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Alpenwörter (Zitieren)

Typisch alpine Realia (wie die GAMS, die ZIRBELKIEFER oder die ALM) werden oft durch vorrömische Substratwörter bezeichnet. Diese sprachliche Schicht wurde wohl zuerst von Jakob Jud ausführlicher beschrieben (man vergleiche dazu die bekannten Arbeiten von Jud 1911aJud 1911b, Jud 1924 sowie Stampa 1937); sie bildet den Kern der so genannten Alpenwörter. Allerdings ist der Ausdruck nicht ganz eindeutig, denn er wird von Otto von Greyerz 1933, der ihn wohl geprägt hat, und Johannes Hubschmid 1951, der ihn vor allem bekannt gemacht hat, etwas weiter gefasst: "Ich verstehe darunter Wörter, die Geländeformationen, Naturerscheinungen, Tiere und Pflanzen oder mit der menschlichen Tätigkeit zusammenhängende konkrete Begriffe bezeichnen, Wörter, die sich nur oder hauptsächlich in den Alpenmundarten erhalten haben, oder die zwar auf einem größeren Gebiet leben, aber in den Alpen häufig eine speziell 'alpine' Bedeutung zeigen. Alpenwörter können auch germanischen oder romanischen Ursprungs sein" (Hubschmid 1951, 7; vgl. zur Begriffsgeschichte neuerdings auch Rampl 2011, 131 ff.).

Der Ausdruck VerbaAlpina schließt ganz bewusst an diese Kategorie an, die sich als sehr hilfreich für eine Untersuchung der Mehrsprachigkeit erweist. Denn sie erlaubt es, diejenigen lexikalischen Einheiten zu identifizieren, die den alpinen Kulturraum sprachlich charakterisieren und die unterschiedliche Entlehnungsprozesse voraussetzen, ohne dabei jedoch einzelne Sprachen besonders zu fokussieren. Um das Konzept der verba alpina (oder: Alpenwörter) jedoch zu operationalisieren, muss es im Rahmen des Projekts präzisiert werden: Als 'alpin' werden einerseits diejenigen lexikalischen Typen bezeichnet, die eindeutige Entsprechungen in mehr als einer der drei traditionellen Sprachfamilien des Alpenraums haben und andererseits diejenigen, die zwar nur im Romanischen belegt sind, aber die sich nicht auf das Lateinische, sondern auf regionale, vorlateinische Substrate zurückführen lassen. Es ergeben sich nun sieben hybride Gruppen:

Mögliche Entsprechungen eines Alpenworts
Vorlateinisch Romanisch Germanisch Slavisch
x x x x ‘alpin’ im engeren Sinn
x x x ‘alpin’ im weiteren Sinn
x x x
x x
x x
x x
x x


(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik



Analoge Sprachgeographie (Zitieren)

Die Wissensdimensionen, die im inhaltlichen Horizont von VerbaAlpina liegen, d.h. SACHEN, KONZEPTE und WÖRTER, werden in der analogen Präsentationsweise der traditionellen Sprachgeographie in der Regel sehr eng und oft in ganz unklarer Weise miteinander verquickt. Exemplarisch ist AIS 1192a LA CASCINA DI MONTAGNA (die Karte ist Bestandteil dieser VA-Karte). Der Kartentitel hat zunächst den Status eines Konzepts, nämlich GEBÄUDE, “wo ein gut ausgebildeter Käser (‘Senn’) mit Hilfspersonal die Milch sachgemäss zu Käse, Butter, Zieger verarbeitet”. Weiterhin erfährt man, dass es sich um einen Oberbegriff handelt, denn manche Sennhütten dienen gleichzeitig als Lagerraum für Milch und Käse, während in anderen Fällen dafür spezielle Milch- und Käsekeller zur Verfügung stehen, die wiederum angebaut oder freistehend sein können und häufig von einem Wasserlauf durchflossen werden. Ausserdem ist die “meist massive steinerne Sennhütte” von hölzernen zu unterscheiden usw. Es gibt, mit anderen Worten, eine ganze Typologie untergeordneter und spezifischerer Konzepte, ohne dass im einzelnen immer klar ist, welche Hütte mit dem jeweils auf der Karte belegten Wort gemeint ist. Das Konzept im Kartentitel ist also häufig unterspezifiziert, und an keinem Ort kann die Existenz anderer Bezeichnungen für spezifischere Hütten ausgeschlossen werden; Dialektwörterbücher bestätigen diesen Eindruck mit großer Regelmäßigkeit. Gleichzeitig kommen mit dem MILCH- und KÄSEKELLER andere Konzepte ins Spiel, die keine Unterbegriffe von SENNHÜTTE sind; ferner wird in derselben Legende auf das häufige Vorkommen von Ställen (für unterschiedliche Tiere, auch für Schweine) hingewiesen, auf ein drittes Konzept also. Bezeichnungen für diese weiteren Konzepte werden in der Regel nicht auf der topographischen Karte eingetragen, sondern am Rand in Form von Listen, die meist nur Belege für wenige Orte zeigen. Gleichzeitig kommt es nicht selten vor, dass auf den Listen polyseme Wörtern auftauchen, die in einzelnen Orten ganz andere Konzepte bezeichnen. Man vergleiche den Typ kort, der auf der Liste zum Konzept ALPSTALL in den AIS_Orten 107 und 109 belegt ist, obwohl er in einem der beiden Belege (Punkt 109) ein ganz anderes Konzept, nämlich den offenen LAGER- UND MELKPLATZ FÜR VIEH BEI DER ALMHÜTTE bezeichnet.





Dergleichen Inkonsistenzen müssen bei der digitalen Datenaufnahme unbedingt beseitigt werden; oberstes Gebot ist hier die scharfe Trennung der genannten inhaltlichen Dimension, sozusagen die systematische Dekonstruktion der gebotenen Information.





Im Zuge einer solchen Dekonstruktion ergibt die oben als Beispiel genannte Karte folgende Datensätze:

AIS 1192a, Stimulus LA CASCINA DI MONTAGNA; SENNHÜTTE
weitere Stimuli (= onomasiologisch eindeutige KONZEPTE): 8 (MILCHKELLER, KÄSEKELLER, LA CANTINA DA LATTE, MAIENSÄSSE, ALMSTALL, SCHLAFRAUM IN DER SENNHÜTTE, ANDERE ÖKONOMIEGEBÄUDE, DIE ALP WECHSELN)
mögliche untergeordnete KONZEPTE: 120
sprachliche Einzelbelege: 1032
Erhebungsorte: 134

Im Anschluss können dann alle Informationen in konsistenten Kategorien und quasi beliebiger Kombination aus der Datenbank abgerufen und visualisiert werden.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik



Belegorte (Zitieren)

Die Namen der Belegorte werden quellentreu übernommen (inklusiv einer abweichenden Rechtschreibung). Sollten zwei oder mehr Belegorte denselben Namen haben, so wird sofern vorhanden und notwendig der offizielle Lokalzusatz angehängt, z.B. Brixen im Thale, St. Johann in Tirol. Besonders in Österreich sind diese Zusätze zahlreich vorhanden und erleichtern die Unterscheidung der Aufnahmeorte.
Die Namen kleinerer Weiler haben jedoch oft keine Lokalzusätze. Hier wird die Gemeinde, der der Belegort angehört, in Klammern dahinter gesetzt, z.B. St. Magdalena (Gries), St. Magdalena (Villnöss).

(auct. Mona Neumeier)

Tags: Linguistik



Betacode (Zitieren)

In Anlehnung an die Terminologie des Thesaurus Linguae Graecae (TLG), der das entsprechende Konzept Anfang der 1970er Jahre für die elektronische Erfassung altgriechischer Texte mit den damaligen computertechnischen Mitteln entwickelt hatte, wird im Rahmen von VerbaAlpina die Transkription komplexer Schriftsysteme unter ausschließlicher Verwendung von ASCII-Zeichen als "Betacode" bezeichnet.
Die folgende Graphik illustriert das Verfahren anhand eines Beispiels aus dem Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz (AIS):





Bei der Übertragung der im Sprachatlas verwendeten phonetischen Transkription nach Böhmer-Ascoli in aus ASCII-Zeichen bestehende Sequenzen wird zunächst ganz einfach zwischen Basiszeichen und Diakritika unterschieden. Sofern ein Basiszeichen im ASCII-Code vorhanden ist, wird es bei der Übertragung durch sich selbst repräsentiert (was im gegebenen Beispiel durchweg der Fall ist). Unmittelbar hinter das Basiszeichen werden sodann nacheinander alle mit ihm verbundenen Diakritika geschrieben, wobei jedes Diakritikum durch ein spezielles ASCII-Zeichen ersetzt wird. Die Zuordnung der Diakritika zu ASCII-Zeichen ist innerhalb von VerbaAlpina eindeutig und in speziellen Tabellen der VerbaAlpina-Datenbank dokumentiert. Die Wahl der Zuordnung ist, soweit möglich, geleitet vom Prinzip der optischen Ähnlichkeit. So wird im genannten Beispiel das Häkchen unterhalb des u im Wort tu durch eine öffnende runde Klammer wiedergegeben: tu(. Die Diakritika werden ausgehend von ihrer Anordnung am Basiszeichen in der Reihenfolge unten nach oben und links nach rechts hinter das Basiszeichen geschrieben. Aufgrund des Prinzips der optischen Ähnlichkeit erfolgt die Zuordnung von Diakritika zu ASCII-Zeichen unabhängig von ihrer quellenspezifischen Semantik, in anderen Worten: Auch wenn ein Häkchen unterhalb eines Basiszeichens in der einen Quelle eine vollkommen andere phonetische Bedeutung besitzt als in einer anderen Quelle, so wird dennoch in beiden Fällen das Häkchen durch eine nachgestellte Klammer wiedergegeben. Die semantischen Unterschiede werden in den quellenspezifischen Transkriptionstabellen dokumentiert: Sie regeln die Konversion des Betacodes in die Outputtranskription gemäß IPA (ein und dieselbe Beta-Kodierung kann also je nach Quelle zu ganz unterschiedlichen IPA-Kodierungen führen).
Das beschriebene Verfahren besitzt eine Reihe von Vorteilen:
- Die Datenerfassung kann in vergleichsweise hohem Tempo auf herkömmlichen Standardtastaturen erfolgen und ist vollständig betriebsystemunabhängig,
- die Transkriptoren benötigen keine Kenntnisse der phonetischen Transkriptionssysteme,
- es lassen sich beliebige Zeichen bzw. Diakritika erfassen, unabhängig davon, ob diese in Unicode kodiert sind oder nicht, und
- die elektronische Datenerfassung erfolgt ohne Informationsverlust.
Durch Ersetzungsroutinen kann der Betacode in nahezu beliebige andere Transkriptionssysteme überführt werden. Im Zuge solcher Konvertierungen kommt es unter Umständen zu Informationsverlusten, die jedoch im Wesen der Transkriptionssysteme begründet sind. So unterscheidet die phonetische Transkription nach Böhmer-Ascoli verschiedene Öffnungsgrade in einer Granularität, die im IPA-System nicht vorgesehen ist.

(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)

Tags: Linguistik Informationstechnologie



Bezeichnung (Zitieren)

Unter 'Bezeichnung' versteht VerbaAlpina die idealisierte Instanz eines geschriebenen, gesprochenen oder gedachten Wortes, das ein oder mehrere Konzepte benennt und womöglich auf konkrete Dinge referiert. Anstelle eines einzelnen Wortes kann auch die spezifische Abfolge mehrerer Wörter diese Funktionen übernehmen (sogenannte Mehrwortlexie). Im Hinblick auf die Kategorie 'Konzept' ergibt sich, informatisch gesprochen, eine sogenannte m:n-Beziehung: Eine polyseme Bezeichnung kann mehrere Konzepte benennen, umgekehrt kann ein Konzept durch eine Vielzahl von synonymen Bezeichnungen benannt werden.





(auct. Stephan Lücke)

Tags: Linguistik



Codepage (Zitieren)

VerbaAlpina vereinigt Daten aus verschiedenen Arten von Quellen: Daten aus gedruckten Sprachatlanten und Wörterbüchern, die zunächst noch digitalisiert werden müssen, sowie bereits elektronisch vorliegende Daten aus einer Reihe von Partnerprojekten. Jede dieser unterschiedlichen Quellen verwendet mehr oder weniger individuelle Systeme zur Transkription. Um die erforderliche Vereinheitlichung zu realisieren, sind Listen nötig, in denen festgelegt ist, welches Schriftzeichen im Transkriptionssystem der einen Quelle welche Entsprechung im Transkriptionssystem der anderen Quelle besitzt. Hauptsächlich geht es darum, die unterschiedlichen Transkriptionssysteme auf das Internationale Phonetische Alphabet (IPA) abzubilden, das innerhalb von VerbaAlpina als Referenztranskription fungiert. Zur Überführung eines quellenspezifischen Transkriptionssystems in das IPA-System ist die Anlage einer vollständigen Liste in Tabellengestalt mit Schriftzeichenentsprechungen erforderlich. Eine solche Tabelle wird als "Codepage" bezeichnet.
Nachfolgend ein Auszug aus der für die Konvertierung des AIS-Transkriptionssystems in IPA grundlegenden Codepage. Insgesamt umfasst diese Codepage rund 4500 Zeilen/Zuordnungen:


Die Kolumne `BETA` enthält die im AIS verwendeten Zeichen in nach dem Prinzip des Betacodes transkribierter Form, die Kolumne `IPA` das jeweils entsprechende IPA-Zeichen und die Kolumne `HEX` den oder die Zahlenwerte der Unicodetabelle, die dem jeweiligen IPA-Zeichen entsprechen.

Eine vollständige Übersicht über die Codepages für alle Quellen von VerbaAlpina findet sich hier.

(auct. Stephan Lücke)

Tags: Linguistik Informationstechnologie



Digitalisierung (Zitieren)

Mit Digitalisierung wird im Kontext von VerbaAlpina nicht der schlichte Einsatz von Computern zur elektronischen Datenverarbeitung, sondern vielmehr und wesentlich die digitale Tiefenerschließung des Materials durch systematische und transparente *Strukturierung* und Kategorisierung verstanden.





Dabei kommt quasi ausschließlich das relationale Datenmodell zum Einsatz, bei dem das Datenmaterial grundsätzlich in Tabellengestalt organisiert wird. Die Tabellen bestehen aus Zeilen (= Datensätze, Tupel) und Spalten (= Attribute, Felder, Eigenschaften), wobei jede Tabelle in jede Richtung um zusätzliche Zeilen und Spalten erweitert werden kann. Zwischen den Tabellen bestehen logische Zusammenhänge, die sinnvolle Verknüpfungen und entsprechende synoptische Darstellungen (sog. "Joins") von zwei und mehr Tabellen erlauben. Für die Verwaltung der Tabellen setzt VerbaAlpina derzeit das Datenbankmanagementsystem MySQL ein, die Tabellen sind jedoch nicht an dieses System gebunden, sondern können jederzeit z.B. in Textgestalt mit eindeutig zu definierenden Trennzeichen für Feld- und Datensatzgrenzen (sog. Separatoren) zusammen mit den Spaltennamen und der Dokumentation der logischen Zusammenhänge (Entity-Relationship-Modell) exportiert werden. Die derzeit vielfach verwendete XML-Struktur wird im operativen Bereich von VerbaAlpina nicht eingesetzt. Im Rahmen des Schnittstellenkonzepts ist XML jedoch als Exportformat verankert.

Neben der logischen Strukturierung der Daten spielt im Zusammenhang mit dem Stichwort "Digitalisierung" die Kodierung der Schriftzeichen die zweite zentrale Rolle. Gerade im Hinblick auf die Langzeitarchivierung des Datenmaterials ist der richtige Umgang mit dieser Thematik von großer Bedeutung. Soweit möglich, orientiert VerbaAlpina sich dabei an der Kodierungstabelle und den Vorgaben des Unicode-Konsortiums. Im Fall der Digitalisierung von Schriftzeichen, die bislang noch nicht in die Unicodetabelle aufgenommen sind, erfolgt die digitale Datenerfassung eines Einzelzeichens vorzugsweise durch Serialisierung in Gestalt einer Abfolge von Zeichen aus dem Unicode-Bereich x21 bis x7E (innerhalb des ASCII-Bereichs). Die entsprechenden Zuordnungen werden in speziellen Tabellen dokumentiert, wodurch eine spätere Konvertierung in dann möglicherweise vorhandene Unicodewerte stets möglich ist.

(auct. Stephan Lücke)

Tags: Linguistik Informationstechnologie



Ethnolinguistik (Zitieren)

"On ne peut pas faire l'histoire des mots sans faire l'histoire des choses" (Jaberg 1936, 23).
In der romanistischen, aber vor allem italianistischen Forschungstradition war die Dialektologie von Beginn an, d.h. in Italien mindestens seit Giuseppe Pitré, immer sehr eng mit den Sozialwissenschaften, genauer gesagt mit der Soziologie und der Ethnologie verbunden. In dieser Perspektive lässt sich die gesamte Geolinguistik sogar als Teildisziplin einer übergeordneten 'Ethnowissenschaft' verstehen. Dieser Ausdruck, der hier als Übersetzung von ita. etnoscienza (aus eng. ethnoscience) gesetzt wird, hat allerdings weder in Italien, noch in Deutschland etablieren können. In dem sehr scharfsinnigen und informativen Manuale di etnoscienza von Giorgio Raimondo Cardona (Cardona 1995) heißt es:

"[...] il prefissoide etno- permette un'immediata 'etnologizzazione' di qualunque sottodisciplina [...]. L'inglese offre ancora un altro tipo di formazione, quella con folk- (folk-taxonomy), che ha però lo svantaggio di non essere atrettanto facilmente esportabile quanto il suo concorrente grecizzante.
Il termine con etno- copre però due cose distinte, nella letteratura: etnobotanica può significare:
a) una vera botanica scientifica, ma ritagliata sull'habitat, uso ecc. di una specifica etnia;
b) la scienza botanica posseduta da una specifica etnia.
Nel primo caso, il ricercatore è soprattutto un naturalista, che compie il suo lavoro consueto, anche se con una particolare attenzione alle denominazioni locali ecc.; nel secondo il ricercatore è piuttosto un antropologo conoscitivo, che studia come venga categorizzato il mondo naturale da una data etnia; dei dati naturalistici egli si servirà soprattutto per ancorare le classificazioni così individuate a referenti reperibili e riconoscibili anche per chi è esterno alla cultura studiata. [...]
Gran parte dell'analisi etnoscientifica si basa sull'analisi di enunciati della lingua del gruppo [...] " (Cardona 1995, 15 f.; Hervorhebung durch fette Schrift: TK)  

Die so skizzierte etnoscienza wird in der US-amerikanischen Tradition auch als cultural anthropology (deu. Kulturanthropologie) bezeichnet. Speziell im deutschsprachigen Raum wurde darüber hinaus zwischen Volkskunde für die Erforschung einheimischer Kultur(en) und Völkerkunde für die Erforschung fremder, insbesondere nichteuropäischer Kulturen unterschieden. In der Gegenwart wird stattdessen meist allgemein von Ethnologie mit dem besonderen Teilgebiet der Europäischen Ethnologie (im Sinne der Volkskunde) gesprochen. Die Bezeichnung Ethnolinguistik ist daher auch nicht eindeutig, da sie oft auf die sprachwissenschaftliche Untersuchung nichteuropäischer Kulturen eingeschränkt wird (vgl. Senft 2003), obwohl sie die europäischen nicht ausschließen sollte; die kategorische Trennung erweist sich im Hinblick auf die massenhaften und weiträumigen Migrationsströme ohnehin in rapide zunehmendem Maße als sinnlos.

Eine Unschärfe im zitierten Passus von Cardona bleibt zu klären; sie betrifft das 'Präfixoid' ethno-, das einerseits als Synonym des en. folk und andererseits mit Bezug auf etnia verwendet wird. Mit folk (in folk-taxonomy usw.) wird auf die alltags- oder lebensweltlichen Wissensbestände und Konventionen der Laien bzw. Nicht-Wissenschaftler verwiesen und genau in diesem Sinne sollte auch Ethnie (bzw. ethno-) auf alltagsweltliche Kulturgemeinschaften bezogen werden, ohne jedoch idealisierte Vorstellungen von Homogenität, Archaizität, sozialer Abgeschlossenheit usw. zu implizieren. Die Unterscheidung Cardonas (a vs. b) verweist weiterhin auf zwei komplementäre Forschungsperspektiven in den Kultur- und Sozialwissenschaften.

Zusammenfassend darf man dialektologische Forschungen im Sinn von Cardona (auch im Nachhinein) als 'ethnolinguistisch' bezeichnen, wenn sie ihre sprachlichen Daten im engen Zusammenhang mit der Alltagskultur der Sprecher erheben und analysieren.
In der romanistischen Tradition wurde diese Ausrichtung durch den prototypischen Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz (AIS) etabliert; sie markiert zweifellos den größten Unterschied und Fortschritt zum ALF, wie Karl Jaberg nicht ohne Emphase festhält. Der im Hinblick auf das Selbstverständnis des AIS und die Wissenschaftsgeschichte aufschlussreiche Passus verdient durchaus herausgehoben zu werden:
"L'importance des «choses» n'a pas échappé à l'esprit de Gilliéron [...] Que Gilliéron ait complètement négligé ce point de vue dans la conception de l'Atlas et qu'il n'en ait tenu compte qu'en passant dans ses autres publications, c'est un fait d'autant plus étrange qu'il connaissait fort bien les «choses» et s'y intéressait passionnément. A-t-il approuvé l'enseignement que Ferdinand de Saussure a tiré de ses incursions dans les domaines limitrophes de notre science, à savoir  que la «linguistique a pour unique et véritable objet la langue envisagée en elle-même et pour elle-même», principe qui, malgré l'admiration que j'ai pour le grandsavant genevois, m'a toujours semblé singulièrement rétrécir le champ d'action du linguiste." (Jaberg 1936, 27 f.)
Jaberg weist explizit und vollkommen zu Recht darauf hin, dass der Saussuresche Strukturalismus gerade in diesem Punkt junggrammatische Vorstellungen beibehält; aus der Sicht der zeitgenössischen Geolinguistik wird der Versuch, die Sprache als isolierbares 'Modul' zu betrachten, also keineswegs als ein neues Paradigma, sondern geradezu als traditionalistisch wahrgenommen:
"La conception du Petit Atlas phonétique du Valais roman [ebenfalls von Gilliéron; TK] et celle de l'Atlas linguistique de la France remontent à une époque qui était encore sous l'empire des néogrammairiens, et on sait ce que les néogrammairiens doivent aux sciences naturelles. Ce n'est certes pas un hasard que le Cours de linguistique générale s'en ressente également. M. Jud et moi, nous avions pas ces attaches avec les néogrammairiens, Gilliéron lui-même nous avait aidés à les rompre. Nous étions en revanche fortement impressionnés par les brillants articles de Meringer et de Schuchardt. La réalité des choses était autours de nous. Nous avions nous-mêmes parcouru les pays romans ; nous avions recueilli sur le terrain des observations ethnographiques et folkloriques. Comment en rester aux mots? Tout en sauvegardant le caractère essentiellement linguistique de notre ouvrage, nous croyions devoir fournir à l'historien des mots les données nécessaires pour se faire une idée des choses, afin qu'il ne bâtisse pas dans le vide." (Jaberg 1936, 28).
       

Richtungweisend für die ethnolinguistisch orientierte Tradition der italienischen Dialektologie ist die in teilnehmender Beobachtung entstandene Untersuchung von Hugo Plomteux 1980 über die Cultura contadina in Liguria. Ethnolinguistisch sehr gut, im regionalen Vergleich vielleicht am besten erschlossen ist Sizilien. Zu nennen sind vor allem: Fanciullo 1983 und mehrere wichtige Arbeiten, die im Rahmen des Atlante linguistico della Sicilia entstanden sind; die folgenden Titel geben Auskunft über die jeweils untersuchten kulturellen Techniken und Traditionen: Bonanzinga/Giallombardo 2011, Matranga 2011, Sottile 2002 und Castiglione 1999.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik Außersprachlicher Kontext



Ethnolinguistisches Ähnlichkeitsprofil (Zitieren)

Aus der ethnolinguistischen Sicht dieses Projekts bilden die Basistypen das Fundament des mehrsprachigen alpinen Raums. Im Sinne einer synthetischen Darstellung sind zwei unterschiedliche quantitative Kartierungsfunktionen vorgesehen:
  1. Zunächst sind die Alpenwörter von besonderem Interesse; ihre Gesamtheit bildet sozusagen einen fiktiven Idealtyp, dem die einzelnen Ortsdialekte mehr oder weniger nahe kommen. Dem entspricht die Kartierung einer gradueller Ähnlichkeit, die durch die Darstellung des champ gradient de la gasconité im ALG 6 inspiriert wurde.
  2. Sodann wird nach dem Vorbild des ASD die relative Ähnlichkeit aller Aufnahmeorte untereinander kartiert, indem die gemeinsamen Basistypen eines beliebigen Aufnahmeortes und diejenigen eines beliebigen anderen Ortes als Bezugspunkt festgestellt und angezeigt werden.


(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik Außersprachlicher Kontext



Etymologie (Zitieren)

Die Freilegung der sprachlichen Strata, die Stratigraphie, setzt die Etymologisierung voraus. Der etymologische Kommentar geht jeweils vom Basistyp aus und verfolgt ein dreifaches Ziel:
- die Ermittlung der Herkunftssprache der lexematischen Basis;
- die Begründung der Zusammengehörigkeit aller unter dem Basistyp vereinigten Typen; dafür sind die Regularitäten der historischen Phonetik und die semantische Plausibilität der zugrundeliegenden Konzeptrelationen entscheidend;
- die Rekonstruktion der Entlehnungswege, falls der Basistyp in mehreren Sprachgebieten verbreitet ist; sobald die Sprache des Etymons einerseits und des Informanten andererseits nicht übereinstimmen, wird automatisch Sprachkontakt festgestellt.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik



Georeferenzierung (Zitieren)

Ein wesentliches Ordnungskriterium der in VerbaAlpina verwalteten Daten ist die Georeferenzierung unter Verwendung von Breiten- und Längengraden. Die Genauigkeit dieser Referenzierung variiert je nach Datentyp, wobei grundsätzlich eine möglichst exakte, metergenaue Referenzierung angestrebt wird. Im Fall der Sprachdaten aus Atlanten und Wörterbüchern ist in aller Regel lediglich eine vergleichsweise ungefähre Referenzierung nach Maßgabe eines Ortsnamens möglich, im Fall von z. B. archäologischen Daten hingegen sind tatsächlich metergenaue Georeferenzierungen möglich. Es können Punkte, Linien (etwa Straßen, Flüsse u. Ä.) und Flächen gespeichert werden. Aus technischer Perspektive findet hauptsächlich das sogenannte WKT-Format (https://en.wikipedia.org/wiki/Well-known_text) Verwendung, das in der VA-Datenbank mit der Funktion geomfromtext() (https://dev.mysql.com/doc/refman/5.7/en/gis-wkt-functions.html in ein spezifisches MySQL-Format überführt und so gespeichert wird. Die Ausgabe im WKT-Format erfolgt durch die MySQL-Funktion astext().
Referenzraster der Georeferenzierung ist das Netz der politischen Gemeinden im Alpenraum, die, je nach Bedarf, entweder als Fläche oder als Punkte ausgegeben werden können. Basis sind dabei die Grenzverläufe der Gemeinden mit Stand von etwa 2014, die VerbaAlpina von seinem Partner "Alpenkonvention" erhalten hat. Eine ständige Aktualisierung dieser Daten, die sich aufgrund nicht seltener Verwaltungsreformen durchaus häufiger verändern, ist entbehrlich, da es sich aus Sicht von VerbaAlpina lediglich um einen geographischen Referenzrahmen handelt. Die Punktdarstellung des Gemeinderasters wird algorithmisch aus den Gemeindegrenzen abgeleitet und ist somit sekundär. Die errechneten Gemeindepunkte stellen die geometrischen Mittelpunkte der Gemeindeflächen dar und markieren höchstens zufällig den Hauptort oder gar deren Mittelpunkt. Im Bedarfsfall können sämtliche Daten einzeln oder kumulierend auf den errechneten Gemeindepunkt projiziert werden. Dies ist etwa bei den Sprachdaten aus Atlanten und Wörterbüchern der Fall.
Zusätzlich zum exakt georeferenzierten Referenzraster der Gemeindegrenzen wird (ab Version 16/1) ein wabenförmiges quasi-georeferenziertes Raster dargestellt, das zwar die ungefähre Lage der Gemeinden zueinander wiedergibt, gleichzeitig jedoch jedem Gemeindegebiet eine idealisierte Fläche jeweils gleicher Form und Größe zuweist. [Bild:va_polygone-1.jpg]] Damit werden alternative Kartierungsverfahren angeboten, die beide ihre Vor- und Nachteile haben und wegen ihrer Bildlichkeit auch beide ein gewisses suggestives Potential mitbringen: Die topographische Darstellung vermittelt wegen ihrer Präzision einen besseren Einblick in die konkrete Räumlichkeit mit ihren oft sehr speziellen Geländeprofilen, einzelnen Übergängen, Talverläufen, unzugänglichen Talausgängen usw. Die Wabenkarte erlaubt dagegen eine abstrahiertere Visualisierung der Daten, da sie die Größen der Gemeindeflächen sowie siedlungsgeographische Ballungen bzw. Streuungen ausgleicht. Das ist besonders bei quantitativen Karten nützlich, denn die Größe der Fläche erzeugt schon bei der Wahrnehmung unwillkürlich den Eindruck quantitativen Gewichts. Die Ermittlung der Geoinformantionen zu den jeweiligen Erhebungspunkten erfolgte mittels eines Online Tools. Bedingt durch nicht eindeutige Benennung der Ortschaften, sowie nicht Erkenbarkeit der Namen, war eine manuelle Korrektur der Angaben nötig. Leider ist die Ermittlung der Geokoordianten seit einiger Zeitaus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich.


(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)

Tags: Linguistik Informationstechnologie Außersprachlicher Kontext



Induktive Kulturraumforschung (Zitieren)

Das Projekt fokussiert die Alpen als einen einzigen kulturräumlichen Komplex, da es von der Erwartung gemeinsamer kultureller Techniken im gesamten Alpenraum ausgeht. Die Grundlage dafür liegt in der Adaptation an identische oder zumindest sehr ähnliche Lebensbedingungen im Hochgebirge und in der damit verbundenen, selbstverständlichen Verbreitung entsprechender Fertigkeiten und Traditionen. Da sich diese Gemeinsamkeiten in entsprechenden Bezeichnungen sprachlich deutlich manifestieren, ist es nicht angemessen, alpine Sachkultur sozusagen top down im verengten Rahmen einzelner Sprachgemeinschaften, d.h. über ein festes Netz von Erhebungspunkten in a priori festgelegten Sprach- oder Dialektregionen zu beschreiben; dies entspricht meist den Absichten der Dialektologie, die auf möglichst vollständige Beschreibung einzelner Gebiete und idealerweise spezifischer Varietäten zielt. In der hier eingenommenen sprachgrenzüberschreitenden Perspektive einer interlingualen Geolinguistik sollen die Verbreitungsgebiete kultureller Traditionen und ihrer sprachlichen Bezeichnungen dagegen bottom up, d.h. aus der Akkumulation möglichst zahlreicher lokaler Befunde induktiv freigelegt werden.
Das Grundprinzip besteht darin, ausschließlich mit georeferenzierbaren Daten zu operieren und – abgesehen von der Zugehörigkeit der Orte zur Alpenkonvention – keinerlei großräumige Kategorien vorzugeben. Zur kulturräumlichen Profilierung des Alpenraums können die ergänzenden Daten beitragen, die aktuelle oder historische Informationen über die soziale Organisation der Einwohner und/oder über deren infrastrukturelle Erschließung und Bewirtschaftung des Raums liefern. Im Hinblick auf die historische Rekonstruktion des alpinen Kulturraums ist es erstrebenswert, die Gebiete archäologischer Persistenz mit den Arealen sprachlicher Relikte abzugleichen und quantitativ in Gestalt einer kombinierter Sach- und Sprachschichtenkartographie zu visualisieren; vgl. dazu aus archäologischer Sicht allgemein Häuber/Schütz 2004a sowie den modellhaften Kölner Stadtschichtenatlas (vgl. Häuber/Schütz/Spiegel 1999 und Häuber u.a. 2004).

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik



Inputdaten (Zitieren)

In VerbaAlpina werden ausschließlich Daten verwandt, die mindestens im Gebiet einer politischen Gemeinde, wenn möglich aber noch genauer (wie z. B. Photos von Almen) georeferenziert sind. Im Blick auf die besonders wichtigen sprachlichen Daten sind zwei Typen zu unterscheiden: einerseits solche, die unmittelbar auf Äußerungen einzelner Informanten zurückgehen – wie etwa die Belege mancher, insbesondere romanischer Sprachatlanten oder auch der Bayerischen Dialektdatenbank (BayDat); diese Äußerungen werden in ihre konstitutiven Bestandteile, die so genannten Tokens zerlegt. Andererseits liefern manche Atlanten, wie etwa der SDS oder der VALTS, sowie alle Wörterbücher keine Sprecheräußerungen, sondern Formen, die von den Herausgebern bereits typisiert wurden, so dass es nicht möglich ist, bis auf die Tokens zurückzugehen.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik



Interlinguale Geolinguistik (Zitieren)

Zu den Zielen dieses Portals gehört es, die prägende Kraft des Sprachkontakts und speziell seine ethnolinguistische Konditionierung bei der Entwicklung des alpinen Sprachraums herauszuarbeiten. Die Konzeption der Datenbank wird es erlauben, die erfassten Entlehnungen auch quantitativ in ihrer lokalen Kumulation abzubilden, denn sie ergeben sich automatisch dann, wenn die Zugehörigkeit des Informanten zu einer der drei Sprachfamilien nicht mit derjenigen des Etymons übereinstimmt.
Es sind, genauer gesagt, drei Sprachfamilien, die den neuzeitlichen Alpenraum in Gestalt unterschiedlich großer und vor allem unterschiedlich stark differenzierter Dialektkontinua prägen; die Verbreitungszonen der drei Sprachfamilien lassen sich übrigens nicht auf spezifische Staaten abbilden vgl. aktuelle Sprachgebiete. Das Germanische ist durch alemannische und bairische Varietäten vertreten, die der plurizentrischen deutschen Sprache zugerechnet werden; allerdings ist der gemeinsame Bezug auf die schweizerische, deutsche und österreichische Standardvarietät, der die Zugehörigkeit zu ein und derselben Sprachgemeinschaft überhaupt erst stiftet, bei manchen walserischen und altbairischen (zimbrischen) Sprachinseln auf der Alpensüdseite eigentlich nicht mehr gegeben.
Im Unterschied zum germanischsprachigen Teilgebiet kann man die Varietäten des romanischen Kontinuums mehreren Sprachen zuordnen; neben dem Französischen und Italienischen handelt es sich dabei nach Maßgabe der politischen Anerkennung in der Schweiz und in Italien um Okzitanisch, Frankoprovenzalisch, Rätoromanisch (im Sinne von Bündnerromanisch), Dolomitenladinisch und Friaulisch.
Das Slawische ist durch slowenische Dialekte vertreten, die außer in Slowenien auch in etlichen italienischen und österreichischen Gemeinden gesprochen werden. Zu den Zielen von VerbaAlpina gehört es jedoch nicht, die Dialekte des Alpenraums möglichst vollständig zu beschreiben, die lokalen oder regionalen Dialektgrenzen herauszuarbeiten und den Raum so gewissermaßen als Mosaik von Varietäten darzustellen. Vielmehr sollen durch die großräumige Anlage gerade die (vor allem lexikalischen) Merkmale hervortreten, die über die einzelnen Dialekt- und Sprachgrenzen hinweg verbreitet sind und so die ethnolinguistischen Gemeinsamkeiten hervortreten lassen.





Da Dialekte in sich vollständige sprachliche Systeme bilden, darf man im Hinblick auf die gemeinsame Untersuchung der drei 'genetisch' verschiedenen Kontinua sagen, dass der Sprachkontakt hier in Gestalt einer interlingualen Geolinguistik untersucht wird (vgl. ausführlicher Krefeld 2018d).

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik



Kartographie (Zitieren)

Die Kartographie ist ein vielleicht nicht ganz unumstrittenes, aber gut bewährtes Verfahren der Sprachgeographie, denn sie dient gleichermaßen der Dokumentation wie der Visualisierung räumlicher Relationen (vgl. die Beiträge in Lameli 2010). Die üblichen Verfahren unterscheiden sich deutlich in ihrer Prägnanz; im Fall so genannter ‘analytischer’ Karten werden sprachliche (Teil-)Äußerungen wiedergeben, so dass die Dokumentation stark im Vordergrund steht und die Aufdeckung der eigentlich räumlichen Beziehungen zwischen den dokumentierten Formen dem Leser überlassen bleibt. Bei den so genannten Punktsymbolkarten werden dagegen durch die ‘synthetische’ Symbolvergabe direkt die räumlichen Relationen zwischen einzelnen Äußerungsaspekten zum Ausdruck gebracht. Quantitative Verhältnisse lassen sich nur so wiedergegeben. Die Online-Kartierung von VerbaAlpina erfolgt auf georeferenzierter Grundlage und kombiniert beide Verfahren, insofern sie zwar auf den ersten Blick ‘synthetische’ Karten anzeigt, auf den zweiten Blick, nach Klick auf das Symbol, jedoch Zugriff auf die (Teil-)Äußerung gibt.
Das heuristisches Potential der Kartographie ist beachtlich; daher wird dem Nutzer von VerbaAlpina die Option angeboten, unterschiedliche Datenklassen aus einer Kategorie (z. B. mehrere Basistypen) oder aus den unterschiedlichen Kategorien (z. B. außersprachliche und sprachliche Daten) auf synoptischen Karten zu kombinieren und zu kumulieren.
Zusätzlich zum exakt georeferenzierten Referenzraster der Gemeindegrenzen wird (ab Version 16/1) ein wabenförmiges quasi-georeferenziertes Raster dargestellt, das zwar die ungefähre Lage der Gemeinden zueinander wiedergibt, gleichzeitig jedoch jedem Gemeindegebiet eine idealisierte Fläche jeweils gleicher Form und Größe zuweist.

Damit werden alternative Kartierungsverfahren angeboten, die beide ihre Vor- und Nachteile haben und wegen ihrer Bildlichkeit auch beide ein gewisses suggestives Potential mitbringen: Die topographische Darstellung vermittelt wegen ihrer Präzision einen besseren Einblick in die konkrete Räumlichkeit mit ihren oft sehr speziellen Geländeprofilen, einzelnen Übergängen, Talverläufen, unzugänglichen Talausgängen usw. Die Wabenkarte erlaubt dagegen eine abstrahiertere Visualisierung der Daten, da sie die Größen der Gemeindeflächen sowie siedlungsgeographische Ballungen bzw. Streuungen ausgleicht. Das ist besonders bei quantitativen Karten nützlich, denn die Größe der Fläche erzeugt schon bei der Wahrnehmung unwillkürlich den Eindruck quantitativen Gewichts.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik Webseite Außersprachlicher Kontext



Kontinuität (Zitieren)

Der Frage nach der Überlieferungskontinuität kommt bei der Rekonstruktion mehrsprachiger Kommunikationsräume eine zentrale Bedeutung zu; sie muss im Sinne einer datengeleiteten, induktiven Vorgehensweise interdisziplinär bearbeitet werden. Selbst mit vereinten Kräften mehrerer Disziplinen sind allerdings im Blick auf die vorrömischen Substrate des Alpenraums kaum Antworten zu erwarten. Viel besser ist die Ausgangslage in Bezug auf das romanische Substrat des mittlerweile deutsch- und slowenischsprachigen Teilgebiete. Der Sprachwechsel vom Romanischen zum Deutschen ist ja geradezu eine historische Konstante, die sich in Graubünden sogar aktuell noch beobachten lässt. #Karte der Germanisierungsphasen des ganzen Alpengebiets?# Die Prozess beginnt bereits mit dem Zusammenbruch der römischen Infrastruktur (im Jahre 476); die unmittelbar folgende Periode ist für die Sprachgeschichte von größtem Interesse; sie ist allerdings schriftlich äußerst spärlich dokumentiert, so dass die Kooperation mit anderen historischen Fächern, insbesondere mit der Archäologie, unerlässlich ist. Hier klaffen zwar noch große Forschungslücken, aber mit Weindauer 2014 liegt immerhin eine Aufarbeitung der archäologischen und onomastischen Quellen (6.-8. Jh.) des südlichen Oberbayern, des Salzburger Raums sowie des Tiroler Inntals vor. Demnach kann man "eine längere, grundlegende Siedlungsunterbrechung zwischen Römer- und Bajuwarenzeit" ausschließen, denn alles spricht für "einen fließenden Übergang der Besiedlungsstruktur von der Spätantike zum Frühmittelalter" (Weindauer 2014, 248). Gleichwohl bleibt im Hinblick auf die empirische Absicherung ein gradueller Unterschied zwischen den genannten Gebieten: "Was bezüglich des Zusammenhangs spätantiker und frühmittelalterlicher Fundstellen für das oberbayerische Alpenvorland noch überwiegend theoretisch galt {...}, findet in den österreichischen Gebieten seine nachweisliche Bestätigung: Die frühmittelalterlichen Ortsgründungen des 6. Jhs. orientieren sich fast ausschließlich an spätrömischer Infrastruktur bzw. – soweit noch vorhanden – an der romanischen Siedlungsstruktur." (Weindauer 2014, 257)

(auct. Thomas Krefeld)

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Konzept (Zitieren)

Der Bereich der Konzepte (oder: Onomasiologie) ist vielfältig; vorgegeben sind die drei thematischen Domänen:
- Traditionelle Alltagswelt,
- Natürliche Umwelt,
- Moderne Alltagswelt,
die jedoch für die Organisation der Daten nur eine sehr allgemeine Bedeutung haben. Auf der Ebene der Datenbank sind vielmehr solche Ordnungsprinzipien relevant, die es erlauben Relationen zwischen den einzelnen Konzepten festzulegen. Zunächst lassen sich alltagsweltliche Kategorien durch Konzepte sehr unterschiedlichen Abstraktions-, bzw. Spezifikationsgrads erfassen, so dass sich taxonomische Hierarchien ergeben. Zwischen Konzepten, die auf unterschiedlichen hierarchischen Ebenen liegen, bestehen strenge
(1) Inklusionsrelationen
in der Weise, dass jede Definition eines Unterbegriffs die Definition ihres Oberbegriffs enthält und spezifiziert. Dazu das Beispiel einer konzeptuellen Kategorie:
- Oberbegriff: GEBÄUDE
- Unterbegriff der 1. Ebene: SENNHÜTTE, STALL, KÄSEKELLER usw.
- Unterbegriff der 2. Ebene: SENNHÜTTE AUS STEIN, SENNHÜTTE AUS HOLZ, SENNHÜTTE AUS HOLZ MIT UNTERBAU AUS STEIN usw.
Während jede Sennhütte usw. auch ein Gebäude ist, gilt das Umgekehrte selbstverständlich nicht. Das jeweils inkludierte Konzept ist abstrakter und insofern bei Darstellung in Gestalt von Baumgraphen auch übergeordnet.
Zwischen den hierarchisch gleichgeordneten Konzepten auf ein- und derselben Ebene bestehen dagegen stets:
(2) Exklusionsrelationen
Eine Sennhütte ist weder ein Stall, noch ein Käsekeller.
Ganz anders ist dagegen die Hierarchie, die sich ergibt, wenn komplementäre Konzepte einen komplexen Funktionszusammenhang bilden, der ebenfalls als Konzept gefasst werden muss. Hier spricht man von
(3) Teil-Ganzes-Relationen.
So gehören zum umfassenden Konzept ALM (als Ganzes) unterschiedliche Sektionen, das GELÄNDE, das VIEH, die GEBÄUDE, das PERSONAL und die TÄTIGKEITEN, insbesondere die MILCHVERARBEITUNG (Teile). Teil-Ganzes-Relationen sind einerseits hierarchisch (wie die Inklusionsrelationen), aber andererseits beruhen sie gerade nicht auf definitorischer Inklusion, sondern auf Exklusion. Baumgraphen sind für ihre Darstellung nicht geeignet.
Man vergleiche exemplarisch das Schema zur begrifflichen Sektionierung des Feldes ALMWESEN.





Im Bereich der Sektionen lassen sich wiederum Ganze und deren konstitutive Teile erkennen. So gehören zur PRODUKTION VON KÄSE (Ganzes) diverse TÄTIGKEITEN, PROZESSE, GERÄTE, GEFÄSSE, PERSONEN und GEBÄUDE (Teile).






(auct. Thomas Krefeld)

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Mehrwortlexie (Zitieren)

Unter einer Mehrwortlexie versteht VerbaAlpina eine spezifische Abfolge von Einzelwörtern (Tokens), die gemeinsam ein bestimmtes oder auch unterschiedliche Konzepte bezeichnen. So wird beispielsweise unter anderem im Grödnertal (AIS 1192_1, 312) das Konzept ALMHÜTTE als casa da fuoco (ʧˌaz dɑ fˈuɑk), wörtlich 'Feuerhaus' bezeichnet; in anderen Dialekten (Engadin, Tessin u.a.) bezeichnet dieselbe Zusammensetzung das Konzept KÜCHE.

Aus informatischer Perspektive ergibt sich dabei das Problem einer mehrschichtigen Konzeptzuordnung, die im relationalen Datenmodell abgebildet werden muss: Neben der Bedeutung der Mehrwortlexie als ganzer besitzen die Einzelwörter eigene Bedeutungen, die ein Licht auf die Motivation der Bildung der Mehrwortlexie werfen. Um diese Besonderheit zu berücksichtigen, werden in der Datenbank von VerbaAlpina sogenannte Tokengruppen verwendet. Ein Beleg, der aus mehreren Einzelwörtern besteht, wird hierbei in seine Bestandteile aufgespalten und diese werden in der Tabelle `tokens` abgelegt. Jedes dieser Tokens verweist dabei auf ein und denselben Eintrag in der Tabelle `tokengruppen` und speichert zusätzlich seine Position in der Tokengruppe (1., 2. usw. Stelle), so dass die Mehrwortlexie aus den Einzeltokens rekonstruiert werden kann. Ein explizites Speichern der Mehrwortlexie ist somit nicht nötig; in der Tabelle `tokengruppen` werden also (außer der ID der Tokengruppe) nur zusätzliche Informationen abgelegt, die aus den Einzeltokens nicht hervorgehen können, wie beispielsweise das Genus der Tokengruppe.

Eine Zuordnung von Konzepten findet sowohl auf Ebene der Tokens als auch auf Ebene der Tokengruppen statt. Für das obige Beispiel gibt es damit drei Einträge in der Tabelle Tokens, denen jeweils unterschiedliche Konzepte zugeordnet sind:



Die Zuweisung von Konzepten zu den Bestandteilen erfolgt mit Hilfe der Wörterbücher. Für das jeweilige Teilkonzept wird der häufigste Eintrag aus dem Lexikon übernommen. Da die Teilkonzepte nicht abgefragt wurden, ist möglich, dass sie teilweise der Realität nicht entsprechen.
Zusätzlich gibt es einen Eintrag in der Tabelle `Tokengruppen` mit einer eigenen Konzeptzuordnung:



Bei der kartographischen Darstellung an der Oberfläche von VerbaAlpina werden Tokens und Tokengruppen gleichberechtigt behandelt, das heißt, eine Suche nach dem Konzept ALMHÜTTE liefert sowohl Tokengruppen also auch Tokens, die mit diesem Konzept verbunden sind. Einzelwörter, die nur als Bestandteil einer Mehrwortlexie belegt sind, werden dabei entsprechend markiert.

(auct. Stephan Lücke | Florian Zacherl)

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Notation (Zitieren)

In den Textbeiträgen werden die folgenden, weitgehend üblichen Notationsprinzipien angewandt: objektsprachliche Formen (Belegbeispiele) werden kursiviert und sprachliche Bedeutungsangaben werden durch einfache Anführungszeichen markiert, z. B. ita. formaggio 'Käse'. Außersprachliche Kategorien (Konzepte) werden durch Majuskeln repräsentiert. Der Unterschied zwischen sprachlicher Bedeutung und Konzept ist vor allem dann wichtig, wenn es in einzelnen Sprachen/Dialekten kein Wort für bestimmte Konzepte gibt, wie im Fall von KÄSE AUS DER FLÜSSIGKEIT NACH DER ZWEITEN SCHEIDUNG DER FESTSTOFFE. Dafür sagt man ita. ricotta, fra. sérac, alemannisch Ziger usw.; ein hochdeutsches Wort fehlt jedoch.

(auct. Thomas Krefeld)

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Onomasiologischer Rahmen (Zitieren)





(auct. Thomas Krefeld)

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Onomastik (Zitieren)

Onomastische Befunde, speziell in der Toponomastik, sind für die Einschätzung einer den Sprachwechsel überdauernden siedlungsgeographischen Kontinuität von grundlegender Bedeutung (vgl. im Blick auf die Alpen schon Steub 1867 und von Greyerz 1933). Hier sind zwei semantische Typen zu unterscheiden: Auf der einen Seite werden antike Formen aus Substratsprachen übernommen ("[j]ene oft unangenehmen Verräther anderer Zeiten", wie Steub 1867, 142, süffisant sagt). Ihre Freilegung muss die Regelmäßigkeiten der historischen Phonetik beachten und gleichzeitig mit vielfältigen Ausnahmen rechnen, die oft durch volksetymologische Remotivation bedingt sind. Auf der anderen Seite gibt es ‘sprechende‘ Namen, mit denen die Sprecher der Substratsprachen explizit benannt wurden, wie zum Beispiel in den alemannischen und bairischen Namen mit der Basis wal(l)-, walch-, welsch- ‘romanisch‘ (vgl. die klassische Arbeit von Ernst Schwarz 1970). Die Vorgehensweise kann aus zwei entgegengesetzte Perspektiven erfolgen, nämlich ausgehend von antiken Belegen (in Itinerarien, auf Meilensteinen u. a.) nach jüngeren oder aktuellen Entsprechungen suchen oder aber in gegenläufiger Richtung für aktuelle Formen Etyma in Form antiker Belege oder sprachwissenschaftlicher Rekonstruktionen identifizieren.
Die erstgenannte Perspektive ist wegen der überschaubaren Inputdaten zweifellos einfacher, denn sie liefert einen Grundbestand von meist gut lokalisierbaren römischen Namen, der systematisch abgearbeitet werden kann. Weitaus anspruchsvoller und auch erheblich aussagekräftiger ist die Rückperspektive. Hier fehlt es weithin an den Voraussetzungen für eine erfolgreiche großräumige Arbeit; viele Gebiete sind namenkundlich nicht erschlossen, da weder die rezenten dialektalen Varianten noch frühe Belege vorliegen. Immerhin ist mit dem Schweizer Ortsnamenportal ein vielversprechender Anfang gemacht worden.
Neben den Siedlungsnamen ist aber gerade die Dokumentation von Flurnamen (etwa von Berg und Almen) wichtig, da sie Rückschlüsse auf die kontinuierliche Nutzung des Geländes erlaubt. Dazu das folgende, ganz vorläufige Beispiel: In seiner wichtigen Studie über die frühmittelalterliche Besiedlung des südlichen Oberbayern und der sich anschließenden Tiroler und Salzburger Gebiete schreibt Franz Weindauer 2014 über das Ergebnis einer umfassenden Auswertung der archäologischen Funde: "Der Abgleich mit den Ergebnissen der Ortsnamenkunde und der Patrozinienforschung hat ergeben, dass erneut die bereits in spätrömischer Zeit besiedelten Regionen stichhaltige Hinweise auf romanisches Leben im Frühmittelalter liefern. Dazu zählen in erster Linie das Ammerseegebiet, das Werdenfelser Land, das östliche Chiemseegebiet und der Rupertiwinkel, aber beispielsweise auch die Region um das Mangfallknie, um Rosenheim und um den Starnberger See" (Weindauer 2014, 249). Dabei orientiert sich die Verteilung der archäologischen Fundorte im alpinen Teil seines Untersuchungsgebiets ganz offenkundig an den Passwegen, also etwa an der Brenneroute, die sich in Innsbruck (von Süden aus gesehen) in einen westlichen Zweig (über den Zirlerberg nach Garmisch und ins Alpenvorland) und einen östlichen Zweig (den Inn abwärts) teilt. Schon ein oberflächlicher toponomastischer Blick auf das ausgedehnte Karwendelgebirge, das im Winkel dieser beiden Routen liegt und bis heute keine einzige etwas größere Siedlung kennt, fördert im Abstand von wenigen Kilometern evidente Romanismen oder romanisch vermittelte vorrömische Wörter zu Tage:
* die Fereinalm < lat. veranum, vgl. spa. verano 'Sommer' sowie den Vereinatunnel im Unterengadin;
* die Krapfenkarspitze zur Basis vorrömisch *krapp- 'Fels', vgl. roh. (sursilvan) crap mit sehr zahlreichen Belegen in der Bündner Toponomastik (vgl. Schorta 1964 , 111-114);
* die Pleisenspitze zur Basis vorrömisch *blese 'steile Grashalde', vgl. roh. blaisch, blais, bleis, bleisa (vgl. DRG 2, 373 sowie die ebenfalls zahlreichen toponomastischen Belege in Schorta 1964 , 44-46);
* der Hochgleirsch zu lat. glarea 'Kies' + iciu mit Verlagerung des Akzents auf die erste Silbe; vgl. die schweizerischen Entsprechungen, wie den roh. Ortsnamen glaretsch in Disentis (vgl. Schorta 1964, 164) und den ostschweizerischen alemann. Ortsnamen Glaretsch in Pfäfers (vgl. ortsnamen.ch);
* die Larchetalm < lat. laricetum 'Lärchenwald', aus larix + etum, vgl. die zahlreichen roh. Belege des Typs laret, zur Variante lat. larictum in Schorta 1964, 185;
* den Bergnamen Juifen < lat. iugum 'Joch', wiederum etliche, weitgestreute Parallelen, vgl. die Ortsnamen Juferte im Simmental südlich Bern, mehrere Juf und giuf, giuv in Graubünden (alle im Ortsnamenportal der Schweiz) sowie den Jaufenpass in Südtirol; wenig östlich vom Juifen liegt der Berg Guffert, dessen Name zur genannten Simmentaler Variante gestellt werden muss.
Eine sorgfältige Analyse würde noch erheblich mehr zu Tage fördern. Man beachte beim letzten Beispiel die deutlich nicht mehr lateinische, sondern romanische Lautgestalt (-g- > -v-, -f). Alle diese Übernahmen setzen Kontakt mit einer romanischsprachigen Bevölkerung voraus, die das Gebirge zur Subsistenz nutzte, und wohl auch Akkulturation an ihre Lebensform. In diesem Sinne hat sich schon Gamillscheg 1935, 306 geäußert: "Der alemannische und bajuwarische Bauer, der dem neubesiedelten Boden seine Frucht abringt, stellt die Verbindung mit den unter gleich harten Bedingungen arbeitenden Romanen her. Nichts zeigt deutlicher, daß sich hier keine nationalen Kämpfe abgespielt haben, als die Tatsache, die altromanischen Ortsnamen und die jüngeren deutschen hier ebenso friedlich nebeneinander weiterbestehen wie Ladiner und Deutschtiroler. Das Eindringen der Alemannen und Bajuwaren in den rätisch-norischen Alpenraum hat keine Kulturzerstörung im Gefolge gehabt."

(auct. Thomas Krefeld)

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Rätoromanisch (Zitieren)

Im Einklang mit der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft wird hier der Ausdruck 'Rätoromanisch' für die romanischen Varietäten Graubündens benutzt, die traditionell nicht zum Italienischen gerechnet werden (vgl. Gross 2004 und Liver 2010). Damit soll aber keineswegs die Zusammengehörigkeit dieses Bündnerromanischen mit dem Dolomitenladinischen und Friaulischen im Sinne einer gemeinsamen 'Sprache' behauptet werden; eben für dieses, heute nicht mehr tragbare Konzept wurde der Ausdruck 'Rätoromanisch' im 19. Jahrhundert von der Sprachwissenschaft ursprünglich geprägt. Die Idee als solche hat Graziadio Isaia Ascoli entwickelt und auf Italienisch als 'ladino' bezeichnet.

(auct. Thomas Krefeld)

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Referent (Zitieren)

Im Dreieck der aufeinander bezogenen sprachwissenschaftlichen Kategorien "Bezeichnung" – "Konzept" – "Referent" bezeichnet letztere die individuelle Substantiierung eines, seinem Wesen nach, stets abstrakten Konzepts, in anderen Worten eine konkrete, individuelle Sache. Bei dem von VerbaAlpina bearbeiteten Material begegnen zumeist Referenten, die eine bildliche Darstellung als Zeichnung oder Fotografie erlauben. Im Vergleich zu Bezeichnungen und Konzepten spielen die Referenten in VerbaAlpina eine untergeordnete Rolle. Vor allem im Rahmen des "Crowdsourcings" werden Abbildungen, meist Fotos, von Referenten gleichsam als 'Hilfsmittel' eingesetzt, um die bisweilen notwendigerweise umständlichen Konzeptbeschreibungen für Informanten schneller erfassbar zu machen.

(auct. Stephan Lücke)

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Referenzwörterbücher (Zitieren)

Im Rahmen der für VerbaAlpina zentralen Typisierungsarbeit spielen Referenzwörterbücher eine wichtige Rolle. Alle aus den Quellen gewonnenen Daten, sowohl Einzelbelege als auch phonetische und morpholexikalische Typen, werden auf einen lexikographischen Referenzrahmen bezogen, um eine bessere Vergleichbarkeit des Materials zu gewährleisten. Die Typisierungsarbeit erfolgt durch die Mitarbeiter von VerbaAlpina und basiert auf deren sprachwissenschaftlicher Expertise. Sie bewegt sich somit im Bereich der Interpretationsebene und erhebt keinen Anspruch auf unbestreitbare Gültigkeit. Konkret werden die den Quellen entnommenen Daten mit den Lemmata der im Folgenden gelisteten Referenzwörterbücher verbunden. Innerhalb einer Sprachfamilie werden zu typisierende Sprachdaten jeweils mit passenden Lemmata der sprachraumspezifischen Referenzlexika verbunden. In umgekehrter Perspektive ist es somit möglich, ausgehend von den Lemmata der Referenzwörterbücher, sämtliche zugeordneten VerbaAlpina-Daten aufzufinden. Insofern stellt VerbaAlpina eine organische Erweiterung der verwendeten Referenzwörterbücher dar, die von Seiten der Referenzwörterbücher, die online verfügbar sind, ohne größere Probleme durch Verlinkung technisch realisierbar ist.
Sofern im Einzelfall keines der definierten Referenzwörterbücher ein passendes Lemma aufweist, legt VerbaAlpina in orthographischer Schreibweise einen morpholexikalischen Typ fest, der fortan Referenzstatus besitzt und auf den alle weiteren Sprachdaten dieser morpholexikalischen Kategorie bezogen werden. Durch diese Eigenreferenzierung erhält auch VerbaAlpina selbst den Status eines Referenzwörterbuchs.
Da es sich bei der beschriebenen Zuweisung auf die Referenzwörterbücher um eine interpretationsabhängige Arbeit handelt, ermöglicht VerbaAlpina durchaus auch eine kontroverse Kommentierung einzelner Lemmazuweisungen durch Wissenschaftler und Laien, die es Externen erlaubt, alternative Typisierungen vorzunehmen, die ihrerseits wieder kommentiert und diskutiert werden können.


Wörter aus dem germanischen Sprachraum werden, sofern möglich, verknüpft mit den Lemmata von:
  • Schweizerisches Idiotikon. Schweizerdeutsches Wörterbuch
  • Grimm, Jacob und Wilhelm (1854-1961): Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, 16 Bde. in 32 Teilbänden, Leipzig (Quellenverzeichnis Leipzig 1971) (DWB)
  • Duden (Berücksichtigung aufgrund seiner faktischen Bedeutung und der großen Materialfülle – trotz der Dürftigkeit hinsichtlich der von ihm präsentierten lexikographischen Informationen)
Wörter aus dem romanischen Sprachraum werden, sofern möglich, verknüpft mit den Lemmata von:
Wörter aus dem slavischen Sprachraum werden, sofern möglich, verknüpft mit den Lemmata von:
  • Slovar slovenskega knjižnega jezika (SSKJ)
Sofern erforderlich (speziell im Hinblick auf Etyma), dient als Referenzwörterbuch für die lateinische Sprache:
  • Georges, Karl Ernst (1913-1916, Reprint 1998): Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. Aus den Quellen zusammengetragen und mit besonderer Bezugnahme auf Synonymik und Antiquitäten unter Berücksichtigung der besten Hilfsmittel ausgearbeitet, 2 Bände, Darmstadt.
Für die Bestimmung der Etymologie speziell von Basistypen dienen als Referenz:
  • Wartburg, Walther von (1922-1967): Französisches Etymologisches Wörterbuch. Eine Darstellung des galloromanischen Sprachschatzes, 25 Bände, Basel (FEW), mit seinen artikelschließenden Kommentare, die oft auch über das Französische und sogar das Romanische hinaus grundlegend sind.
  • Kluge
  • DELI
  • Bezlaj und auch die neuste Ausgabe Snoj. Allgemein für slawische Etymologien s. Berneker
  • Als Referenzform für germanische Basistypen dienen wenn möglich die Lemmata des AWB, denn sie repräsentieren die ältesten belegten Formen.


(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)

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Relationales Datenmodell (Zitieren)

Das relationale Datenmodell organisiert Informationen in Gestalt von einer oder mehreren Tabellen. Die Bezeichnung rührt daher, dass Tabellen in der Fachsprache auch als „Relationen“ bezeichnet werden. Die Zeilen einer Tabelle werden auch „Datensatz“ oder „Tupel“ genannt, anstatt von Spalten spricht man auch von „Feldern“, „Attributen“ oder „Eigenschaften“. Eine Tabelle kann, zumindest theoretisch, eine unbegrenzte Anzahl von Zeilen und Spalten besitzen. Eine bestehende Tabelle kann jederzeit sowohl um neue Zeilen wie auch um neue Spalten erweitert werden. Eine Sammlung mehrerer Tabellen kann als Datenbank bezeichnet werden. Für die Verwaltung einer solchen Tabellensammlung/Datenbank werden sog. Datenbankmanagementsysteme (DBMS) wie z. B. MySQL oder PostgreSQL eingesetzt. Die Administration der Daten sowie deren Analyse erfolgt mittels einer spezifischen formalen Sprache, der sog. Structured Query Language (SQL), die speziell für den Einsatz über Daten im relationalen Format entwickelt wurde und unter anderem in einer von der ISO standardisierten Version vorliegt (Wikipedia).
Für die Abbildung von Informationen im relationalen Datenmodell existieren eigene Regeln, die de facto eine Wissenschaft für sich darstellen (z. B. die sog. Normalisierung). Gleichzeitig ist die konkrete Wahl der Modellierung anwendungsabhängig und die Einhaltung bestehender Modellierungsregeln in manchen Fällen aus der Perspektive der Nutzbarkeit und Performanz eher hinderlich. In der Praxis stellt jede Datenmodellierung einen Kompromiss zwischen den Vorgaben des theoretischen Regelwerks, technischen Erfordernissen und Nutzerfreundlichkeit dar. Darüber hinaus kann ein einmal gewähltes Datenmodell jederzeit geändert und an veränderte Erfordernisse angepasst werden.

(auct. Stephan Lücke)

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Semantik (Zitieren)

Die digitale Strukturierung der Daten ('Digitalisierungsgrad D 3') erlaubt eine differenzierte semantische Analyse der erfassten sprachlichen Ausdrücke, denn Synonymien, Polysemien und Homonymien lassen sich durch die Verknüpfung der 'Bezeichnungen' mit den 'Konzepten' in Gestalt so genannter n:m-Beziehungen abbilden:



Graphik: Stephan Lücke

Im Lichte der dabei zu Tage tretenden Konzeptrelationen lässt sich das synchrone semantische Profil eines jeden polysemen Ausdrucks skizzieren; die wichtigsten Ausprägungen von Polysemie werden im Folgenden genannt.
- Taxonomische Polysemie liegt vor, wenn ein Ausdruck hierarchisch sowohl einander über- als auch untergeordnete Konzepte bezeichnet.
- Meronymische Polysemie liegt vor, wenn ein Ausdruck sowohl komplexe Sachzusammenhänge ('Ganze') als auch Konstituenten dieser Zusammenhänge ('Teile') bezeichnet; so wird die ALM, der für den Bauern wichtige Teil des Berges, häufig schlechthin als 'Berg' bezeichnet: Vgl. Karte Konzept ALM

Meronymische Bezeichnung des Konzepts ALM als Teil des Bergs durch Übertragung der Bezeichnung des Ganzen
Morpho-lex. Typ montagna 'Berg' (roa. fem.) (16 Belege)
Morpho-lex. Typ monte (roa. m.) (67 Belege)

Andererseits kann die ALM, als wirtschaftliches Ganzes (mit allem, was dazu gehört), mit Ausdrücken bezeichnet werden, die eigentlich nur für Komponenten der Almwirtschaft stehen: Vgl. Karte Konzept ALM

Meronymische Bezeichnung des Konzepts ALM als Ganzes durch Übertragung der Bezeichnung von Komponenten
Morpho-lex. Typ cascina 'Sennhütte' (roa. fem.) (1 Beleg)
Morpho-lex. Typ casera 'Sennhütte' (roa. fem.) (1 Beleg)
Morpho-lex. Typ cjampei 'Felder' (roa. m.) (2 Belege)
Morpho-lex. Typ pascol 'Weide' (roa. m.) (1 Beleg)
Morpho-lex. Typ pascolo 'Weide' (roa. m.) (1 Beleg)

- Metonymische Polysemie liegt vor, wenn ein Ausdruck Konzepte bezeichnet, die innerhalb ein und desselben 'Ganzen' unterschiedliche 'Teile' bezeichnen; so gehören zu einer ALM u. a. das VIEH, GEBÄUDE für das PERSONAL und für das Vieh, eine HÜRDE usw. Alle genannten Komponenten können in unterschiedlichen romanischen Ortsdialekten durch den morpho-lexikalischen Typen roa. mandra bezeichnet werden: Vgl. Karte
Metonymische Bedeutungen des morpho-lexikalischen Typs roa. mandra
Konzept ALMHÜTTE (1 Beleg)
Konzept ALMSTALL (2 Belege)
Konzept HERDE (15 Belege)
Konzept RINDERHÜRDE (3 Belege)
- Metaphorische Polysemie liegt vor, wenn ein Ausdruck Konzepte unterschiedlicher Domänen bezeichnet, die in keinem gemeinsamen Zusammenhang stehen. Allein das Konzept RAHM wird mit folgenden Metaphern bzw. metaphorischen Vergleichen bezeichnet:
  1. als 'Kopf': capo (roa. m.), (19 Belege), dazu capo di latte (roa.), wörtlich 'Milchkopf'  (12 Belege), il capo del latte (roa.) (1 Beleg)
  2. als 'Blume': fleur / fiore (roa. m.) (15 Belege), fiora (roa. fem.) (17 Belege), dazu fiora cruda (1 Beleg), wörtlich 'ungekochte Blume', fiore di latte (roa.), wörtlich 'Milchblume' (2 Belege)
  3. als 'Haut': Haut (ger. m.) (2 Belege), peau / pelle (roa. fem.) (1 Beleg), la pelle del latte (roa.) (1 Beleg)
  4. als 'Pelz': pelliccia (roa. fem.) (2 Belege), Pelz (ger. m.) (4 Belege)
  5. als 'Nebel': sbrumacje (roa. fem.) (2 Belege), sbrume (roa. m.) (11 Belege)
  6. als 'Schaum': écume / schiuma (roa. fem.) (2 Belege), spuma (roa. fem.) (1 Beleg), spumacje (roa. fem.) (1 Beleg)
  7. als 'Tuch': toile / tela (roa. m.) (14 Belege), dazu tela del latte (roa.) (1 Beleg) und tela di latte (roa.) (5 Belege), wörtlich 'Milchtuch'
Der 3. Typ zeigt übrigens sehr schön, dass auch Metaphern über die Sprachfamiliengrenze hinweg verbreitet ein können; in diesem Fall repräsentieren deu. Pelz und roa. pelliccia darüber hinaus denselben Basistyp, nämlich lateinisch pellīcia, die feminine Form eines denominalen Adjektivs von lat. pellis 'Haut'.
    Vgl. Karte

      - Antonymische Polysemie liegt vor, wenn ein Ausdruck Konzepte bezeichnet, die im Gegensatz zueinander stehen.
    Selbstverständlich kann ein Ausdruck auch mehrere unterschiedliche semantische Beziehungen bezeichnen, wie die Konzepte, die in unterschiedlichen romanischen Varietäten mit dem Basistyp malg- verbunden sind, exemplarisch zeigen.





(auct. Thomas Krefeld)

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Sprachatlanten im Alpenraum (Zitieren)

Von Westen nach Osten wird die alpine Dialektlandschaft durch die folgenden, teils noch nicht vollständigen Atlanten erschlossen:
  • Romania alpina: ALF, AIS (Details), ALI, ALP, ALJA, ALEPO, CLAPie, APV, ALAVAL, ALD-I, ALD-II, ASLEF;
  • Germania alpina: SDS, VALTS, BSA, SONT, TSA, SAO;
  • Slavia alpina: SLA.
Die große Zahl darf aber nicht über die erheblichen, teils durchaus überraschenden Diskrepanzen zwischen den einzelnen Atlanten hinwegtäuschen. So sind ausgerechnet manche Regionalatlanten, wie z. B. der ALD-II oder auch der BSA keineswegs besonders an ethnolinguistischen Daten interessiert. Gerade das Almwesen – das ja eine der grundlegenden Wirtschaftsformen des Alpenraums repräsentiert – wird so gut wie überhaupt nicht thematisiert; im ALD-II gibt es zwar (im Unterschied zum BSA) einen Stimulus 869 l'alpeggio 'Alm'/ la baita 'Sennhütte'. Aber schon ganz fundamentale Konzepte der Milchverarbeitung wie SENN (ita. casaro, caciaio), MELKEN (ita. mungere), LAB (ita. caglio), ENTRAHMEN (ita. scremare) und der Viehhaltung wie STALL (ita. stalla), HIRTE (ita. pastore), WEIDE (ita. pascolo) usw. fehlen (vgl. das Fragebuch).

(auct. Thomas Krefeld)

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Sprachfamilien im Alpenraum (Zitieren)

Im Territorium der Alpenkonvention und damit im Untersuchungsgebiet von VerbaAlpina werden traditionell Sprachen aus drei Sprachfamilien gesprochen. Alle drei sind durch dialektale Kontinua repräsentiert, deren Ausdifferenzierung offenkundig auch von der Ausdehnung ihres Verbreitungsgebiets abhängt. Die Fragmentierung der romanischen Zone ist stärker als die der germanischen und diese wiederum als die der slawischen; über die dialektalen Verhältnisse informieren die einschlägigen Sprachatlanten, deren Erhebungspunkte hier zu einem umfassenden, mehrsprachigen Netz verknüpft werden. Auf der Ebene der übergeordneten Nationalsprachen bzw. regional implementierten Minderheitensprachen ist jedoch nur die Romania alpina weiter untergliedert. Denn neben dem Französischen und Italienischen sind hier nach Maßgabe der politischen Anerkennung in der Schweiz und in Italien das Okzitanische, das im Aostatal politisch offizialisierte Arpitanische (oder: Frankoprovenzalische), das Rätoromanische, das Dolomitenladinische und das Friaulische zu nennen. Die Slavia alpina und die Germania alpina kennen dagegen mit dem Slowenischen und mit dem Deutschen jeweils nur eine Standardsprache. Was das plurizentrische Deutsche betrifft, sind allerdings mindestens für die Schweiz, für Deutschland und für Österreich koexistierende nationale Standardvarietäten zu unterscheiden.
Das Projekt zielt auf dialektale ('basilektale') Daten; standardsprachliche oder standardnahe ('akrolektale') Varianten werden nicht erhoben; sie können de facto aber jeder Zeit auftauchen, weil die korrespondierenden Dialektformen nicht mehr geläufig oder allenfalls noch passiv bekannt sind; dieser Fall ist in Bereich der traditionellen Lebenswelt nicht selten. Es kann aber ebenso sein, dass lokale Dialektvarianten niemals existiert haben; genau diese Konstellation wird in einer eventuell dritten Phase, in der die moderne Lebenswelt thematisiert werden soll, vermehrt erwartet (vgl. Onomasiologischer Rahmen). Es wäre jedoch zu einfach, die sprachliche Dynamik ausschließlich im Abbau diatopisch markierter Formen zu vermuten: Aktuell fehlende regionale oder lokale Formen schließen zukünftige Entstehungen keineswegs aus.

(auct. Thomas Krefeld)

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Sprachkontakt (Zitieren)

Beim Sprachkontakt, zu dem auch der Varietätenkontakt gehört, sind zwei grundverschiedene Typen zu unterscheiden, je nachdem ob es sich – auf der Ebene des sprachlichen Systems – um feste, sprecherunabhängige Integrate ('Entlehnungen') oder aber – auf der Ebene des Sprechers – um indivuelle Erscheinungen handelt. Letztere wiederum können habitualisierten oder ganz okkasionellen Verwendungen, so genannten switchings, entsprechen. Dieser Vorbehalt ist auch bei der Interpretation älterer Atlasmaterialien immer dann zu berücksichtigen, wenn ein Informant eine standardnahe Form oder, in zweisprachigen Gebieten, eine Form der jeweiligen Zweitsprache liefert. Der theoretisch fundamentale Unterschied ist angesichts der sprachlichen Daten mehr oder weniger wahrscheinlich, jedoch eigentlich nie evident. Nur die Vermehrung der Informanten, die mit social media zu einer durchaus realistischen Option wird, verspricht hier zuverlässige Auskunft.



(auct. Thomas Krefeld)

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Strata (Zitieren)

Die diachrone Linguistik ('Sprachgeschichte') unterscheidet zwei historische Sprachkontaktkonstellationen (vgl. Krefeld 2003); beide sind räumlich fundiert und gehen von der im Untersuchungszeitraum gesprochenen Sprache des jeweiligen Gebiets aus; diese Sprache wird gelegentlich als 'Strat' bezeichnet:
  • ehemals im Untersuchungsraum gesprochene Sprachen ('ältere Schichten') werden als 'Substrate' bezeichnet; diese Sprachen wurden im Lauf der Geschichte durch die im Fokus der jeweiligen Sprachgeschichte stehende Sprache – das Strat – verdrängt;
  • Sprachen, die sekundär, durch Eroberung, in den Untersuchungsraum gelangten und die im Fokus stehende Sprache eine gewisse Zeit lang überlagerten, werden als 'Superstrate' bezeichnet; diese Sprachen konnten die überlagerten Sprachen jedoch nicht verdrängen und verschwanden selbst nach mehr oder weniger langer Zeit, etwa im Gefolge politischer Veränderung. So ist zum Beispiel das deutsche Superstrat der romanisch- und slawischsprachigen Gebiete Österreich-Ungarns mit dem Zerfall dieses Staatsgebildes nach dem Ersten Weltkrieg untergegangen.
  • Von Sub- und Superstraten spricht man also nur rückblickend, aus der Sicht einer Zeit, in der die jeweiligen Sprachen im Untersuchungsgebiet nicht mehr gesprochen werden; dabei müssen oft große Zeitspannen überbrückt werden, so dass man sich kurzerhand an den sprachlichen Systemen orientiert und dort nach kontaktinduzierten Veränderungen, also nach den Resultaten des Sprachkontakts sucht. Für das eigentliche Verständnis der mutmaßlichen Sprachkontakterscheinungen ist jedoch die historische Periode der jeweiligen Zweisprachigkeit entscheidend, d.h. die Zeit, in der beide Sprachen neben- bzw. miteinander gesprochen wurden. Diese gleichzeitig gesprochenen Sprachen heißen 'Adstrate'. Damit muss jedoch unweigerlich eine synchronische Perspektive eingenommen werden, die nicht auf die 'Sprachen' beschränkt werden kann, sondern den 'Sprecher' mit seiner spezifischen Kompetenz und womöglich die konkrete Äußerung, das 'Sprechen' mitberücksichtigt. Das ist in historischer Perspektive zwar häufig unmöglich, muss jedoch grundsätzlich auch bei der Rekonstruktion der Stratigraphie bedacht werden, denn die Äußerung eines zweisprachigen Sprecher ist grundsätzlich anders als die eines einsprachigen zu beurteilen.


    (auct. Thomas Krefeld)

    Tags: Linguistik



    Stratigraphie (Zitieren)

    Allgemeines

    Die Alpen sind seit prähistorischer Zeit ein Gebiet vielfältiger Sprachkontakte, die auf ganz unterschiedliche Stratakonstellationen zurückgehen. Grundsätzlich werden Sprachen, die in einem Gebiet in Kontakt stehen, weil es dort mehr oder weniger viele zweisprachige Sprecher oder gar Sprechergemeinschaften gibt, als Adstrate bezeichnet. Falls ein Basistyp nur in einem bestimmten Gebiet verbreitet ist, also etwa in den Alpen, und in den betroffenen Sprachfamilien ansonsten nicht vorkommt, sind die Entlehnungsrichtung und die Herkunftssprache oft nicht eindeutig (vgl. den Basistyp roa. baita / deu. Beiz, Beisl).
    Wenn die Herkunftssprache des entlehnten Elements im Verbreitungsgebiet, oder in einem Teil davon, nicht mehr gesprochen wird, werden zwei Konstellationen unterschieden: Im Fall des Substrats wurde die Herkunftssprache (Substratsprache) im Verbreitungsgebiet gesprochen, bevor ihre Überlieferungskontinuität abriss und die geltende Sprache sich durchsetzte; das Romanische ist eine Substratsprache des gesamten deutsch- und slowenischsprachigen Alpengebiets. Substratwörter setzen zwar Sprachwechsel voraus; sie zeichnen sich aber trotzdem oft durch außerordentliche regionale oder lokale Kontinuität aus.
    Im Falle des Superstrats galt die Herkunftssprache während eines gewissen Zeitraums im Verbreitungsgebiet, ohne sich dort dauerhaft zu etablieren. So herrschten in Teilen des heute romanischsprachigen Alpenraums nach dem Zusammenbruch der römischen Infrastruktur zeitweise germanische Superstrate (Gotisch, Langobardisch) und in Slowenien spielte das Deutsche während der langen Habsburgerzeit diese Rolle.
    Zwischen den drei Sprachfamilien haben sich nun durchaus unterschiedliche Szenarien ergeben; hinsichtlich der Bedeutung des Sprachkontakts für die Geschichte des sprachlichen Raums ist vor allem die Chronologie der Entlehnung wichtig: Handelt es sich beispielsweise bei Romanismen im germanischen und slawischen Sprachraum um Substratwörter mit regionaler Überlieferungskontinuität seit der Antike oder um jüngere adstratale Übernahmen? Dieselbe Frage gilt mutatis mutandis ebenso für die Germanismen im romanisch- bzw. slawischsprachigen und die Slawismen im deutsch- und romanischsprachigen Raum.
    Entlehnungen sind ein zuverlässiger Indikator historischer Akkulturationsprozesse; deshalb ist eine quantitative Darstellung angebracht, die es gestattet, die relative Häufigkeit der belegten Entlehnungen ortsgenau abzubilden. Die Akkulturationsrichtung ist jedoch keineswegs immer eindeutig; nicht selten koexistieren in eng definierten onomasiologischen Bereichen gegenläufige Entlehnungen. Die folgende Graphik schematisiert die stratigraphische Herausforderung. Sie differenziert die drei heute romanisch-, deutsch- und slowenischsprachigen Gebiete nach Substrat- und Superstratsprachen und symbolisiert (durch Kugeln) die mehrsprachigen Sprechergruppen in Adstratkonstellationen. Gleichzeitig wird die besondere historische Bedeutung der Romanisierung verdeutlicht (vgl. Märtin 2017, 102-129), die – wenn auch in sehr unterschiedlicher Intensität – den gesamten Alpenraum erfasste und deshalb wohl auch alles Ältere, Vorrömische vermittelte. Direkter Kontakt zwischen Sprechern vorrömischer Sprachen und Sprechern der das Lateinisch-Romanische gebietsweise überdeckenden nachfolgenden Sprachen (Slawisch und Germanisch) kann zwar nicht kategorisch ausgeschlossen werden; diese Annahme ist jedoch sicherlich problematisch.



    Die zentrale Aufgabe der Wortgeschichte besteht nun darin, die mutmaßliche Entlehnungen stratigraphisch zu präzisieren. Die gegenläufige Entlehnung vom deu. Schmalz > roa. smalzo und lat.-roa. butyrum > deu. Butter sowie dessen Weiterentlehnung ins Slo. (> puter ließe sich dann wie folgt schematisieren.



    Vorrömische Zeit

    Die neuzeitliche Verteilung der Sprachfamilien im Untersuchungsgebiet lässt die Alpen als eine Barriere, gewissermaßen als gewaltigen Sperrriegel erscheinen, insofern sie grosso modo den deutschsprachigen Raum (nördlich) vom romanisch- und slawischsprachigen Raum (südlich) trennt (Link). Das über den Alpenhauptkamm hinweg deutlich nach Süden ausgreifende, bairischsprachige Südtirol wirkt beinahe als Sonderfall. Diese 'Ansicht' ist in historischer Perspektive irreführend. Schon die ältesten sprachlichen Zeugnisse, Inschriften aus vorrömischer Zeit, sind in einem weitestgehend identischen Alphabet verfasst:



    Quelle

    Die Verbreitung dieser meist als 'rätisch' bezeichneten, nicht entzifferten Texte (vgl. Schumacher 2004) reicht von den Nordalpen (Steinberg am Rofan, in der Nähe des Achensees) bis nach Padua; sie lässt sich nur vor dem Hintergrund eines die Alpen überschreitenden kulturellen Zusammenhangs verstehen:
    rätische_inschrftn In diesem Alphabet wurden, grosso modo, auch die uns erhaltenen Dokumente des Etruskischen geschrieben; es geht offensichtlich auf eine antike westgriechische Schrift zurück.

    Römische Zeit

    Die Römer haben dann den zentralen Alpenraum zwischen 25 und 15 v.Chr. erobert; das Tropaeum Alpium in La Turbie, oberhalb von Monaco, berichtet von 46 eroberten Stämmen, deren Namen sich teils bis heute erhalten haben. Die Inschrift ist leider nur in Bruchstücken erhalten, konnte jedoch durch die Naturgeschichte von Plinius dem Älteren (3, 136-137) vollständig rekonstruiert werden: 

    "Imperatori Caesari divi filio Augusto / pont(ifici) max(imo) imp(eratori) XIIII trib(unicia) pot(estate) XVII / senatus populusque Romanus / quod eius ductu auspiciisque gentes Alpinae omnes quae a mari supero ad inferum pertinebant sub imperium p(opuli) R(omani) sunt redactae / gentes Alpinae devictae Trumpilini Camunni Vennonetes Vennostes Isarci Breuni Genaunes Focunates / Vindelicorum gentes quattuor Cosuanetes Rucinates Licates Catenates Ambisontes Rugusci Suanetes Calucones / Brixentes Leponti Viberi Nantuates Seduni Veragri Salassi Acitavones Medulli Ucenni Caturiges Brigiani / Sogiontii Brodionti Nemaloni Edenates (V)esubiani Veamini Gallitae Triullatti Ectini / Vergunni Egui Turi Nemeturi Oratelli Nerusi Velauni Suetri" (Datenquelle: Epigraphik-Datenbank Clauss / Slaby

    Die folgende Übersicht zeigt die Namen aus der Aufzählung, die sich allem Anschein nach in aktuellen Namen identifizieren lassen.
    (Dép. Hautes-Alpes)
    auf dem Trop.Alpium erwähnter Name aktueller Name Geodaten (Breite ; Länge)
    Trumpilini   Val Trompia   45°44'5.87"N ;  10°12'2.20"E
    Camunni  Val Camonica    45°57'17.71"N ;  10°17'21.08"E
    Vennonetes Vinschgau   46°39'44.81"N ;  10°34'39.75"E
    Venostes   46°39'44.81"N ;  10°34'39.75"E
    Isarci Vgl. die Flussnamen Isère, Isar, Isarco (= deu. Eisack   47°23'13.25"N ;  11°16'30.42"E
    Breuni Brenner   47° 9'59.75"N ;  11°25'0.14"E
    Licates Flussname Lech (lat. Likias [2 Jh. n. Chr.], später Licca [570 n. Chr.]  
    Brixentes  eventuell der Gemeindename Brixen   47°30'2.70"N ;   9°44'32.31"E
    Leponti  Val Leventina   46° 6'47.60"N ;   8°17'31.10"E
    Seduni Sitten im Kanton Wallis, Schweiz    46°13'59.25"N ;   7°21'37.80"E
    Caturiges  der Gemeindename Chorges (Dép. Hautes-Alpes)   44°32'44.67"N ;   6°16'31.60"E
    Brigiani der Gemeindename Briançon  44° 53′ 47″N, 6° 38′ 08″E
    Ectini eventuell der Flussname Tinée    43°55'0.23"N ;   7°11'14.69"E
    Vergunni  der Gemeindename Vergons (Dép. Alpes-de-Haute-Provence)   43°19'23.90"N ;   6°17'3.20"E

    Im Gefolge der Eroberung richten die Römer im geographischen Anschluss an die Gallia Cisalpina Provinzen ein, die entweder in den Alpen selbst angesiedelt sind (Alpes Maritimae, Nr. 3 auf der folgenden Skizze; Alpes Cottidae, Nr. 2 auf der Skizze; Alpes Poeniae auch: Alpes Graiae, Nr. 1 auf der Skizze) oder aber die Alpen nach Norden überschreiten Raetia, Noricum):



    Römische Alpenprovinzen (Ausschnitt aus dieser Quelle)

    Die römische Provinzeinteilung im alpinen Raum ist im einzelnen nicht leicht zu beurteilen; insbesondere fällt es schwer, sie direkt auf sprachlich-ethnische Verhältnisse abzubilden. Das größte Rätsel bilden die Raetii 'Räter', d.h. die Namensgeber einer der beiden großen Provinzen im Alpenraum. Über sie konnte sehr wenig und allenfalls Archäologisches in Erfahrung gebracht werden, abgesehen von der kaum bezweifelbaren, allgemeinen Forschungsmeinung, dass es sich nicht um Indogermanen handelte (vgl. dazu Jürg Rageth im HLS). Es ist fraglich, ob sie mit den Etruskern identifiziert werden können; für eine Verbindung sprechen die alpinen Inschriften im etruskischen Alphabet. Allerdings decken sich die Fundorte gerade nicht mit den Provinzgrenzen. Überhaupt deckt sich das Territorium der Raetia höchstwahrscheintlich nicht mit dem Wohngebiet der Räter und auch die spätere Teilung in eine Raetia prima mit der Hauptstadt Curia (heute: Chur) und eine Raetia secunda mit der Hauptstadt Augusta Vindelicorum (heute: Augsburg), ist in dieser Hinsicht keineswegs eindeutig. Die Funde der letzten vorchristlichen Jahrhunderte aus Chur "scheinen eher einem kelt. als einem rät. Kulturkreis nahe zu stehen" (Jürg Rageth im HLS) und die auf dem Tropaeum Alpium erwähnten Vindeliker werden von der Forschung einhellig als Kelten beschrieben; man beachte auch die Kontinuität des Provinznamens Raetia in Gestalt des heutigen Landschaftsnamens Ries (vgl. die Karte zu den römischen Inschriften in dieser Gegend nordwestlich von Augsburg).

    In jedem Fall darf man davon ausgehen, dass der nordalpine Raum intensiver romanisiert war als die eigentliche Gebirgszone; es liegt daher nahe, in spätrömischer Zeit von einer stärkeren Ähnlichkeit zwischen dem nord- und  südalpinen Alpenvorland auszugehen, als zwischen den Alpen'vorländern' und der Gebirgszone. Eine große, kaum geklärte Frage betrifft die Fortdauer der vorrömischen Sprachen nach der Eingliederung des Gebiets in das Imperium Romanum. Es ist ja grundsätzlich denkbar, dass die germanischen und slawischen Einwanderer oder Invasoren nicht nur auf ein lateinisch-/romanischsprechende Bevölkerung, sondern womöglich auch noch auf Kelten trafen. In diesem Fall, dessen Wahrscheinlichkeit schwer einzuschätzen ist, hätten sprachliche Elemente unmittelbar aus vorrömischen Sprachen (jedenfalls aus dem Keltischen) ins Germanische und Slawische entlehnt werden können. In der Regel muss man jedoch davon ausgehen, dass alles Vorrömische in romanisierter Gestalt, d.h. als romanische Form an die nachrömischen Strata vermittelt wurde.

    Zur unterschiedlich starken, womöglich speziell inneralpin schwächeren Romanisierung sind die archäologischen Erkenntnisse über die Lepontier aufschlussreich:

    "Als Folge der röm. Expansion in der Poebene kamen die L. ab dem 2. Jh. v.Chr. schrittweise mit römisch geprägten Sitten und Gebräuchen in Kontakt und sie übernahmen erneut – in einem radikal veränderten hist. Umfeld – die Rolle von Mittlern zwischen der Nord- und der Südseite der Alpen. Mit den Feldzügen des Augustus (35-15 v.Chr.), deren Ziel die Unterwerfung der Alpenvölker zur Sicherung der Handelswege und des militär. Durchgangs durch die Alpen war, wurden die L. ins röm. Verwaltungs- und Wirtschaftssystem integriert. Trotz tiefgreifender Akkulturationsprozesse überlebten einige traditionelle Elemente der L., besonders bei der weibl. Bekleidung und den Bestattungsriten, bis ins 2.-3. Jh. n.Chr." (Gianluca Vietti im HLS)

    In jedem Fall ist es zum Verständnis möglicher Sprachkontaktszenarien sinnvoll, georeferenzierbare historische Daten in die Datenbank mit aufzunehmen, also zum Beispiel archäologische Funde, das spätantike Straßenverzeichnis der so genannten Tabula Peutingeriana (Link_1, Link_2), die römischen Alpenpässe, die römische Epigraphik usw. So zeigt diese Karte einerseits, dass die früh im bairischen Raum gegründeten Klöster und die ersten germanischen Funde sich offenkundig an romanische Infrastruktur anlagern, die sich in Gestalt von Inschriften, antiken Ortsnamen und der frühmittelalterlichen Bezeichnung anwesender Romanen (Walchen) manifestiert. Andererseits ist in eben diesen Verdichtungsgebieten gleichzeitig mit mutmaßlich frühen Entlehnungen zu rechnen, wie caseareus, -a zeigt.



    (auct. Thomas Krefeld)

    Tags: Linguistik



    Stratigraphie und Onomasiologie (Zitieren)

    Manche onomasiologische Bereiche weisen deutliche Affinitäten zu Entlehnungen auf; so finden sich für etliche Konzepte aus dem Bereich des Almwesens, speziell der Milchverarbeitung im Deutschen romanische bzw. vorrömische Bezeichnungstypen (vgl. die Basistypen: butyru(m), caseu(m), caseāria, crama, tegia, stabulum u. a.).
    Das spricht in unmissverständlicher Weise dafür, dass die entsprechenden grundlegenden Kulturtechniken im Alpenraum sehr alt sind und an jeweils hinzukommende Ethnien und ihre Sprachen weitergegeben wurden. Aber es wäre natürlich zu einfach, bestimmte onomasiologische Teilbereiche zur Gänze mit bestimmten sprachlichen 'Schichten' zu verknüpfen. Es ist vielmehr bemerkenswert, dass gerade auch Entlehnungen in entgegengesetzter Richtung belegt sind und daher dauerhafter gegenseitige kultureller Austausch anzunehmen ist. Charakteristisch sind die komplementären Bezeichnungstypen für das Konzept BUTTER. Während sich im Bairischen der romanische Typus Butter durchgesetzt hat, ist der deutsche Typ Schmalz in einem Teil der romanischen Mundarten etabliert: Vgl. die synoptische Karte der Basistypen butyrum und Schmalz.

    Es scheint also, als ob sich das Auslassen, d. h. das Schmelzen (daher Schmalz) der Butter als elementare Konservierungstechnik ausgehend vom deutschsprachigen Gebiet nach Süden verbreitet hätte.
    Ein vergleichbares Bild geben die Bezeichnungstypen lat. stabulu(m) und deu. Stall für einfache Almgebäude: Vgl. die synoptische Karte zu den Basistypen lat. stabulu(m) und deu. Stall.



    (auct. Thomas Krefeld)

    Tags: Linguistik



    Stratigraphie: Romanismen (Zitieren)

    Als 'Romanismen' werden in VA alle im heute deutsch- bzw. slawischsprachigen Teilgebiet des Untersuchungsgebiets erhobenen Ausdrücke bezeichnet, die unmittelbar aus dem Romanischen und mittelbar aus dem Lateinischen bzw. aus vorrömischen Sprachen stammen. Dabei sind im Hinblick auf die regionale Stratigraphie ebenso wie im Hinblick auf die großräumige 'Architektur' des Deutschen und Slowenischen im Wesentlichen zwei verschiedene geolinguistische und historische Konstellationen zu unterscheiden.
    (1) Exklusiv dialektale Romanismen
      Diese Kategorie, zu der die lokalen Varianten ohne Entsprechungen in der Standardsprache gehören, bildet gewissermaßen die prototypischen romanischen Entlehnungen des Alpenraums; es handelt sich in aller Regel um Substratwörter, d.h. um solche Ausdrücke, die in der Zeit der romanisch-germanischen bzw. romanische-slawischen Zweitsprachigkeit entlehnt wurden und den späteren Sprachwechsel zur germanischen bzw. slawischen Einsprachigkeit grosso modo ortsfest als Relikte überdauert haben. Ein eindeutiges Beispiel liefert der morpho-lexikalische Typ Käser, der so wie sein romanisches Äquivalent casera auf den Basistyp lat. casearia zurückgeht: Vgl. die Karte zum Basistypen casearia.

      (2) Dialektale Romanismen mit Entsprechungen in der Standsprache und in den romanischen Dialekten des Untersuchungsgebiets
        Da auch bei dieser Gruppe sowie im Falle von (1) eine areale Verbreitung gegeben ist, die die aktuellen Grenzen der Sprachfamilien überschreitet, liegt es nahe, die standardsprachlichen Varianten auf die dialektalen Formen zurückzuführen. Diese Kategorie der Romanismen kann daher auch über den Alpenraum hinaus sprachgeschichtliches Interesse beanspruchen. Ein eindeutiges, in der Etymologie des Standarddeutschen verkanntes Beispiel liefert deu. Butter.
      Die folgende Karte zeigt klar, dass die maskuline süddeutsche Variante der Butter eine gemeinsames Areal mit dem ebenfalls maskulinen romanischen Typ butirro und beurre bildet und insofern als historisch primär gegenüber der femininen Standardvariante die Butter angesehen werden muss: Vgl. die Karte zum Basistypen butyru(m).

      Dieses Muster der primären süddeutschen Entlehnung und ihrer sekundären Verbreitung ins Standardeutsche scheint jedoch nicht immer eindeutig, da auch die Möglichkeit der umgekehrten Verbreitungsrichtung aus dem Standard in die Dialekte des Untersuchungsgebiets in Betracht gezogen werden muss. So könnte man eventuell die deutschen Entsprechungen des Basistyps lat. cellārium sehen.
      Sowohl im Fall der exklusiv dialektalen wie der dialektal-standardsprachlichen Romanismen sind im Einzelnen substratale lokale Relikte und adstratale Entlehnungen mit sekundärer arealer Verbreitung zu unterscheiden.


    (auct. Thomas Krefeld)

    Tags: Linguistik



    Transkription (Zitieren)

    Die sprachlichen Materialien werden graphisch in doppelter Weise wiedergegeben, um den beiden gegenläufigen Prinzipien der Quellentreue und der leichten Vergleichbarkeit gerecht zu werden:
    (1) Inputversion in der Originaltranskription
    Im VA-Portal werden Quellen zusammengeführt, die aus unterschiedlichen Fachtraditionen stammen (Romanistik, Germanistik, Slavistik) und die historisch unterschiedliche Phasen der dialektologischen Forschung repräsentieren; manche Wörterbuchdaten wurden zu Beginn des letzten Jahrhunderts (GPSR) und andere erst vor wenigen Jahren (ALD) erhoben. Deshalb ist es wissenschaftsgeschichtlich notwendig, die Originaltranskription weitestgehend zu respektieren. Aus technischen Gründen ist es allerdings unmöglich, bestimmte Konventionen unverändert zu erhalten; das gilt insbesondere für die vertikale Kombination von Basiszeichen (‘Buchstaben’) und diakritischen Zeichen, also etwa dann, wenn ein Betonungsakzent über einem Längenzeichen über einem Vokal über einem Schließungszeichen positioniert ist (Betacode). Diese Konventionen werden in jeweils definierten technischen Transkriptionen in lineare Folgen von Zeichen überführt, wobei ausschließlich ASCII-Zeichen benutzt werden (so genannter Betacode). Bis zu einem gewissen Grad können bei der Beta-Kodierung intuitiv verständliche graphische Ähnlichkeiten zwischen den Originaldiakritika und den ASCII-Entsprechungen ausgenützt werden; sie sind mnemotechnisch günstig.

    (2) Outputversion in IPA
    Im Sinne der Vergleichbarkeit und auch der Nutzerfreundlichkeit ist zudem die Ausgabe in einer einheitlichen Transkription wünschenswert. Alle Beta-Codes werden daher mit spezifischen Ersetzungsroutinen in IPA-Zeichen überführt. Einige wenige, aber unvermeidbare Unverträglichkeiten ergeben sich vor allem dann, wenn einem, durch Diakritika spezifizierten Basiszeichen in der Inputtranskription in IPA zwei unterschiedliche Basiszeichen entsprechen. Das gilt vor allem im Hinblick auf die Öffnungsgrade der Vokale, wo z. B. in der palatalen Reihe die beiden Basiszeichen <i> und <e> in Verbindung mit Schließungspunkt und einem oder zwei Öffnungshäkchen es erlauben, sechs Öffnungsgrade abzubilden; in Beta-Kodierung sind das: i – i( – i((– e?-- e – e(– e((. Dafür stehen in IPA nur vier Basiszeichen i – ɪ – e – ɛ zur Verfügung.


    (auct. Thomas Krefeld)

    Tags: Linguistik Informationstechnologie



    Typisierung (Zitieren)

    Die 'Interaktive Karte' bietet dem Nutzer die Möglichkeit, nach drei verschiedenen sprachlichen 'Typen' zu suchen. Jeder 'Typ' ist als eine Klasse von sprachlichen Ausdrücken zu verstehen; dadurch soll die unübersichtliche Vielfalt der zahlreichen sprachlichen Varianten in überschaubarer Weise strukturiert werden. Es werden phonetische, morphologische und – im Fall des 'Basistyps' – sprachgeschichtliche Kriterien eingesetzt. Die Typisierung der georeferenzierten Sprachdaten gehört zu den grundlegenden Anforderungen von VerbaAlpina. Dazu werden, wo dies möglich ist, aus den Inputdaten nach der Transkription in einem ersten Schritt Tokens ('Einzelwörter') extrahiert und in das gleichnamige Datenbankfeld eingetragen.

    Im Zentrum des Interesses von VerbaAlpina steht die morphologische Typisierung des gesammelten Sprachmaterials. Ein morphologischer Typ wird dabei durch Übereinstimmung der folgenden Eigenschaften definiert: Sprachfamilie – Wortart – einfaches Wort vs. affigiertes Wort – Genus – lexikalischer Basistyp. Die Nennform des morphologischen Typs schließlich orientiert sich an den korrespondierenden Lemmata ausgewählter Referenzlexika (s.u.).

    Durch die Zuweisung zu einem gemeinsamen lexikalischen Basistyp wird die Zusammengehörigkeit aller vereinigten morpho-lexikalischen Typen klar – auch über Sprachgrenzen hinweg. So lassen sich die folgenden (hier nicht im Detail beschriebenen) Nomina und Verben einem einzigen Basistyp malga zuweisen: malga (ALM, HERDE), malgaro (SENN), malghese (HIRTE), immalgare (ALM BEZIEHEN), dismalgare (ALM VERLASSEN). Allerdings sagt der lexikalische Basistyp nichts über die Wortgeschichte der einzelnen morpho-lexikalischen Typen aus: Ob ein Typ mit lateinisch-romanischem Etymon, der heute im germanischen oder slowenischen Sprachgebiet belegt ist, wie z. B. slowenisch bajta 'einfaches Haus', auf altes lokales Substrat zurückgeht oder aber auf neueren romanischen Sprachkontakt, muss jeweils einzeln herausgearbeitet werden. Aus diesem Grund wird die Bezeichnung "Etymon", die sich grundsätzlich auf die unmittelbare historische Vorstufe eines Wortes bezieht, in diesem Kontext vermieden – auch wenn in vielen Fällen der lexikalische Basistyp tatsächlich auch das Etymon eines morpho-lexikalischen Typs ist. Die Basistypen, die von den Referenzwörterbüchern als unbekannt oder umstritten gekennzeichnet sind, werden durch eine zusätzliche Voranstellung eines Fragezeichens markiert, wie im Beispiel: (?) battuere. Wenn im Prozess der Typisierung die Bestimmung des Basistyps nicht möglich ist, verwendet VerbaAlpina einen unbekannten Typ, der mit einem ? markiert wird.
    Die morpho-lexikalischen Typen bilden die Leitkategorie in der Verwaltung der sprachlichen Daten; sie sind den Lemmata der Lexikographie vergleichbar. Mittels der oben genannten, robusten und gut operationalisierbaren Kriterien lassen sich z.B. die vier phonetischen Typen barga, bark, margun, bargun mit der Bedeutung ALMHÜTTE, ALMSTALL auf drei morpho-lexikalische Typen reduzieren:





    Die Zugehörigkeit der morpho-lexikalischen Typen zu Sprachfamilien (gem., roa., sla.) hängt von der jeweiligen Quelle ab; sie ergibt sich im Fall traditionell erhobener Atlas- oder Wörterbuchdaten automatisch über die jeweiligen Informanten und wird entsprechend in der Datenbank notiert. Zeigen einzelne Wörter in bestimmten Varietäten ein Suffix, das aber keinen Genuswechsel mit sich bringt, so wird kein gesonderter morpho-lexikalischer Typ angelegt (vgl. bar. Nom. Sg. die Wiesn vs. deu. die Wiese), da die Bündelung der Belege im Vordergrund steht. Im Fall der Daten, die VerbaAlpina selbst durch Crowdsourcing erhebt, wird die Sprach- bzw. Dialektzugehörigkeit von den Informanten behauptet und im Idealfall quantitativ bestätigt; die Anzahl von bestätigenden Informanten wird so zu einem Instrument der Datenvalidierung.

    Morpho-lexikalische Typen sind auf eine Sprachfamilie beschränkt. Es stellt sich nun die Frage, durch welche Form ein morpho-lexikalischer Typ in der Suchfunktion der interaktiven Karte repräsentiert werden soll. Im Hinblick auf die germanische und slawische Sprachfamilie fällt die Antwort eher leicht, da beide jeweils nur durch eine standardisierte Einzelsprache ('Deutsch' [deu] bzw. 'Slowenisch' [slo]) vertreten sind. Die morpho-lexikalischen Typen können in Gestalt ihrer standardsprachlichen Varianten abgebildet werden, selbstverständlich unter der Bedingung, dass es im Standard Entsprechungen des Typs gibt; so können beispielsweise alle entsprechenden phonetischen Typen des Alemannischen und Bairischen, die Varianten der Standardform sind, unter ebendieser Standardform aufgerufen werden. Falls Standardvarianten nicht existieren, werden die Lemmata der großen Referenzwörterbücher (Idiotikon, WBOE) herangezogen.

    Im Fall der romanischen Sprachfamilie ist die Situation wegen der zahlreichen, teils nicht hinreichend standardisierten Kleinsprachen sehr viel komplexer. Aus pragmatischen Gründen wurde hier der folgende Weg gewählt: Alle morpho-lexikalischen Typen werden, sofern vorhanden, durch die französischen und italienischen Standardformen repräsentiert; so können z. B. alle phonetischen Typen, die Varianten von beurre/burro 'Butter' sind, unter diesen beiden Formen aufgerufen werden; als Referenzwörterbücher fungieren u.a. TLF und Treccani. In entgegengesetzter Perspektive werden jeder Einzeläußerung alle drei Typen, ein Konzept sowie ein Verweis auf ein Referenzwörterbuch zugeordnet: Vgl. Karte Konzept RAHM

    Falls nur eine dieser beiden Standardsprachen eine passende Variante hat, erscheint nur diese, wie im Fall von ricotta (die Zugehörigkeit zum Italienischen wird durch die Notationskonvention -/ricotta angezeigt). Wenn in keiner der beiden romanischen Referenzsprachen eine Variante des Typs existiert, wird auf den Eintrag eines dialektalen Referenzwörterbuchs zurückgegriffen, etwa auf LSI. Für den Fall, dass keine verlässlichen Einträge in Dialektwörterbüchern verfügbar sind, schlägt VerbaAlpina einen Basistyp mitsamt grafischer Repräsentation ('VA') vor.

    Im Gesamtkonzept und der technischen Umsetzung vorgesehen, jedoch peripher und demnach nicht konsequent umgesetzt, ist die phonetische Typisierung des Sprachmaterials. Die entsprechende Kategorie ist vor allem deswegen unentbehrlich, weil Sprachatlanten bisweilen (z. B. SDS und VALTS) und Wörterbücher ausschließlich phonetische Typen dokumentieren. Bei der phonetischen Typisierung durch VerbaAlpina werden die Tokens nach Kriterien der historischen Phonetik in phonetische Typen eingeteilt (Datenbankfeld 'phon_typ'). Dazu ein charakteristisches Beispiel (aus AIS 1204 LA PANNA | RAHM | CRÈME):





    Nach Maßgabe der Phonetik ist es sinnvoll, die Anlautvarianten [kr-] und [gr-] sowie die Tonvokalvarianten [a], [e] und [o] vor [m] zu differenzieren. Sie erscheinen daher als unterschiedliche 'phonetische Typen'. Gleichzeitig ist es klar, dass es sich um lautliche Varianten ein und desselben morpho-lexikalischen Typs handelt, denn es gibt zahlreiche analoge Fälle von Lautwandel. Da sich jedoch keinerlei Evidenz für einen Wandel von [kr-] > [br-] findet, wäre es nicht sinnvoll die entsprechenden dolomitenladinischen Formen (brama) ebenfalls dazu zu stellen. Sie repräsentieren daher trotz der Ähnlichkeiten im Tonvokal und im Silbenauslaut [-ama] einen anderen morpho-lexikalischen Typ.



    Eine Automatisierung der phonetischen Typisierung auf Basis von Levenshtein- und soundex-Algorithmen wird untersucht und wenn möglich umgesetzt werden; allerdings wird in jedem Fall ein starker Korrekturaufwand entstehen. Etwa die beiden historisch zusammengehörigen Formen krama und gromma unterscheiden sich rein numerisch im Sinn der Levenshtein-Distanz durch die Menge an Zeichenersetzungen die durchgeführt werden müssen, um eine Form in die andere zu transformieren, stärker als die nicht zusammengehörigen Formen krama und brama.





    Durch die Typisierung (Klassenbildung) wird die Datenvielfalt zunehmend übersichtlich; es gilt also in der Regel: Zahl der Tokens > Zahl der phonetischen Typen > Zahl der morpho-lexikalischen Typen > Basistyp. Man beachte jedoch den Extremfall eines einzigen Belegs (Hapax), der einem Token, einem phonetischem Typ und einem morpho-lexikalischen Typ als einzigem Vertreter eines Basistyps entspricht. U.U. ist es sinnvoll, solche Hapax-Formen in der Darstellung herauszufiltern.


    (auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)

    Tags: Linguistik



    Wissenshorizont (Zitieren)

    Dieses Portal informiert in drei unterschiedlichen Dimensionen:
    (1) über außersprachliche Realität (‘Sachen’),
    (2) über Konzepte, oder: inhaltliche, bzw. onomasiologische Kategorien, die nicht an einzelne Sprachen oder Dialekte gebunden sind,
    (3) über sprachliche Ausdrücke der untersuchten Sprachen und Dialekte.
    Die getrennte Behandlung von (2) und (3) ist grundlegend, da ja die relevanten Konzepte durchaus nicht immer im gesamten Untersuchungsgebiet mit spezifischen Bezeichnungen belegt (‘lexikalisiert’) sind; so gibt es z. B. in weiten Teilen des bairischen Gebiets kein Wort für den aus Molke hergestellten so genannten Käse (vgl. dafür gsw. (alemannisch) Ziger, ita. ricotta, fra. sérac), während es z.B. für die frische, noch ungeformte Käsemasse (bar. Topfen, deu. Quark) in den romanischen Dialekten oft, so wie auch im Standarditalienischen, keine Bezeichnung gibt. Das Verhältnis von (1) auf der einen Seite und (2) und (3) auf der anderen ist gelegentlich auch problematischer als es auf den ersten Blick erscheint; so finden sich manchmal sprachliche Ausdrücke mit unklarem semiotischen Status, weil aus den Belegen nicht hervorgeht, ob es sich um Bezeichnungen von Konzepten oder aber womöglich um Namen für Dinge handelt; das ist z. B. der Fall, wenn ein Sprecher eine ganz bestimmte Alm, etwa diejenige, die er selbst nutzt, mit einem generischen Wort als munt wörtlich ‘Berg‘ oder als pastüra ‘Weide‘ tituliert.


    (auct. Thomas Krefeld)

    Tags: Linguistik Außersprachlicher Kontext