Methodologie

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Abkürzungen  (Zitieren)

In den Textbeiträgen, die unter den Menüpunkten "Methodologie" und "Lexicon Alpinum" erscheinen, sind oft Abkürzungen enthalten, die teilweise nicht selbsterklärend sind. Aus diesem Grunde wurde ein Abkürzungsverzeichnis erstellt, das die Bedeutung der einzelnen Abkürzungen erklärt und dem Leser dadurch ein besseres Verständnis der Inhalte ermöglicht. Analog zu den Sprachen, in denen die Webseite von VerbaAlpina aufgerufen werden kann, wurde das Abkürzungsverzeichnis für die Sprachen Deutsch, Italienisch, Französisch und Slowenisch erstellt. Abkürzungen, die in Zitaten vorkommen, sind nicht in Betracht gezogen worden.

Gleichzeitig wurden in den Texten alle Sprachkürzel an die ISO-639 Norm angepasst und diese folglich in das Abkürzungsverzeichnis aufgenommen.

Bibliographische Abkürzungen


Mehrbändige Referenzwerke erhalten eine Sigle (z.B. AIS). Andere, in der Bibliographie vollständig aufgenommene Titel werden mit dem Autornamen und dem Jahr der Erscheinung abgekürzt zitiert (z.B. Baer 2000). Zwei Namen werden mit Schrägstrich getrennt (z.B. Jaberg/Jud 1929), ab drei Namen wird "et al." verwendet.






(auct. Beatrice Colcuc | Thomas Krefeld | Stephan Lücke)

Tags: Webseite



Alpenkonvention (Zitieren)

Die Alpenkonvention ist ein völkerrechtlich bindender Vertrag, der im Jahr 1991 zwischen den Anrainerstaaten des Alpenraums geschlossen wurde (eine Ausnahme stellt Slowenien dar, das aufgrund der politischen Umbrüche erst zwei Jahre später dem Abkommen beigetreten ist). Im Wesentlichen geht es um die grenzüberschreitende Entwicklung des Alpenraums in einer Reihe von definierten Sektoren bei gleichzeitigem Schutz des Naturraums. Innerhalb der Alpenkonvention existiert für jeden der definierten Sektoren ein sog. Durchführungsprotokoll, durch das die Planung von Maßnahmen innerhalb des jeweiligen Sektors erfolgt. Insgesamt bestehen zur Zeit (2018) knapp zehn Durchführungsprotokolle, z.B. für die Bereiche Tourismus, Berglandwirtschaft oder Naturschutz und Landschaftspflege. Jedes Durchführungsprotokoll muss von den Mitgliedsstaaten der Alpenkonvention gesondert ratifiziert werden. Bislang haben nicht alle Mitgliedsstaaten sämtliche Durchführungsprotokolle ratifiziert. Das beschlussfassende Organ der Alpenkonvention ist die sog. Alpenkonferenz, die im Schnitt alle zwei Jahre tagt. Alle zwei Jahre wechselt auch der Vorsitz in der Alpenkonvention von einem Mitgliedsstaat zu einem anderen. Ständiges koordinierendes Organ der Alpenkonvention ist das "Ständige Sekretariat" mit Sitz in Innsbruck und einer Außenstelle in Bozen/Bolzano.
Die Alpenkonvention ist einer der offiziellen Kooperationspartner von VerbaAlpina. Aus methodischer Sicht besitzt die Alpenkonvention für VerbaAlpina insofern eine besondere Bedeutung, als die von der Alpenkonvention vorgenommene geographische und auf administrativen Grenzen basierende Definition des Alpenraums ("Perimeter der Alpenkonvention") von VerbaAlpina übernommen und als Untersuchungsraum festgelegt wurde. Diese technisch-bürokratische Abgrenzung ist aus methodischer Sicht unumgänglich, auch wenn man angesichts fließender Übergänge der sprachlichen und kulturellen Realität auf diese Weise in vielfacher Hinsicht nicht wirklich gerecht wird. Als Beispiel sei hier das in der Schweiz gelegene Emmental genannt, das sich knapp außerhalb der Grenzen der Alpenkonvention befindet und daher nicht von VerbaAlpina berücksichtigt wird, obwohl es mit seiner Milchwirtschaft den entsprechenden Wirtschaftsformen des Alpenraums sehr ähnlich ist. Auf der anderen Seite reicht das Gebiet der Alpenkonvention gerade im bayerischen Alpenvorland weit in die Ebene und damit in Regionen hinaus, die weit weniger mit den Verhältnissen im gebirgigen Bereich der eigentlichen Alpen vergleichbar sind als etwa das Emmental.

(auct. Stephan Lücke)



Alpenwörter  (Zitieren)

Typisch alpine Realia (wie die GAMS, die ZIRBELKIEFER oder die ALM) werden oft durch vorrömische Substratwörter bezeichnet. Diese sprachliche Schicht wurde wohl zuerst von Jakob Jud ausführlicher beschrieben (man vergleiche dazu die bekannten Arbeiten von Jud 1911aJud 1911b, Jud 1924 sowie Stampa 1937); sie bildet den Kern der so genannten Alpenwörter. Allerdings ist der Ausdruck nicht ganz eindeutig, denn er wird von Otto von Greyerz 1933, der ihn wohl geprägt hat, und Johannes Hubschmid 1951, der ihn vor allem bekannt gemacht hat, etwas weiter gefasst: "Ich verstehe darunter Wörter, die Geländeformationen, Naturerscheinungen, Tiere und Pflanzen oder mit der menschlichen Tätigkeit zusammenhängende konkrete Begriffe bezeichnen, Wörter, die sich nur oder hauptsächlich in den Alpenmundarten erhalten haben, oder die zwar auf einem größeren Gebiet leben, aber in den Alpen häufig eine speziell 'alpine' Bedeutung zeigen. Alpenwörter können auch germanischen oder romanischen Ursprungs sein" (Hubschmid 1951, 7; vgl. zur Begriffsgeschichte neuerdings auch Rampl 2011, 131 ff.).

Der Ausdruck VerbaAlpina schließt ganz bewusst an diese Kategorie an, die sich als sehr hilfreich für eine Untersuchung der Mehrsprachigkeit erweist. Denn sie erlaubt es, diejenigen lexikalischen Einheiten zu identifizieren, die den alpinen Kulturraum sprachlich charakterisieren und die unterschiedliche Entlehnungsprozesse voraussetzen, ohne dabei jedoch einzelne Sprachen besonders zu fokussieren. Um das Konzept der verba alpina (oder: Alpenwörter) jedoch zu operationalisieren, muss es im Rahmen des Projekts präzisiert werden: Als 'alpin' werden einerseits diejenigen lexikalischen Typen bezeichnet, die eindeutige Entsprechungen in mehr als einer der drei traditionellen Sprachfamilien des Alpenraums haben und andererseits diejenigen, die zwar nur im Romanischen belegt sind, aber die sich nicht auf das Lateinische, sondern auf regionale, vorlateinische Substrate zurückführen lassen. Es ergeben sich nun sieben hybride Gruppen:

Mögliche Entsprechungen eines Alpenworts
Vorlateinisch Romanisch Germanisch Slavisch
x x x x ‘alpin’ im engeren Sinn
x x x ‘alpin’ im weiteren Sinn
x x x
x x
x x
x x
x x


(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik



Analoge Sprachgeographie  (Zitieren)

Die Wissensdimensionen, die im inhaltlichen Horizont von VerbaAlpina liegen, d.h. SACHEN, KONZEPTE und WÖRTER, werden in der analogen Präsentationsweise der traditionellen Sprachgeographie in der Regel sehr eng und oft in ganz unklarer Weise miteinander verquickt. Exemplarisch ist AIS 1192a LA CASCINA DI MONTAGNA (die Karte ist Bestandteil dieser VA-Karte). Der Kartentitel hat zunächst den Status eines Konzepts, nämlich GEBÄUDE, “wo ein gut ausgebildeter Käser (‘Senn’) mit Hilfspersonal die Milch sachgemäss zu Käse, Butter, Zieger verarbeitet”. Weiterhin erfährt man, dass es sich um einen Oberbegriff handelt, denn manche Sennhütten dienen gleichzeitig als Lagerraum für Milch und Käse, während in anderen Fällen dafür spezielle Milch- und Käsekeller zur Verfügung stehen, die wiederum angebaut oder freistehend sein können und häufig von einem Wasserlauf durchflossen werden. Ausserdem ist die “meist massive steinerne Sennhütte” von hölzernen zu unterscheiden usw. Es gibt, mit anderen Worten, eine ganze Typologie untergeordneter und spezifischerer Konzepte, ohne dass im einzelnen immer klar ist, welche Hütte mit dem jeweils auf der Karte belegten Wort gemeint ist. Das Konzept im Kartentitel ist also häufig unterspezifiziert, und an keinem Ort kann die Existenz anderer Bezeichnungen für spezifischere Hütten ausgeschlossen werden; Dialektwörterbücher bestätigen diesen Eindruck mit großer Regelmäßigkeit. Gleichzeitig kommen mit dem MILCH- und KÄSEKELLER andere Konzepte ins Spiel, die keine Unterbegriffe von SENNHÜTTE sind; ferner wird in derselben Legende auf das häufige Vorkommen von Ställen (für unterschiedliche Tiere, auch für Schweine) hingewiesen, auf ein drittes Konzept also. Bezeichnungen für diese weiteren Konzepte werden in der Regel nicht auf der topographischen Karte eingetragen, sondern am Rand in Form von Listen, die meist nur Belege für wenige Orte zeigen. Gleichzeitig kommt es nicht selten vor, dass auf den Listen polyseme Wörtern auftauchen, die in einzelnen Orten ganz andere Konzepte bezeichnen. Man vergleiche den Typ kort, der auf der Liste zum Konzept ALPSTALL in den AIS_Orten 107 und 109 belegt ist, obwohl er in einem der beiden Belege (Punkt 109) ein ganz anderes Konzept, nämlich den offenen LAGER- UND MELKPLATZ FÜR VIEH BEI DER ALMHÜTTE bezeichnet.





Dergleichen Inkonsistenzen müssen bei der digitalen Datenaufnahme unbedingt beseitigt werden; oberstes Gebot ist hier die scharfe Trennung der genannten inhaltlichen Dimension, sozusagen die systematische Dekonstruktion der gebotenen Information.





Im Zuge einer solchen Dekonstruktion ergibt die oben als Beispiel genannte Karte folgende Datensätze:

AIS 1192a, Stimulus LA CASCINA DI MONTAGNA; SENNHÜTTE
weitere Stimuli (= onomasiologisch eindeutige KONZEPTE): 8 (MILCHKELLER, KÄSEKELLER, LA CANTINA DA LATTE, MAIENSÄSSE, ALMSTALL, SCHLAFRAUM IN DER SENNHÜTTE, ANDERE ÖKONOMIEGEBÄUDE, DIE ALP WECHSELN)
mögliche untergeordnete KONZEPTE: 120
sprachliche Einzelbelege: 1032
Erhebungsorte: 134

Im Anschluss können dann alle Informationen in konsistenten Kategorien und quasi beliebiger Kombination aus der Datenbank abgerufen und visualisiert werden.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik



Autorenschaft  (Zitieren)

Alle verbalen Beiträge der VerbaAlpina-Seite sind namentlich gekennzeichnet; Autoren werden mit dem Kürzel "auct." markiert, Übersetzer eines Beitrags mit dem Kürzel "trad.". Die Software wird im Wesentlichen von Florian Zacherl, David Englmeier (seit 1.10.2016) und Filip Hristov (seit 1.10.2016) entwickelt.

(auct. Thomas Krefeld | Susanne Oberholzer)

Tags: Webseite