
(siehe Wikidata Q2649726)
Anke (gem.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
„Anke(n), (durch Butter ersetzt) Sm ‛Butter’ per. wobd. (8. Jh.), mhd. anke , ahd. anko .
Obwohl nur das Deutsche das Wort bewahrt hat, ist g. *ankwōn m. ‛Fett, Butter’ vorauszusetzen, als Fortsetzer eines ig. (weur.) *ongwen- ‛Salbe, Fett, Butter’ (in verschiedenen Ablautstufen), vgl. l. unguen n. ‛Fett, Salbe’, air. imb ‛Butter’ (*ṇgwen-) zur Verbalwurzel ig. *ongw- ‛salben’ in ai. anákti, l. unguere u.a. Also ursprünglich ‛Salbe, Schmiere’.“ (Kluge 2011, 47)
(auct. Thomas Krefeld)
babeurre (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum)
baita (vor) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Thomas Krefeld)
banc / banco (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Auf Karte visualisieren)
*barica (lat) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Auf Karte visualisieren)
bassus (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum)
brama (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
*brenta (xxx) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Auf Karte visualisieren)
*brod (ger) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum)
*brottiare (vor) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Thomas Krefeld)
brousse (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
"D'apr. Brüch dans Z. rom. Philol. t. 35, p. 635, GAM. Rom.1t. 1, p. 369, t. 2, p. 38 et Gamillscheg dans Z. rom. Philol. t. 40, p. 148, ce groupe de mots est issu du got. *brǔkja « ce qui est brisé », dér. du got. gabruka « morceau » (FEIST, s.v. gabruka; KLUGE20, s.v. Brocken). E. Schüle dans Pat. Suisse rom., s.v. brochyè, estime au contraire qu'un terme got. peut difficilement s'être implanté dans le vocab. laitier des Alpes, et propose une base préromane *brottiare, d'orig. inconnue.” (TLFi).
(auct. Thomas Krefeld)
bruma (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
BUTTER - Konzept (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Allerdings scheint das Produkt nicht als Nahrungsmittel, sondern vielmehr als Pflege- und Heilmittel gedient zu haben. Columella († um 70 n. Chr.), der sich in seiner Abhandlung über die Landwirtschaft (Res rustica, 7. Buch, Kap. 8) recht ausführlich mit der Milchverarbeitung befasst (vgl. KÄSE), erwähnt sie in diesem Zusammenhang gerade nicht. Dagegen empfiehlt er die Behandlung chronischer (?) Schmerzen mit flüssiger Butter:
"Fere autem omnis dolor corporis, si sine vulnere est, recens melius fomentis discutitur; vetus uritur, et supra ustum butyrum vel caprina instillatur adeps." (Columella 1941, Buch VI, Kap. XII, S. 160).
In englischer Übersetzung:
"Almost all bodily pains, if there is no wound, can in their early stages be better dissipated by fomentation; in the advanced stage they are treated by cauterizations and the dropping of burnt butter or goat’s fat upon the place." (Columella 1941, Buch VI, Kap. XII, S. 161)
Die anderen zum Konzept BUTTER gehörigen Basistypen sind onomasiologisch interessant, da sie ganz unterschiedlich motiviert sind:
(auct. Thomas Krefeld)
(siehe Wikidata Q34172)
butyru(m) (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
τὸ βούτυ̅ρον bezeichnet im Griechischen das "Fett der Milch" (τὸ πῖον τοῦ γάλακτος [Corpus Hippocraticum]). Im Corpus Hippocraticum (einer Sammlung medizinischer Texte, deren Entstehung vom 6. Jh. v. Chr. bis zum 2. Jh. n. Chr. reicht) wird geschildert, wie die Skythen Butter aus Stutenmilch herstellten (Corp. Hipp., Morb. 4, 20). Das dort beschriebene Verfahren ist dabei genau so, wie es bisweilen auch heute noch verwendet wird: Angeblich hätten die Skythen die Stutenmilch in ein Fass (hohle Gefäße aus Holz: ἐς ξύλα κοῖλα) gegeben und dieses dann geschüttelt. Im Corpus Hippocraticum wird nicht gesagt, wozu die Skythen die Butter verwendeten (etwa als Lebens- oder als Heilmittel).
So wie schon im Corpus Hippocraticum entsteht auch bei Plinius dem Älteren der Eindruck, dass Herstellung und Verwendung von Butter als etwas typisch "Barbarisches" empfunden wurde (NH 28, 35: e lacte fit et butyrum, barbararum gentium lautissimus cibus et qui divites a plebe discernat). Das mag damit zusammenhängen, dass im mediterranen Lebensraum der Griechen und Römer das Olivenöl als Speisefett dominant war (und ist). Im griechisch-römischen Bereich scheint Butter daher weniger als Lebens-, sondern überwiegend als Heilmittel verwendet worden zu sein. Jedenfalls finden sich die Belege für βούτυ̅ρον/butyrum nicht selten im Kontext medizinischer Fachliteratur (neben Hippokrates u.a. bei Celsus und Galen), auch Plinius der Ältere beschreibt den Einsatz von Butter als Heilmittel (etwa gegen Nackenschmerzen: NH 28, 52).
Neben dem Neutrum βούτυ̅ρον kennt das Griechische auch eine maskuline Variante ὁ βούτυ̅ρος. Sowohl das Neutrum wie auch das Maskulinum sind auf der drittletzten Silbe betont (Proparoxytona). Das Lateinische hat das Wort offenbar aus dem Griechischen übernommen (butyrum).
Beim Basistyp butyru(m) sind zwei Akzentvarianten zu unterscheiden:
- paroxytones lat. butӯru(m), auf das der ita. Typ butirro zurückgeht (vgl. DELI 179);
- lat. bútyru(m) mit von grc. βούτυ̅ρον ererbtem Initialakzent; daraus hat sich fra., fro. bure bzw. fra. beurre entwickelt. Dieser Typ wurde ins Italienische entlehnt und ergab auch ita. burro (vgl. DELI 178).
Im Alpenraum scheint also der Typ butyrum die auf lat. unguere / *ungere 'schmieren' zurückgehenden Bezeichnungen weithin verdrängt zu haben.
(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)
cabane / capanna (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Die phonetischen Varianten dieses morpho-lexikalischen Typs lassen sich auf Grund der folgenden Kriterien zu Typen gruppieren:
(1) Varianz des Wortanlauts:
- [k-] erhalten; vgl. fra. cabane;
- [k-] palatalisiert:
- [k-] > [ts-]; vgl. frp. tsˈăvănə
- [k-] > [tɕ-]; vgl. engadinisch chamanna;
- [k-] > [ʧ-]; vgl. frp. ʧavˈaːna
- [-p-] erhalten; vgl. ita. capanna;
- [-p-] geschwächt:
- - Sonorisierung [-p-] > [b-]; vgl. fra. cabane;
- - Sonorisierung und Spirantisierung [-p-] > [v-];
- - Sonorisierung [-p-] > [b-]; vgl. fra. cabane;
- [-a];
- [-ə];
- [-e];
- [-o].
(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)
*cala (lat) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Thomas Krefeld)
capănna(m) (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Das zu Grunde liegende lat. capanna ist laut FEW II, 246 nur ein einziges Mal (bei Isidor) belegt; "sein Ursprung ist dunkel" (FEW II, 244). Die Formen mit -m- bilden eine alpine Variante; vgl. DRG 3, 336-339. Zur Semantik der roh. Formen heisst es: "In der Bedeutung 'Hütte, einfaches, armseliges Haus' nimmt das heute literarisch gefärbte camona eine Mittelstellung ein zwischen fam. --> baita DRG (2,76) 'Baracke, verfallenes Haus, schlechte Hütte' und --> teja 'Hütte, Senn-, Alphütte'. Vgl. auch --> fögler" (239).
(auct. Thomas Krefeld)
*cappellus (lat) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum)
caput (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
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caschiel (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
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caseāria (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Thomas Krefeld)
caseu(m) (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
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cautum (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
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cellārium (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Thomas Krefeld)
chalet (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Thomas Krefeld)
chamona (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Auf Karte visualisieren)
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clarus (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
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coagŭlum (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Das zunächst transitive Verb lat. coagulare 'zum Gerinnen bringen' wird seit dem 5. Jahrhundert auch intransitiv in der Bedeutung von ‘gerinnen’ benutzt. Es ist im gesamten romanischen Gebiet anzutreffen, wie beispielsweise fra. cailler, ita. quagliare (vgl. FEW 2, 816-820, s.v. coagulare).
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
cohortem (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Varro referiert zwei für ihn plausible Herleitungen des Wortes cohors: Entweder hänge es zusammen mit dem Verb coorior und bezeichne demnach den Ort, um den herum das Vieh sich "versammle" (so die Übersetzung von R.G. Kent [Varro. On the Latin Language, Volume I: Books 5-7. Translated by Roland G. Kent. Loeb Classical Library 333. Cambridge, MA: Harvard University Press, 1938]; diese Bedeutung ist nur schwer mit den anderen bei Georges belegten Bedeutungen bzw. überhaupt mit der Grundbedeutung des simplex oriri in Einklang zu bringen), oder es bestehe ein Zusammenhang mit dem griechischen χόρτος, das seinerseits wohl mit lat. hortus zusammenhängt (Varro, De Lingua Latina 5,88: cohors quae in villa, quod circa eum locum pecus cooreretur, tametsi cohortem in villa Hypsicrates dicit esse Graece χόρτον apud poetas dictam). Sowohl hortus wie auch χόρτος haben ursprünglich eine ganz ähnliche Bedeutung wie cohors (zu χόρτος vgl. z.B. Il. 11, 774 oder 24, 640).
(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)
colare (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
crama (vor) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Der lexikalische Typ deu. Rahm wird hier ebenfalls zum Basistyp crama gestellt; es wird also auf Grundlage der alpinen Sprachkontaktverhältnisse eine neue Ableitung vorgeschlagen. Im Kluge 2011 wird die Wortgeschichte aus indogermanistischer Sicht folgendermaßen skizziert:
Rahm S[.]m ‛Sahne’ std. (11. Jh.), mhd. roum, mndd. rōm(e)[.] Aus wg. *rauma- m. ‛Rahm’, auch in ae.rēam; im Ablaut dazu anord. rjúmi. Falls von *raugma- auszugehen ist, vergleicht sich avest. raoγna- n., raoγniiā- f. ‛Butter’. Weitere Herkunft unklar. Die neuhochdeutsche Form beruht auf einer Mundart, die mhd. ou zu ā entwickelt hat. Wo Rahm gegen Sahne semantisch differenziert wird, bezieht es sich eher auf den sauren Rahm. Präfixableitung: entrahmen; Partikelableitung: abrahmen. Ebenso nndl. room." (Kluge 2011, online s.v. Rahm 1)
In diesem Ansatz werden die dialektalen Verhältnisse ausgeblendet; es muss jedoch berücksichtigt werden, dass im romanischen Alpenraum, und zwar unmittelbar südlich der germanisch-romanischen Sprachgrenze, der Typ fra. crème | ita. crema weit verbeitet ist.

Die zugehörigen phonetischen Typen mit den Tonvokalvarianten [æ], [e], [o] und [a] führen ganz selbstverständlich auf eine gemeinsame Ausgangsform [a] zurück, denn die Hebung von betontem /a/ > [e] bzw. > [æ] in offener Silbe und die Rundung /a/ > [o] vor Labial sind vollkommen unauffällig. Es ergibt sich somit ein Basistyp crama, der ursprünglich wohl aus dem Gallischen (d.h. aus dem Keltischen) stammt (vgl. FEW 2, 1271-1274, s.v. crama); das Wort ist übrigens bei Venantius Fortunatus (*540-600/610) belegt, der in Valdobbiadene, d.h. am südöstlichen Alpenrand nördlich von Treviso geboren wurde. Es wäre nun wenig plausibel, das gemeinsame Areal der synonymen Typen von deu. Rahm und roa. crama aus einem zufälligen Zusammentreffen zu erklären. Vielmehr sollte der deutsche zum selben gallo-romanischen Basistyp geschlagen werden.
Die Reduktion des Anlauts lat.-roa. [kr-] > deu. [r-] ist im Zusammenhang damit zu sehen, dass "im d. h- vor Konsonant im 9. jh. schwindet" (FEW 16, 249, s.v. *hrokk), wie zahlreiche analoge Formen belegen. In der frühen Zeit des germanisch-romanischen Sprachkontakts muss die Variante [hr-] noch existiert haben, denn fra. froc 'Kutte' kann nicht auf althochdeutsch roc, sondern nur auf hroc mit Substitution des laryngalen durch den labiodentalen Frikativ zurückgehen. So auch Kluge:
"Rock[.] Sm std. (9. Jh.), mhd. roc, rok, ahd. (h)roc, as. rok [.] Aus wg. *rukka- m. ‛Rock’, auch af. rokk. Außergermanisch vergleicht sich air. rucht ‛Tunika’, kymr. rhuchen ‛Mantel’. Alles weitere ist unklar. Es besteht auch eine Variante mit Anlaut hr- in ahd. hroc, as. hroc, afr. hrokk, die vermutlich über das Französische zu Frack (vgl. Kluge 2011, online, s.v. Frack) geführt hat. Ebenso nndl. rok." (Kluge 2011, online, s.v. Rock)
Ebenso erklärt sich das Nebeneinander von eng. horse neben deu. Ross g. *hrussa (vgl. Kluge 2011, s.v. Ross und deu. röcheln neben nisl. hrygla ‛Rasseln in der Kehle’, lav. kraũkât ‛husten, Schleim auswerfen’ ine. *kruk- ‛schnarchen, röcheln, grunzen’ (vgl. Kluge 2011, s.v. röcheln und ähnlich).
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
*crassia (lat) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Im Alpengebiet gehen aus diesem Basistyp vereinzelt Bezeichnungen für den RAHM, also den fetthaltigen Teil der Milch hervor.
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
crŭsta (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Stephan Lücke)
*excŏcta (lat) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Man beachte jedoch, dass im Ladinischen zwei phonetische Typen koexistieren:
(a) mit anlautendem [ʃk-] (vgl. [ʃkota] in Livinallongo), wie auch in Friaul;
(b) mit anlautendem [tʃ-] (vgl. [tʃot(e)] im Rest der Sella-Ladinia).
Bei (b) scheint es sich um eine Rückentlehnung aus dem Südtiroler Bairischen zu handeln (vgl. EWD II, 199-200).
Der Basistyp ist jedoch in semantischer Hinsicht bemerkenswert, denn er liefert ein charakteristisches Beispiel metonymischer Polysemie: Er bezeichnet die beiden Produkte, die bei der Gerinnung der Milch bzw. der Molke durch Erhitzen und Auskochen (lat. EXCOQUERE) entstehen, nämlich die Flüssigkeit einerseits und die Käsemasse bzw. den Ziger und die aufsteigenden Eiweißteilchen andererseits (vgl. auch VALTS IV, 204).
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
exsūctus (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
flōrem (flōs) (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Ausgehend von 'Blüte' bezeichnet flōs oft den DEN BESTEN, SCHÖNSTEN TEIL EINER SACHE, so etwa in lat. flos aetatis ‘die Blüte der Jahre, die Jugendkraft, Jugendfülle’ (vgl. Georges, s.v. flōs), einem Ausdruck, der sich bis ins Romanische erhalten hat (wie in fra. la fleur de l´âge ‘die Jugend’; vgl. FEW, 3, 630-638, s.v. flōs). Ähnlich motiviert sind fra. fleur de la farine ‘la partie la plus fine de la farine’, ita. fior della farina, engadinisch flur d´farina oder gsw. (schweizerdeutsch) Blume (vgl. FEW, a.a.O.). Ebenfalls ausgehend von 'Blüte' erklären sich Bedeutungen, die mit der OBERFLÄCHE, dem HÖCHSTEN PUNKT von Dingen zu tun haben, wie in fro., frm. à fleur de ‘à la surface, au niveau de’.
Beide semantische Dimensionen ('gut' und 'oben') motivieren womöglich gemeinsam die Bezeichnung des Konzeptes RAHM, die sich bereits im Lateinischen entwickelte (flos lactis ‘Rahm’) und auch heute noch im Untersuchungsgebiet gut belegt ist (vgl. auch ita. fior di latte 'Rahm'). Dementsprechend sind auch Verben wie fra. défleurer oder neuokzitanisch sanflurá, sonflurá 'abrahmen' leicht zu verstehen (vgl. FEW, a.a.O.).
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
Gaden (gem.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Das Wort ist als Neutrum seit althochdeutscher Zeit als gadum oder gadem belegt. Über ein Wort für 'lassen' oder 'freilassen' wird ein Zusammenhang mit Wörtern anderer indoeuropäischer Sprachen hergestellt, für das Germanische wird *ǵhə-t-mo- für ‛freier Raum, leerer Raum’ angesetzt (vgl. Kluge 2011, online s.v. Gaden). Gaden bzw. Gadem galt schon im 19. Jahrhundert als veraltet, wie der Blick ins Grimm'sche Wörterbuch zeigt. Zu dieser Zeit war das Wort noch sowohl als Neutrum als auch als Maskulinum vorhanden (vgl. DWB s.v. Gadem).
(auct. Markus Kunzmann)
GERINNUNGSMITTEL - Konzept (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Als Gerinnungsmittel werden häufig Substanzen aus dem Magen von noch saugenden Jungtieren wie Kälbern, Lämmern oder Zicklein verwendet. Speziell aus dem Kälbermagen wird etwa das Gerinnungsmittel Lab gewonnen, dessen gerinnungsaktive Komponente das Labenzym Chymosin ist. Neben diesen tierischen Produkten können auch andere Substanzen wie z.B. Säuren (Zitronen-, Essig-, etc.) als Gerinnungsmittel verwendet werden. Entsprechende Wirkung wird auch durch das Rühren der Milch mit Zweigen vom Feigenbaum und das darin enthaltene Enzym Ficain erzielt. Dieses Verfahren wurde schon in der Antike angewendet, wie Plinius der Ältere gleich an mehreren Stellen in seiner Naturalis Historia berichtet (z.B. NH 23, 63 ed. Loeb: Fici sucus lacteus aceti naturam habet, itaque coaguli modo lac contrahit. NH 23, 64, ed. Loeb: Caprificus etiamnum multo efficacior fico; surculo quoque eius lacte coagulatur in caseum.). Im 19. Jh. ließ man wenigstens in Teilen Spaniens die Milch durch Rühren mit Feigenzweigen gerinnen (vgl. P. Ascherson / P. Graebner, Synopsis der mitteleuropäischen Flora, Bd. 4, Leipzig 1908-13, S. 593: "Der Milchsaft der Feige enthält ein Enzym, welches ähnlich dem von Carica papaya Proteinsubstanzen löst, vergl. Bouchu Journal de pharm. II. 1880. 164. Er wurde schon im Alterthum und wird noch heute in Spanien nach Wolffenstein bei Wittmack (Sitzb. d. Bot. Ver. d. Prov. Brandenb. XX [1878] 31) zum Gerinnen der Milch bei der Käsebereitung wie Lab benutzt").
(auct. Stephan Lücke)
iŭncus (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld | Stephan Lücke)
KÄSE - Konzept (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Vorbemerkung
Unter diesem Konzept werden ausschließlich die Milchprodukte zusammengefasst, die aus den Feststoffen bestehen, die sich bei der ersten Scheidung der Milch (auf Grund der Gerinnung) ergeben. Aus der ebenfalls entstehenden Flüssigkeit (MOLKE) können durch eine zweite Gerinnung wiederum Feststoffe gewonnen werden, die ein käseähnliches Milchprodukt ergeben, das ita. als ricotta, gsw. (alemannisch) als Ziger und im Deutschen manchmal ein wenig irreführend als 'Molkenkäse' bezeichnet wird: Im Unterschied zum eigentlichen Käse enthält der ZIGER jedoch kein Kasein, sondern ein anderes Eiweiß (Albumin).Sachgeschichte
Im HLS wird darauf hingewiesen, dass die Käserei mit Lab, gemeint ist offensichtlich die Käseherstellung unter Zusatz eines Gerinnungsmittels (das nicht unbedingt dem tierischen Lab entsprechen muss) womöglich nicht überall in antiker Kontinuität steht: "Aus sprachwissenschaftl. Sicht (Käse von lat. caseus) ist denkbar, dass die Römer die Kunst des Verkäsens von fetter Milch mit Lab zu einem haltbaren, gesalzenen Fettkäse gekannt und über die Alpen in die keltischen Gebiete gebracht haben. Käse war bereits in der Antike ein alpines Exportprodukt Rätiens. Mit dem Rückzug der romanischen Kultur verschwand im HochMA die Herstellung von Labkäse im alemannischen Gebiet, doch blieben die Produktionskenntnisse in den romanischen Gebieten wahrscheinlich erhalten. Quellen des 13. bis 14. Jh. aus dem Unterwallis und Greyerzerland weisen auf Fettkäseproduktion hin. Die archäologischen Untersuchung ma., alpiner Temporärsiedlungen (bisher v.a. Innerschweiz) brachte Einrichtungen zum Bereiten und Lagern des Käses zutage, so Unterlagen zum Käsepressen, nach Art der Trulli errichtete Milch- und Käsespeicher, Felsklüfte, die als Lagerräume gedient haben mochten. Auf Bergeten im glarner. Braunwald wurde ein Felskeller mit Wasserkühlung entdeckt. Unbekannt bleibt die Art des hier produzierten Käses." (Dominik Sauerländer/Anne-Marie Dubler). Dazu ist allerdings festzuhalten, dass es eine deutlich breitere und auch anders gelagerte sprachwissenschaftliche Evidenz für eventuelle Kontinuität gibt. Vor allem scheint es, als hätten die Römer ihrerseits bereits von vorrömischer Alpenbevölkerung spezielle Techniken der Milchverarbeitung übernommen. Offenkundig vorlateinisch sind die Bezeichnungen Senn, Ziger, Brente, Tomme. Eine andere Schicht ist lateinisch (Schotten, Gebse, Käse; vgl. Hubschmid 1951). Die Archäologie bestätigt mittlerweile das hohe Alter der alpinen Milchverarbeitung, denn sie liefert: "Belege einer eigentlichen Alpwirtschaft am Ende des 2. bzw. im frühen 1. Jahrtausend v.Chr." (Reitmaier 2016, 28; vgl. auch Carrer 2012 und Carrer et al. 2016).
Eine für die römische Milchverarbeitung und für einige einschlägige Bezeichnungen aufschlussreiche Stelle findet sich in der Historia naturalis des Plinius; nachdem die Milcharten unterschiedlicher Lebewesen (einschließlich des Menschen) angesprochen wurde, heißt es:
"[...] omne autem igne spissatur, frigore serescit. bubulum caseo fertilius quam caprinum, ex eadem mensura paene altero tanto. [...]
Coagulum hinnulei, leporis, haedi laudatum, praecipuum tamen dasypodis, quod et profluvio alvi medetur, unius utrimque dentatorum. mirum barbaras gentes quae lacte vivant ignorare aut spernere tot saeculis casei dotem, densantes id alioqui in acorem iucundum et pingue butyrum. spuma id est lactis concretior lentiorque quam quod serum vocatur; non omittendum in eo olei vim esse et barbaros omnes infantesque nostros ita ungui." (Plinius 1906, 11, 96, 238 f.)
"All milk is made thicker by fire and turned into whey by cold. Cow’s milk makes more cheese than goat’s milk, almost as much again from the same quantity. [...] The curds of the roebuck, hare and goat are praised, but that of the rabbit is the best, and is even a cure for diarrhoea—the rabbit is the only animal with teeth in both jaws that has this property. It is remarkable that the foreign races that live on milk for so many centuries have not known or have despised the blessing of cheese, at most condensing their milk into agreeable sour curds and fat butter. Butter is a foam of milk of thicker and stickier substance than what is called whey; it must be added that it possesses the quality of oil and is used for anointing by all foreigners and by ourselves in the case of children." (Plinius 1855)
Wir erfahren hier zunächst die besondere Wertschätzung der KUHMILCH (bubulum) für die Käseherstellung. Ferner wird caseus in Zusammenhang mit dem tierischen coagulum (vgl. coagŭlum) gebracht, bei dem es sich an dieser Stelle wohl nur um LAB handeln kann; caseus ist daher kein generischer Ausdruck für Milchprodukte, sondern für LABKÄSE. Caseus wird ja auch in Gegensatz zu acorem iucundum und butyrum gestellt – zu zwei Produkten, die charakteristisch für die barbaros (und damit nicht für die Römer) sind. Diese beiden Bezeichnungen sind nicht ganz klar; immerhin spricht nichts gegen eine Deutung von butyrum im Sinne von 'Butter'. Auf welche Art von Sauermilchprodukt sich dagegen acorem iucundum bezieht, bleibt ein wenig fraglich; der Gedanke an BUTTERMILCH liegt nahe. Schließlich nennt Plinius mit serum die Bezeichnung der MOLKE; entsprechende Kognaten sind im VA-Material in den piemontesischen Westalpen gut belegt.Eine detailliertere Beschreibung der Käseherstellung gibt Columella (7. Buch, Kap. 8); dort werden zusätzlich zum tierischen Lab auch pflanzliche Gerinnungsmittel (u.a. Färberdistel und Saft aus der Feigenbaumrinde), Gefäße (mulctrafiscella, calathus, crates) erwähnt. Vor allem beschreibt Columella jedoch wichtige Phasen des Käsens, insbesondere das Salzen, Pressen und Formen (s.u.). Er stellt auch den besonderen Wert des konservierbaren, reifen Käses heraus: "potest etiam trans maria permitti" ('er kann über das Meer verschickt werden'; 6).
Generische Bezeichnungen des Konzepts
Der im deutschsprachigen VA-Gebiet so gut wie ausschließlich geltende morpho-lexikalische Typ Käse geht zweifellos auf lat. caseus zurück, das im romanischsprachigen VA-Gebiet dagegen nur sehr wenige Fortsetzungen findet, nämlich im Dolomitenladinischen; weiter verbreitet, vor allem im Bündnerromanischen, sind Kognaten des lat. Diminutivs caseolus. Anstatt lat. caseus dominieren im romanischsprachigen VA-Gebiet einerseits das vorlateinische, wie es scheint gallische tuma in den französischen und frankoprovenzalischen Westalpen, sowie das lateinische formaticus, dessen unmissverständliche Motivation aus dem Partizip von lat. formare, darauf hinweist, dass es ursprünglich wohl eine spezifizierte Bezeichnung des geformten und reiferen Käses gewesen sein muss, die dann verallgemeinert wurde.Da dieser Typ im deutschsprachigen Raum vollkommen zu fehlen scheint, muss man annehmen, dass er sich im Romanischen erst verbreitet hat, nachdem der Sprachwechsel zum Deutschen im nord- und ostalpinen Raum weitestgehend vollzogen war. Slvowenisch sir 'Käse' setzt offenkundig die von Plinius genannte Bezeichnung der 'Molke', lat. serum, in metonymisch verschobener Bedeutung fort.
(auct. Thomas Krefeld)
LAB - Konzept (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum)
lăcte(m) (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Stephan Lücke)
mascarpa (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum)
MOLKE - Konzept (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Stephan Lücke)
mŭlgēre (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Ein Zusammenhang mit Malga liegt semantisch nahe, ist jedoch wegen des anderen Tonvokals phonetisch problematisch.
Das deu. melken geht – wie dann wohl auch lat. mulgere und grc. ἀμέλγειν – laut Kluge, 614 auf ine. *melǵ- 'melken' zurück.
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld | Stephan Lücke)
*nīta (vor) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
pannus (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
pasteur / pastore (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Aleksander Wiatr)
pellīcia (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Man beachte, dass die alemannischen Formen durchweg maskulin sind, während das romanische pleʧɑ 'Rahm' (im graubündnerischen Münstertal) feminines Genus aufweist und insofern dem fra. pelisse und ita. pelliccia 'Pelz' entspricht (vgl. FEW, 8, 162-164, s.v. pĕllīceus). Bei den alemannischen Formen scheint es sich daher um sekundäre Entwicklungen einer im Genus bereits adaptierten Entlehnung des deu. Typs Pelz zu handeln (der natürlich letztlich auch auf lat. pĕllīceus zurückgeht; vgl. Kluge, 692) und nicht um Relikte aus dem lokalen romanischen Substrat, die ja im Genus eher dem genannten femninen pleʧɑ entsprechen müssten.
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
pĕllis (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
pinguĕ(m) (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
*pinguia (lat) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Thomas Krefeld)
*pinia (xxx) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Aleksander Wiatr)
pischada (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Auf Karte visualisieren)
(auct. Thomas Krefeld)
*pisiāre (lat) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Thomas Krefeld)
*puína (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
RAHM - Konzept (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Möglicherweise beschreibt schon Herodot die Herstellung von Rahm durch die Skythen. Angeblich hätten diese Stutenmilch gerührt und die sich dabei oben absetzende Substanz, die bei ihnen die größte Wertschätzung besaß, abgezogen (4,2 ed. Godley ed. Loeb: ἐπεὰν δὲ ἀμέλξωσι τὸ γάλα, ἐσχέαντες ἐς ξύλινα ἀγγήια κοῖλα καὶ περιστίξαντες κατὰ τὰ ἀγγήια τοὺς τυφλοὺς δονέουσι τὸ γάλα, καὶ τὸ μὲν αὐτοῦ ἐπιστάμενον ἀπαρύσαντες ἡγεῦνται εἶναι τιμιώτερον, τὸ δ᾿ ὑπιστάμενον ἧσσον τοῦ ἑτέρου. τούτων μὲν εἵνεκα ἅπαντα τὸν ἂν λάβωσι οἱ Σκύθαι ἐκτυφλοῦσι· "Wenn sie gemolken haben, gießen sie die Milch in hohle hölzerne Gefäße. Sie stellen die blinden Sklaven ringsherum auf und lassen sie die Milch umrühren. Was dann obenauf steht, wird abgeschöpft. Diesen Teil halten sie für wertvoller als das, was sich unten absetzt. Deshalb nun blenden die Skythen, wen sie nur fangen." [Übers. J. Feix]). Sofern hier wirklich von Rahmherstellung die Rede ist, wird durch die fehlerhafte Prozedurbeschreibung und das Fehlen einer spezifischen Bezeichnung für das Produkt deutlich, dass Herodot weder den Vorgang noch das Erzeugnis kannte. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte scheint der RAHM den alten Griechen unbekannt geblieben zu sein. Jedenfalls gibt es anscheinend keine altgriechische Bezeichnung für dieses Konzept (http://www.perseus.tufts.edu/hopper/definitionlookup?q=cream). Im Lateinischen existiert zwar eine Bezeichnung für den RAHM (http://www.zeno.org/Zeno/0/Suche?q=Sahne&k=Georges-1913), jedoch taucht die entsprechende Vokabel, crama erst sehr spät, im 6. Jh. n. Chr. bei Venantius Fortunatus, auf, so dass man davon ausgehen kann, dass auch im römischen Kulturkreis der RAHM und alle Folgeprodukte wie vor allem die Butter die längste Zeit keine Verwendung fanden oder zumindest nicht selbst hergestellt wurden.
(auct. Stephan Lücke)
(siehe Wikidata Q13228)
SAUBOHNE, JUNG, GRÜN, MIT DEN SAMEN ESSBAR - Konzept (Auf Karte visualisieren)
Schmalz (ger) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
In der Bedeutung ‘Butter’ wurde Schmalz auch ins Alpenromanische entlehnt; vgl. lld. smàlz (EWD VI: 273-274).
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
Schupf (gem.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Die früheste bekannte Nennung dieses Wortes findet sich im Gotischen als skuft in der Bedeutung von 'Haupthaar' (vgl. Kluge) 2011, online s.v. Schopf), vgl. deu. Schopf. Später kam es zu einer Bedeutungserweiterung im Sinne von 'zu einem Haufen zusammengetragene Garben, Heu' (vgl. Kluge 2011, online s.v. Schober) bevor eine Bedeutungsübertragung auf das Gebäude stattfand, in dem die Ernte getrocknet und gelagert wird. Das Wort existiert in anderen germanischen Sprachen in ähnlicher Bedeutung, z.B. ang. scoppa (vgl. Köbler 2014b, s.v. scoppa), ang. scypen bzw. eng. (dialektal) shippen 'Stall' sowie eng. shop (vgl. DWB, s.v. Schuppen).
Im Alpenraum scheint nur das Slowenische diesen Worttyp für die Bezeichnung einer Scheune entlehnt zu haben (siehe Karte).
(auct. Markus Kunzmann)
SENNHÜTTE - Konzept (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
seracium (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Dieser Basistyp geht auf eine spätlateinische Ableitung zur Bezeichnung des Zigers von lat. sěrum ‘Molke’ mit -aceus zurück, die in Oberitalien, Savoyen und in der Schweiz zu verorten ist. Erhalten ist der Basistyp vor allem im Frankoprovenzalischen und Okzitanischen. Aus *sēraceum ging frp. seraz hervor, was als sérac ins Französische einging. Die französische Schreibweise bewahrt das -c von *sēraceum einfach nur aus graphischen Gründen. Vom Französischen der Westschweiz wurde Rescherack ‘gesalzener Ziger’ ins Schweizerdeutsche entlehnt (vgl. FEW 11: 495; vgl. Idiotikon VI: 1642; vgl. TLFi: s.v. sérac).
(auct. Myriam Abenthum)
sidretg (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Auf Karte visualisieren)
*skūm (ger) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Dieser Basistyp mit der Bedeutung ‘Schaum’ ist germanischen Ursprungs. Seine weitläufige Verbreitung weist auf Entlehnung aus dem Germanischen vor der Völkerwanderung hin. Ursprünglich bezeichnete das Wort eine Art Pomade, die die Römer von den Germanen kauften und von den Römern als spuma bezeichnet wurde (vgl. Martial 8, 33, 19f. [ed. Loeb]: fortior et tortos servat vesica capillos / et mutat Latias spuma Batava comas. "Stronger the net that keeps braided hair in place and the Batavian foam that dyes Latin tresses."; vgl. auch Plin. NH 28, 191, wo in diesem Zusammenhang von sapo/Seife die Rede ist). Bei Plinius wird das Wort aber auch zur Beschreibung von butyrum, wohl 'Butter', gebraucht (vgl. den Textauszug im Kommentar zum Konzept KÄSE). Deshalb liegt es nahe, das germanische Wort als Lehnübersetzung von lat. spuma zu sehen; durch den Kontakt mit dem lat. Ausdruck nahm germ. *skūm zu skuma auch das feminine Genus an. Daraus wurden dann fra. écume und ita. schiuma entlehnt. Das fro., frm. escume ist für das 12. Jahrhundert mit der allgemeinen Bedeutung ‘Schaum, der sich auf Flüssigkeiten bildet, wenn man sie schüttelt, erhitzt oder wenn sie gären’ belegt (vgl. FEW 17: 137-140). Die spezifische Bedeutung 'Rahm' scheint typisch alpin zu sein.
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld | Stephan Lücke)
*smelt-a- (ger) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
„Sn std. (9. Jh.), mhd. smalz, ahd. smalz, mndd. smalt, smolt, mndl. smout Als ‛ausgelassenes Fett’ zu schmelzen. Verb: schmalzen; Adjektiv: schmalzig" (Kluge).
Es zeigt sich aber, dass das Substantiv ausschließlich im Niederländischen und Deutschen belegt zu sein scheint und weiterhin, dass alle im VA–Material erfassten Formen auf eben dieses Substantiv zurückgeführt werden müssen. Es wäre deshalb irreführend, als Basistyp einen rekonstruierten indogermanischen Verbalstamm anzuführen.
(auct. Thomas Krefeld)
*sponga (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum)
srasa (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
tēla (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
thûmo (goh) - Basistyp (Auf Karte visualisieren)
tomme / toma (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)

scn. tuma, das offensichtlich mit den galloitalischen Kolonisten im Gefolge der normannischen Eroberung gekommen ist, bezeichnete den ungeformten Frischkäse, während scn. formaggiu ausschließlich und ganz im Sinne der Etymologie den geformten Käse bezeichnet, genauer: die in Formgefäßen gepresste Käsemasse unterschiedlicher Reifungsgrade:
"tuma GA ['tuma], GE → etn., AL → etn., CA → etn., IS. → etn., PO → etn. ['tuma],['tumwa] f. prodotto caseoso che si ottiene rompendo la cagliata. 2. formaggio fresco non sottoposto a sterilizzazione nella scotta. 3. formaggio fresco, immerso direttamente nella scotta senza essere pressato nelle fiscelle.
Rotta la cagliata (→ quagghiata) nella → tina, la massa caseosa che precipita sul fondo e che viene raccolta (→ accampari, → arricampari) e sistemata a scolare nel → tavulìeri è ormai detta tuma. La tuma, poi, facoltativamente tagliata a cubetti, viene sistemata in fiscelle (→ ntumari, → ntumalora) perché possa scolare ulteriormente. Tuma è, inoltre, chiamato il formaggio che non viene sottoposta a sterilizzazione nella scotta (cfr. GE) e che generalmente viene consumato subito [...]
Etn[otesto]. GE [a Geraci; TK] a tuma un ci â d'èssiri misa nâ → vasceɖɖa, si ssi parra di tuma.
Trad. «la 'tuma' non va messa [raccolta] nelle fiscelle, se parliamo della 'tuma' ». [...]
Etn. IS [a Isnello, TK] a tuma jeni u prodottu che si ffa ppoi u → formàggiu
Trad. «La 'tuma' è il prodotto [la pasta caseosa] che [con cui] si fa il formaggio». [...]" (Sottile 2002, 168)
(auct. Thomas Krefeld)
traire (roa.) - Morpho-lexikalischer Typ (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Thomas Krefeld)
*tsigros/tsigronos (gal) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
"Zieger. Sm ‛Quark’ per. wobd. (15. Jh.), mhd. ziger, spahd. ziger. Ein Wort der Alpenmundarten. Herkunft unklar."
Von Hubschmied 1936, 93-95, wurde genauer ein gallisches Etymon *tsigros bzw. *tsigronos 'zweite Erwärmung' vorgeschlagen; die zweite Form ist nötig, um den morpholexikalischen Typ des Bündneromanischen mit betontem Suffix (Tschagrun) zu erklären. Die von Kluge genannte Datierung ist mittlerweile überholt, denn das Wort ist bereits in den Consuetudines des Klosters Hirsau vom Ende des 11./Anfang 12. Jahrhunderts mehrfach belegt (vgl. Bulitta 2018, 203). Der Ansatz von Hubschmied wird dadurch nicht geschwächt.
Auch die von Kluge behauptete Beschränkung auf das Westoberdeutsche ("wobd.") muss angesichts der Tiroler Belege auf der VA-Karte revidiert werden.
(auct. Thomas Krefeld)
ŬNCTU(M) (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Dieser Basistyp beruht auf lat. ŭnctum ‘Fett, Salbe’, welches das Partizip Perfekt des lat. Verbs ŭngere ‘schmieren’ ist und mittels Substantivierung die Bedeutung ‘das Fette’ erhielt. Gleichzeitig bedeutete es ab dem 2. Jahrhundert auch noch ‘Salbe’. Beide Bedeutungen finden sich noch heute. ‘Salbe’ ist in ita. unguento, pms. oit ‘Salbe’ erhalten (vgl. Treccani). Zu dieser Basis gehören aber auch ron. unt oder fur. ont mit der Bedeutung ‘Butter’ (vgl. FEW 14: 29-30; vgl. REW: 9057). Der Basistyp ancho dürfte laut Kluge (2012: 437) über die ine. *ongw en- ‛Salbe, Fett, Butter’ mit dem Basistypen ŭnctum urverwandt sein.
(auct. Myriam Abenthum)
*ungere (lat) (* = rekonstruiert) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
unguere (lat) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
„Anke(n), (durch Butter ersetzt) Sm ‛Butter’ per. wobd. (8. Jh.), mhd. anke, ahd. anko. Obwohl nur das Deutsche das Wort bewahrt hat, ist g. *ankwōn m. ‛Fett, Butter’ vorauszusetzen, als Fortsetzer eines ig. ( weur.) *ongwen- ‛Salbe, Fett, Butter’ (in verschiedenen Ablautstufen), vgl. l. unguen n. ‛Fett, Salbe’, air. imb ‛Butter’ (*ṇgwen-) zur Verbalwurzel ig. *ongw- ‛salben’ in ai. anákti, l. unguere u.a. Also ursprünglich ‛Salbe, Schmiere’.“ (Kluge 2011, 47)
Hier wird einerseits ein einleuchtender Zusammenhang offengelegt; andererseits wird daraus jedoch ein unwahrscheinlicher wortgeschichtlicher Schluss gezogen: Kluge interpretiert das Wort als isoliertes indogermanisches Relikt, obwohl es doch viel näher läge diesen südwestdeutschen (alemannischen) Typ aus dem Lateinisch-Romanischen zu erklären. Die erwähnte lateinische Basis mit dem Velar ist zwar im unmittelbar angrenzenden romanischen Kontaktgebiet durch die Variante *ŭngĕre (REW 9069) verdrängt worden, wie an der Palatalisierung des g in roh. (surselvisch) unscher, eng. uondscher, ita. ungere u.a. (vgl. HWdR, 971) zu erkennen ist. Im heute französischen Gebiet herrschen jedoch Kognaten von lat. ŭnguĕre (vgl. FEW 14, 36 f.); darunter sind auch Formen mit eindeutigem semantischen Bezug zur Milchverarbeitung, wie ogner 'donner son lait | Milch geben' (mit Wechsel der Konjugationsklasse) und ogna 'quantité de lait que donne une vache en une fois | Menge Milch, die eine Kuh auf ein Mal gibt'. Aus dem Partizip unctum ist im Übrigen die im romanischsprachigen Teil des VA-Gebietes gut belegte friaulische Bezeichnung der BUTTER ont, lld. onto, vonto (vgl. ron. unt) geworden. Die hiermit vorgeschlagene Entlehnung aus dem Lateinisch-Romanischen ist lautlich möglich und semantisch selbstverständlich, wenn man an die zahlreichen anderen Romanismen in diesem onomasiologischen Bereich denkt. Im Hinblick auf die viel weitere Verbreitung des Typs butyru(m) liegt es weiterhin nahe, in den aus den Verbvarianten ŭnguĕre, *ŭngĕre abgeleiteten Bezeichnungen einen älteren Typ zu sehen, der später durch butyru(m) überlagert wurde.
(auct. Thomas Krefeld)
ZIGER - Konzept (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
(auct. Myriam Abenthum | Thomas Krefeld)
(siehe Wikidata Q14776091)
zimbar (goh) - Basistyp (Zitieren) (Auf Karte visualisieren)
Zimbar steht für Konstruktionen aus Holz, wie aus den verwandten Formen der anderen germanischen Sprachen eindeutig hervor geht; vgl. dazu Kluge 2012 ( online o.S.):
"Zimmer, Sn std. (8. Jh.), mhd. zimber, zim(m)er m./n., ahd. zimbar, as. timbar ‛Wohnraum, Wohnung, Holzbau, Bauholz’.
Aus g. *temra- n. ‛Bauholz, Gezimmertes’, auch in anord. timbr, ae. afr. timber; gt. in tim(b)rjan ‛zimmern’ (wie anord. timbra, ae. timbr(i)an, afr. timbria, timmeria, as. timbron, ahd. zimb(a)rōn, mhd. zimbren, zimmern, nhd. zimmern). [...]".
Lat. camera setzt dagegen die Steinbauweise voraus, worauf die althochdeutschen Belege ebenso unmissverständlich hinweisen wie der knappe Artikel in Kluge 2012 (online, o.S.):
"Kammer Sf erw. obs. (8. Jh.), mhd. kamer(e), ahd. chamara, as. kamara Früh entlehnt aus l. camera ‛gewölbte Decke’, dann ‛Zimmer mit gewölbter Decke, Wölbung’, das seinerseits aus gr. kamára ‛Gewölbe, gewölbte Kammer’ entlehnt ist. [...] Ebenso nndl. kamer, ne. chamber, nfrz. chambre, nschw. kammare, nnorw. kammer".
Die griechische Lexikographie bestätigt diese Darstellung (vgl. LSJ, s.v. κᾰμάρ-α, Ion. κᾰμάρ-η [μᾰ], ἡ). Die massive Durchsetzung der Steinbauweise hat sich bekanntlich in zahlreichen lateinisch-romanischen Entlehnungen im Deutschen niedergeschlagen (Beispiele). Vor diesem Hintergrund ist bemerkenswert, dass sich im Material von VerbaAlpina kein Hinweis auf eine Entlehnung im umgekehrter Richtung, also von zimbar ins Romanische findet. Allerdings wurde die Holzbauweise keineswegs vollständig verdrängt; die Entlehnung des Typs zimbar ins Slowenische zeigt, dass sie sich speziell in Gegenden wie den Alpen, wo beide Materialien je nach Höhenstufe leicht verfügbar sind, offensichtlich gut etablieren und parallel zum Steinbau verbreiten konnte (vgl. die Karte); ganz analog präsentiert sich übrigens der onomasiologisch naheliegende, ebenfalls aus dem Germanischen stammende Basistyp thilla, deu. Diele, der ebenfalls ins Slowenische, aber nicht ins Romanische entlehnt wurde (vgl. Karte). So ergibt sich die folgende stratographische Skizze:
| STRATO romanzo | STRATO ger. (ted.) | STRATO slavo (slov.) | ||
| camera | Kammer | Diele , Zimmer→ → | →→ dilje, cimr | kamra |
| ↑ | SOSTRATO ↑ | SOSTRATO ↑ | ||
| latino-romanzo camera | ||||
(auct. Thomas Krefeld)





