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Ergänzende Daten (Zitieren)

Für die induktive Kulturraumforschung sind demographische und institutionelle Daten immer dann interessant, wenn sie sich als georeferenzierbar erweisen. Dazu zählen siedlungsgeschichtliche Informationen, insbesondere im Hinblick auf die Zugehörigkeit zu kirchlichen und staatlichen Institutionen. Aber auch Verkehrswege, insbesondere Passverbindungen, sind von grundlegender Bedeutung (vgl. Karte).
Ökologische und geophysikalische Daten sind immer dann relevant, wenn sie einen klaren Bezug zur Siedlungsgeschichte haben. Das ist zum Beispiel evident im Hinblick auf die Vegetationszonen, die bestimmte Nutzungen gestatten oder verlangen (z. B. die Almwirtschaft setzt Höhenlagen über der Baumgrenze voraus (http://www.slf.ch/forschung_entwicklung/gebirgsoekosystem/themen/baumgrenze/index_DE).

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Außersprachlicher Kontext



Ethnolinguistik (Zitieren)

"On ne peut pas faire l'histoire des mots sans faire l'histoire des choses" (Jaberg 1936, 23).
In der romanistischen, aber vor allem italianistischen Forschungstradition war die Dialektologie von Beginn an, d.h. in Italien mindestens seit Giuseppe Pitré, immer sehr eng mit den Sozialwissenschaften, genauer gesagt mit der Soziologie und der Ethnologie verbunden. In dieser Perspektive lässt sich die gesamte Geolinguistik sogar als Teildisziplin einer übergeordneten 'Ethnowissenschaft' verstehen. Dieser Ausdruck, der hier als Übersetzung von ita. etnoscienza (aus eng. ethnoscience) gesetzt wird, hat allerdings weder in Italien, noch in Deutschland etablieren können. In dem sehr scharfsinnigen und informativen Manuale di etnoscienza von Giorgio Raimondo Cardona (Cardona 1995) heißt es:

"[...] il prefissoide etno- permette un'immediata 'etnologizzazione' di qualunque sottodisciplina [...]. L'inglese offre ancora un altro tipo di formazione, quella con folk- (folk-taxonomy), che ha però lo svantaggio di non essere atrettanto facilmente esportabile quanto il suo concorrente grecizzante.
Il termine con etno- copre però due cose distinte, nella letteratura: etnobotanica può significare:
a) una vera botanica scientifica, ma ritagliata sull'habitat, uso ecc. di una specifica etnia;
b) la scienza botanica posseduta da una specifica etnia.
Nel primo caso, il ricercatore è soprattutto un naturalista, che compie il suo lavoro consueto, anche se con una particolare attenzione alle denominazioni locali ecc.; nel secondo il ricercatore è piuttosto un antropologo conoscitivo, che studia come venga categorizzato il mondo naturale da una data etnia; dei dati naturalistici egli si servirà soprattutto per ancorare le classificazioni così individuate a referenti reperibili e riconoscibili anche per chi è esterno alla cultura studiata. [...]
Gran parte dell'analisi etnoscientifica si basa sull'analisi di enunciati della lingua del gruppo [...] " (Cardona 1995, 15 f.; Hervorhebung durch fette Schrift: TK)  

Die so skizzierte etnoscienza wird in der US-amerikanischen Tradition auch als cultural anthropology (deu. Kulturanthropologie) bezeichnet. Speziell im deutschsprachigen Raum wurde darüber hinaus zwischen Volkskunde für die Erforschung einheimischer Kultur(en) und Völkerkunde für die Erforschung fremder, insbesondere nichteuropäischer Kulturen unterschieden. In der Gegenwart wird stattdessen meist allgemein von Ethnologie mit dem besonderen Teilgebiet der Europäischen Ethnologie (im Sinne der Volkskunde) gesprochen. Die Bezeichnung Ethnolinguistik ist daher auch nicht eindeutig, da sie oft auf die sprachwissenschaftliche Untersuchung nichteuropäischer Kulturen eingeschränkt wird (vgl. Senft 2003), obwohl sie die europäischen nicht ausschließen sollte; die kategorische Trennung erweist sich im Hinblick auf die massenhaften und weiträumigen Migrationsströme ohnehin in rapide zunehmendem Maße als sinnlos.

Eine Unschärfe im zitierten Passus von Cardona bleibt zu klären; sie betrifft das 'Präfixoid' ethno-, das einerseits als Synonym des en. folk und andererseits mit Bezug auf etnia verwendet wird. Mit folk (in folk-taxonomy usw.) wird auf die alltags- oder lebensweltlichen Wissensbestände und Konventionen der Laien bzw. Nicht-Wissenschaftler verwiesen und genau in diesem Sinne sollte auch Ethnie (bzw. ethno-) auf alltagsweltliche Kulturgemeinschaften bezogen werden, ohne jedoch idealisierte Vorstellungen von Homogenität, Archaizität, sozialer Abgeschlossenheit usw. zu implizieren. Die Unterscheidung Cardonas (a vs. b) verweist weiterhin auf zwei komplementäre Forschungsperspektiven in den Kultur- und Sozialwissenschaften.

Zusammenfassend darf man dialektologische Forschungen im Sinn von Cardona (auch im Nachhinein) als 'ethnolinguistisch' bezeichnen, wenn sie ihre sprachlichen Daten im engen Zusammenhang mit der Alltagskultur der Sprecher erheben und analysieren.
In der romanistischen Tradition wurde diese Ausrichtung durch den prototypischen Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz (AIS) etabliert; sie markiert zweifellos den größten Unterschied und Fortschritt zum ALF, wie Karl Jaberg nicht ohne Emphase festhält. Der im Hinblick auf das Selbstverständnis des AIS und die Wissenschaftsgeschichte aufschlussreiche Passus verdient durchaus herausgehoben zu werden:
"L'importance des «choses» n'a pas échappé à l'esprit de Gilliéron [...] Que Gilliéron ait complètement négligé ce point de vue dans la conception de l'Atlas et qu'il n'en ait tenu compte qu'en passant dans ses autres publications, c'est un fait d'autant plus étrange qu'il connaissait fort bien les «choses» et s'y intéressait passionnément. A-t-il approuvé l'enseignement que Ferdinand de Saussure a tiré de ses incursions dans les domaines limitrophes de notre science, à savoir  que la «linguistique a pour unique et véritable objet la langue envisagée en elle-même et pour elle-même», principe qui, malgré l'admiration que j'ai pour le grandsavant genevois, m'a toujours semblé singulièrement rétrécir le champ d'action du linguiste." (Jaberg 1936, 27 f.)
Jaberg weist explizit und vollkommen zu Recht darauf hin, dass der Saussuresche Strukturalismus gerade in diesem Punkt junggrammatische Vorstellungen beibehält; aus der Sicht der zeitgenössischen Geolinguistik wird der Versuch, die Sprache als isolierbares 'Modul' zu betrachten, also keineswegs als ein neues Paradigma, sondern geradezu als traditionalistisch wahrgenommen:
"La conception du Petit Atlas phonétique du Valais roman [ebenfalls von Gilliéron; TK] et celle de l'Atlas linguistique de la France remontent à une époque qui était encore sous l'empire des néogrammairiens, et on sait ce que les néogrammairiens doivent aux sciences naturelles. Ce n'est certes pas un hasard que le Cours de linguistique générale s'en ressente également. M. Jud et moi, nous avions pas ces attaches avec les néogrammairiens, Gilliéron lui-même nous avait aidés à les rompre. Nous étions en revanche fortement impressionnés par les brillants articles de Meringer et de Schuchardt. La réalité des choses était autours de nous. Nous avions nous-mêmes parcouru les pays romans ; nous avions recueilli sur le terrain des observations ethnographiques et folkloriques. Comment en rester aux mots? Tout en sauvegardant le caractère essentiellement linguistique de notre ouvrage, nous croyions devoir fournir à l'historien des mots les données nécessaires pour se faire une idée des choses, afin qu'il ne bâtisse pas dans le vide." (Jaberg 1936, 28).
       

Richtungweisend für die ethnolinguistisch orientierte Tradition der italienischen Dialektologie ist die in teilnehmender Beobachtung entstandene Untersuchung von Hugo Plomteux 1980 über die Cultura contadina in Liguria. Ethnolinguistisch sehr gut, im regionalen Vergleich vielleicht am besten erschlossen ist Sizilien. Zu nennen sind vor allem: Fanciullo 1983 und mehrere wichtige Arbeiten, die im Rahmen des Atlante linguistico della Sicilia entstanden sind; die folgenden Titel geben Auskunft über die jeweils untersuchten kulturellen Techniken und Traditionen: Bonanzinga/Giallombardo 2011, Matranga 2011, Sottile 2002 und Castiglione 1999.

(auct. Thomas Krefeld)

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Ethnolinguistisches Ähnlichkeitsprofil (Zitieren)

Aus der ethnolinguistischen Sicht dieses Projekts bilden die Basistypen das Fundament des mehrsprachigen alpinen Raums. Im Sinne einer synthetischen Darstellung sind zwei unterschiedliche quantitative Kartierungsfunktionen vorgesehen:
  1. Zunächst sind die Alpenwörter von besonderem Interesse; ihre Gesamtheit bildet sozusagen einen fiktiven Idealtyp, dem die einzelnen Ortsdialekte mehr oder weniger nahe kommen. Dem entspricht die Kartierung einer gradueller Ähnlichkeit, die durch die Darstellung des champ gradient de la gasconité im ALG 6 inspiriert wurde.
  2. Sodann wird nach dem Vorbild des ASD die relative Ähnlichkeit aller Aufnahmeorte untereinander kartiert, indem die gemeinsamen Basistypen eines beliebigen Aufnahmeortes und diejenigen eines beliebigen anderen Ortes als Bezugspunkt festgestellt und angezeigt werden.


(auct. Thomas Krefeld)

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Fotos (Zitieren)

Die Mediathek von VerbaAlpina enthält eine umfangreiche, ständig wachsende Sammlung georeferenzierter Fotos; diese Aufnahmen erfüllen einen doppelten Zweck: Einerseits verweisen sie auf konkrete Referenten mit all ihren idiosynkratischen Besonderheiten, die vor allem bei Gebäuden sehr ausgeprägt sein können; andererseits sollen die Fotos in möglichst anschaulicher Weise ein Konzept illustrieren und so zur Grundlage für die Erhebung weiterer Bezeichnungen des Konzepts werden. In dieser Funktion geht es also nicht darum, den spezifischen Referenten, also eine ganz bestimmte Almhütte, wiederzuerkennen. Das wäre sogar eher störend, denn in diesem Fall neigen Informanten dazu, den Eigennamen der Alm zu liefern, und nicht die Bezeichnungen des Konzepts. Das Risiko ist allerdings überschaubar; ein grundsätzliches Missverständnis ergibt sich eigentlich nur beim Wiederkennen bekannter Personen; hier ziehen die individuellen Merkmale die gesamte Konzentration des Betrachters auf sich, so dass der Abgebildete spontan und unwillkürlich mit dem Namen genannt wird ("das ist doch der Willi!") – und nicht in der Funktion, die er auf dem Foto ausübt (SENN). Strenggenommen wäre daher zur Erhebung von Bezeichnungen die Verwendung idealisierter Zeichnungen anstelle von Fotos konkreter Objekte vorzuziehen; das scheitert jedoch am Fehlen entsprechender Vorlagen. Alle Abbildungen von Referenten sind über die Datenbank mit den Kategorien "Konzept" und "Bezeichnung" verbunden.

(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)

Tags: Außersprachlicher Kontext



Georeferenzierung (Zitieren)

Ein wesentliches Ordnungskriterium der in VerbaAlpina verwalteten Daten ist die Georeferenzierung unter Verwendung von Breiten- und Längengraden. Die Genauigkeit dieser Referenzierung variiert je nach Datentyp, wobei grundsätzlich eine möglichst exakte, metergenaue Referenzierung angestrebt wird. Im Fall der Sprachdaten aus Atlanten und Wörterbüchern ist in aller Regel lediglich eine vergleichsweise ungefähre Referenzierung nach Maßgabe eines Ortsnamens möglich, im Fall von z. B. archäologischen Daten hingegen sind tatsächlich metergenaue Georeferenzierungen möglich. Es können Punkte, Linien (etwa Straßen, Flüsse u. Ä.) und Flächen gespeichert werden. Aus technischer Perspektive findet hauptsächlich das sogenannte WKT-Format (https://en.wikipedia.org/wiki/Well-known_text) Verwendung, das in der VA-Datenbank mit der Funktion geomfromtext() (https://dev.mysql.com/doc/refman/5.7/en/gis-wkt-functions.html in ein spezifisches MySQL-Format überführt und so gespeichert wird. Die Ausgabe im WKT-Format erfolgt durch die MySQL-Funktion astext().
Referenzraster der Georeferenzierung ist das Netz der politischen Gemeinden im Alpenraum, die, je nach Bedarf, entweder als Fläche oder als Punkte ausgegeben werden können. Basis sind dabei die Grenzverläufe der Gemeinden mit Stand von etwa 2014, die VerbaAlpina von seinem Partner "Alpenkonvention" erhalten hat. Eine ständige Aktualisierung dieser Daten, die sich aufgrund nicht seltener Verwaltungsreformen durchaus häufiger verändern, ist entbehrlich, da es sich aus Sicht von VerbaAlpina lediglich um einen geographischen Referenzrahmen handelt. Die Punktdarstellung des Gemeinderasters wird algorithmisch aus den Gemeindegrenzen abgeleitet und ist somit sekundär. Die errechneten Gemeindepunkte stellen die geometrischen Mittelpunkte der Gemeindeflächen dar und markieren höchstens zufällig den Hauptort oder gar deren Mittelpunkt. Im Bedarfsfall können sämtliche Daten einzeln oder kumulierend auf den errechneten Gemeindepunkt projiziert werden. Dies ist etwa bei den Sprachdaten aus Atlanten und Wörterbüchern der Fall.
Zusätzlich zum exakt georeferenzierten Referenzraster der Gemeindegrenzen wird (ab Version 16/1) ein wabenförmiges quasi-georeferenziertes Raster dargestellt, das zwar die ungefähre Lage der Gemeinden zueinander wiedergibt, gleichzeitig jedoch jedem Gemeindegebiet eine idealisierte Fläche jeweils gleicher Form und Größe zuweist. [Bild:va_polygone-1.jpg]] Damit werden alternative Kartierungsverfahren angeboten, die beide ihre Vor- und Nachteile haben und wegen ihrer Bildlichkeit auch beide ein gewisses suggestives Potential mitbringen: Die topographische Darstellung vermittelt wegen ihrer Präzision einen besseren Einblick in die konkrete Räumlichkeit mit ihren oft sehr speziellen Geländeprofilen, einzelnen Übergängen, Talverläufen, unzugänglichen Talausgängen usw. Die Wabenkarte erlaubt dagegen eine abstrahiertere Visualisierung der Daten, da sie die Größen der Gemeindeflächen sowie siedlungsgeographische Ballungen bzw. Streuungen ausgleicht. Das ist besonders bei quantitativen Karten nützlich, denn die Größe der Fläche erzeugt schon bei der Wahrnehmung unwillkürlich den Eindruck quantitativen Gewichts. Die Ermittlung der Geoinformantionen zu den jeweiligen Erhebungspunkten erfolgte mittels eines Online Tools. Bedingt durch nicht eindeutige Benennung der Ortschaften, sowie nicht Erkenbarkeit der Namen, war eine manuelle Korrektur der Angaben nötig. Leider ist die Ermittlung der Geokoordianten seit einiger Zeitaus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich.


(auct. Thomas Krefeld | Stephan Lücke)

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Kartographie (Zitieren)

Die Kartographie ist ein vielleicht nicht ganz unumstrittenes, aber gut bewährtes Verfahren der Sprachgeographie, denn sie dient gleichermaßen der Dokumentation wie der Visualisierung räumlicher Relationen (vgl. die Beiträge in Lameli 2010). Die üblichen Verfahren unterscheiden sich deutlich in ihrer Prägnanz; im Fall so genannter ‘analytischer’ Karten werden sprachliche (Teil-)Äußerungen wiedergeben, so dass die Dokumentation stark im Vordergrund steht und die Aufdeckung der eigentlich räumlichen Beziehungen zwischen den dokumentierten Formen dem Leser überlassen bleibt. Bei den so genannten Punktsymbolkarten werden dagegen durch die ‘synthetische’ Symbolvergabe direkt die räumlichen Relationen zwischen einzelnen Äußerungsaspekten zum Ausdruck gebracht. Quantitative Verhältnisse lassen sich nur so wiedergegeben. Die Online-Kartierung von VerbaAlpina erfolgt auf georeferenzierter Grundlage und kombiniert beide Verfahren, insofern sie zwar auf den ersten Blick ‘synthetische’ Karten anzeigt, auf den zweiten Blick, nach Klick auf das Symbol, jedoch Zugriff auf die (Teil-)Äußerung gibt.
Das heuristisches Potential der Kartographie ist beachtlich; daher wird dem Nutzer von VerbaAlpina die Option angeboten, unterschiedliche Datenklassen aus einer Kategorie (z. B. mehrere Basistypen) oder aus den unterschiedlichen Kategorien (z. B. außersprachliche und sprachliche Daten) auf synoptischen Karten zu kombinieren und zu kumulieren.
Zusätzlich zum exakt georeferenzierten Referenzraster der Gemeindegrenzen wird (ab Version 16/1) ein wabenförmiges quasi-georeferenziertes Raster dargestellt, das zwar die ungefähre Lage der Gemeinden zueinander wiedergibt, gleichzeitig jedoch jedem Gemeindegebiet eine idealisierte Fläche jeweils gleicher Form und Größe zuweist.

Damit werden alternative Kartierungsverfahren angeboten, die beide ihre Vor- und Nachteile haben und wegen ihrer Bildlichkeit auch beide ein gewisses suggestives Potential mitbringen: Die topographische Darstellung vermittelt wegen ihrer Präzision einen besseren Einblick in die konkrete Räumlichkeit mit ihren oft sehr speziellen Geländeprofilen, einzelnen Übergängen, Talverläufen, unzugänglichen Talausgängen usw. Die Wabenkarte erlaubt dagegen eine abstrahiertere Visualisierung der Daten, da sie die Größen der Gemeindeflächen sowie siedlungsgeographische Ballungen bzw. Streuungen ausgleicht. Das ist besonders bei quantitativen Karten nützlich, denn die Größe der Fläche erzeugt schon bei der Wahrnehmung unwillkürlich den Eindruck quantitativen Gewichts.

(auct. Thomas Krefeld)

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Tabula Peutingeriana (Zitieren)

Die Tabula Peutingeriana (T.P.) ist eine vermutlich im 12. oder 13. Jh. entstandene kartographische Darstellung der bedeutendsten Ortschaften und Verkehrswege im römischen Kaiserreich. Sie befindet sich heute in der österreichischen Nationalbibliothek in Wien (Codex Vindobonensis 324). Es handelt sich um einen aus mehreren Einzelteilen bestehenden Pergamentstreifen von knapp sieben Metern Länge bei einer Höhe von etwas über 30 Zentimetern (genaue Maße: 6,8 m x 0,33 m).




Ausschnitt aus der Tabula Peutingeriana (in der Mitte Apulien und Kalabrien, dazwischen der Golf von Tarent, unterhalb von Kalabrien Sizilien)

Die Abdeckung der Karte geht nach Osten hin über die Grenze des römischen Reiches hinaus und reicht bis an die Ostküste Indiens, wobei das in diesem Bereich abgebildete Orts- und Straßennetz verglichen mit dem Gebiet des römischen Reichs stark ausgedünnt ist. Die Teile der Karte, auf der die britische Hauptinsel, die iberische Halbinsel sowie der Bereich der nordafrikanischen Küste westlich von Algier abgebildet waren, sind heute verloren (die dortigen Ortschaften und Straßenverläufe wurden z.T. jedoch aus den Angaben im sog. Itinerarium Antonini ergänzt, einem Itinerar aus dem 3. Jh., das allerdings nicht in Kartenform, sondern in Gestalt einer bloßen Routenliste samt Entfernungsangaben vorliegt [ Text ]). Die Darstellung der Karte ist weder winkel- noch maßstabsgetreu und insofern nicht mit modernen Karten vergleichbar. Wenigstens ansatzweise entspricht die Abbildung der Küstenverläufe jedoch durchaus den realen Verhältnissen. Ein Beispiel hierfür ist die Darstellung Unteritaliens, die eindeutig Stiefelabsatz und -spitze sowie den dazwischen liegenden Golf von Tarent erkennen lässt. Auf der T.P. sind neben Landflächen und Meeren auch Flußläufe und Gebirgszüge eingetragen. Der vordergründige Informationsgehalt der Karte besteht in der ungefähren Lokalisierung und Benennung von Ortschaften sowie den zwischen den Ortschaften bestehenden Straßenverbindungen (Seewege sind nicht kartiert). Die Markierung von Ortschaften geschieht in unterschiedlicher Weise in Abhängigkeit von deren Größe und Bedeutung. Während vergleichsweise bedeutende Orte durch schematische Darstellungen von größeren oder kleineren Bauwerken angezeigt werden, sind unbedeutende Siedlungen nur durch einen "Knick" innerhalb eines Straßenverlaufs markiert. Grundsätzlich gibt die Karte die Distanz zwischen zwei mit einer Straße verbundenen Ortschaften in römischen Meilen an. Die von der Karte gegebenen Informationen weisen z. T. Inkonsistenzen auf. So ist einerseits das i. J. 79 zerstörte Pompeji verzeichnet, andererseits findet sich der Name Constantinopolis, der der Stadt Byzantion erst im Jahr 337 verliehen worden ist. Diese Inkonsistenz mag darauf hindeuten, dass die T.P. entweder direkt oder mittelbar auf unterschiedlichen Quellen basiert.

Es ist umstritten, welcher Art die antiken Vorlagen gewesen sind, auf die die T.P. rekurriert. Insbesondere ist unklar, ob es eine antike kartographische, in ihrer Erscheinungsform mit der T.P. vergleichbare, Vorlage gegeben hat, an der sich die T.P. orientierte. Diese Frage berührt die viel grundsätzlichere Thematik, ob es in der Antike überhaupt "Landkarten" im modernen Sinn gegeben hat, wobei hier differenziert werden muss. Tatsächlich erhalten sind Kataster- und Stadtpläne. Ein prominentes Beispiel ist die sog. Forma Urbis, ein Plan der Stadt Rom, der unter Kaiser Septimius Severus zu Beginn des 3. Jhs. angefertigt wurde. Der Plan, der auch detaillierte Grundrisse von Gebäuden präsentiert, war auf insgesamt 150 Marmorplatten aufgetragen, die an einer Innenwand des Templum Pacis in Rom angebracht wurden. Zahlreiche Fragmente dieses Plans sind erhalten. Ein weiteres Beispiel antiker "Kartographie" sind die sog. Katasterpläne von Orange. Dabei handelt es sich um insgesamt drei unterschiedliche Pläne, die die Landaufteilung in der Umgebung der römischen Kolonie Arausio (= Orange) in der Provence dokumentieren und deren Entstehung in das letzte Viertel des 1. Jhs. datiert wird (Kaiser Vespasian). Fragmente auch dieser Pläne sind bis heute erhalten (Musée d'Art et d'Histoire in Orange).

Bei der Forma Urbis wie auch bei den Katasterplänen von Orange handelt es sich um Kartierungen einzelner "Siedlungsplätze" im weitesten Sinn. Kartographische Werke, die die übergeordnete Dimension, also die Verortung von Siedlungsplätzen in ihrem lokalen Verhältnis zueinander, abzubilden versuchen, sind realiter nicht aus der Antike auf uns gekommen. Es gibt lediglich eine Reihe von literarischen Nachrichten aus der Antike, die als Hinweise auf die Existenz solcher Kartenwerke interpretiert werden können, was im Einzelfall jedoch sehr umstritten ist. Reisende in der Antike bedienten sich zur Orientierung für gewöhnlich wohl sog. Itinerare, Listen, die die Namen der Ortschaften nannten, die auf einer Reise von einem Punkt A zu einem Punkt B nacheinander anzusteuern waren, und die außerdem die Distanzen zwischen den Orten angaben. Im wesentlichen sind dies die Informationen, die auch aus der T.P. abzulesen sind. Dies lässt an die Möglichkeit denken, dass die T.P. unter Umständen nichts anderes ist als eine nachträgliche, rein mittelalterliche Visualisierungsform eines oder mehrerer solcher antiker Itinerare.




Abschrift eines Itinerars, das auf einen bei der toskanischen Ortschaft Vicarello gefundenen Silberbecher (einer von insgesamt vier nahezu identischen) geschrieben ist und das die Route von Gades/Cadiz nach Rom beschreibt (Itinerarium Gaditanum)

Für VerbaAlpina ist zunächst das toponomastische Repertoire von Interesse, das durch die Karte überliefert wird, da es Einblicke in historische Gegebenheiten und Prozesse erlaubt, die vor allem für die Substratforschung von Bedeutung sind (s. z.B. T. Krefeld, Wortgeschichte und Toponymie: zur Familie von ‚Salles‘, ‚Sala‘ und Verwandtem, in: VerbaAlpina 18/1, https://www.verba-alpina.gwi.uni-muenchen.de/?p=2064&db=181). Die durch die T.P. dokumentierten in der Antike benutzten Verkehrsrouten durch die Alpen können wiederum Aufschluss über die möglichen Verbreitungswege sprachlicher Phänomene geben.

Die auf der T.P. verzeichneten Routen durch die Alpen sind eindeutig hauptsächlich auf deren Überquerung ausgerichtet. Rein inneralpine, gleichsam quer zu den großen Transitrouten verlaufende Kommunikationswege, die etwa gezielt verschiedene Talschaften miteinander verbinden würden, sind nicht kartiert. Aufs Ganze gesehen kann man das auf der T.P. abgebildete Straßensystem in einen West- und in einen Ostteil gliedern. Die Straßen südlich des Genfer Sees verbinden im Wesentlichen Italien mit den gallischen Provinzen, vor allem der Gallia Narbonensis. Die eingezeichneten Verkehrswege des Ostteils führen von Italien aus in die Provinzen Raetia und Noricum. Unter den Straßen des Westteils befindet sich auch eine der ältesten römischen Straßen im Alpenraum: Die Via Domitia, die zwischen 122 und 118 v. Chr. vom Prokonsul Gnaeus Domitius Ahenobarbus zur Anbindung der neu eingerichteten Provinz Gallia Transalpina (später: Narbonensis) angelegt worden war. Sie führte von der Poebene durch die Val di Susa (Segusio) über den Col de Montgenèvre (1850 m) hinüber nach Briançon und von dort weiter über Gap nach Narbonne (Narbo). Erst gut 100 Jahre nach der Erbauung der Via Domitia wurde von Augustus die Via Iulia Augusta angelegt, die die Seealpen in unmittelbarer Meeresnähe überwindet und an deren höchstem Punkt (512 m) das Tropaeum Alpium steht. Neben diesen beiden Straßen mit prominenter Benennung verzeichnet die T.P. in den Westalpen weitere zwar namenlose, zweifellos jedoch auch bedeutende und stark frequentierte Routen. Eine davon führte durch das Aostatal und schließlich, nach der Gabelung bei Aosta, über den Großen Sankt Bernhard (2469 m) hinüber in das Wallis und schließlich zum Genfer See bzw. über den Kleinen Sankt Bernhard (2188 m) und in der Folge über Albertville und Chambery nach Vienne im Rhonetal. Abzweigungen von der Via Domitia führten nach Vienne und Valence. Es fällt auf, dass der Abstand zwischen den einzelnen Etappenorten im Bereich der Westalpen im Schnitt markant geringer ist als bei den auf der T.P. verzeichneten Streckenverläufen in den Ostalpen.

In den Ostalpen verzeichnet die T.P. im Wesentlichen vier Übergänge von Italien nach Raetien bzw. Noricum. Am weitesten im Westen liegt die Route, die Mailand (Mediolanum) mit Bregenz (Brigantium) und schließlich Augsburg (Augusta Vindelicum) verband. Sie führte von Como über Chiavenna und den Splügenpass (2114 m) nach Chur (Curia) und folgte dann dem Rheintal bis zum Bodensee. Weiter im Osten ist der Verlauf der Via Raetia eingetragen, die Verona über den Brenner mit Augsburg verband. Im südlichen Abschnitt, von Verona bis Bozen (Pontedrusi), folgte sie dabei der Trasse der Via Claudia Augusta, jener Straße, die bereits unter Augustus angelegt und später von Kaiser Claudius ausgebaut worden war. Anders als diese, die von Bozen durch das Vintschgau und dann über den Reschen- (1504 m) und den Fernpass (1216 m) Richtung Augsburg führte, folgte die Via Raetia dem Lauf des Eisack bis zum Brenner (1370 m) hinauf und führte von dort weiter über den Seefelder Sattel (1185 m) und Partenkirchen. Die Via Raetia war erst von Kaiser Septimius Severus (193-211) angelegt worden und verkürzte die Strecke von Verona bis Augsburg um rund 70 Kilometer. Besondere Hindernisse, die dem Ausbau dieser Route zunächst entgegenstanden, waren die Eisackschlucht zwischen Bozen und Klausen (Sublabione) sowie die Sillschlucht bei Innsbruck. Noch weiter im Osten verzeichnet die T.P. je eine Straßenverbindung von Viruno, dem heutigen Maria Saal wenig nördlich von Klagenfurt, über den Radstädter Tauernpass (1738 m) nach Salzburg (Iuvavo) bzw. über die Triebener Tauern (1274 m) nach Liezen (Stiriate) und von dort weiter nach Wels (Ovilia = Colonia Aurelia Antoniana Ovilabis).

Die auf der T.P. im Alpenraum verzeichneten Straßenverbindungen repräsentieren bei weitem nicht alle in der römischen Antike genutzten Verkehrswege in dieser Region. Als Beispiel sei hier nur die Römerstraße genannt, die über den Iulierpass (römischer Meilenstein auf der Passhöhe) führend das Oberengadin mit Chur im Rheintal verband.

Einige wenige der von der T.P. im Alpenraum verzeichneten Ortschaften sind in ihrer Bedeutung durch die Verwendung eines besonderen Symbols in Hausform hervorgehoben. Innerhalb des Perimeters der Alpenkonvention sind dies im Bereich der Westalpen Riez (Reis Apollinaris = Colonia Iulia Augusta Apollinarium Reiorum) und Aosta (Augusta Pretoria = Colonia Augusta Praetoria), in den Ostalpen Bregenz (Brigantio), Trient/Trento (Tredente), Maria Saal (Viruno = Claudium Virunum, von Kaiser Claudius als Hauptstadt der Provinz Noricum gegründet, Nachfolger der Siedlung auf dem Magdalensberg) sowie Salzburg (Iuvavo = Iuvavum).

Die auf der interaktiven Karte von VerbaAlpina gegebene georeferenzierte Präsentation der Daten von der T.P. basiert auf der entsprechenden Vorarbeit von René Voorburg (https://omnesviae.org/), der die Nachnutzung seiner Arbeit ausdrücklich gestattet, wofür ihm hier gedankt sei.


Lit.: Brodersen 1995, S. 186f. (T.P. als "Umsetzung von Itinerar-Texten in eine Graphik"); Fellmeth, Ulrich, “Tabula Peutingeriana”, in: Der Neue Pauly, Herausgegeben von: Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Antike), Manfred Landfester (Rezeptions- und Wissenschaftsgeschichte). Consulted online on 27 November 2018 http://dx.doi.org.emedien.ub.uni-muenchen.de/10.1163/1574-9347_dnp_e1128120> First published online: 2006; Rathmann 2016. -
http://www.cambridge.org/us/talbert/talbertdatabase/prm.html


(auct. Stephan Lücke)

Tags: Außersprachlicher Kontext



Tropaeum Alpium (Zitieren)

Das Tropaeum Alpium (https://www.wikidata.org/wiki/Q747588; s. H. Philipp, RE 7A,1 [1939], Sp. 661f., s.v. Tropaea Augusti; E. Meyer, RE Suppl. 11 [1968], Sp. 1269, s.v. Tropaeum Alpium) ist ein Siegesmonument, das nach der Niederwerfung der den Alpenraum besiedelnden Barbarenstämme (Feldzug des [späteren Kaisers] Tiberius und des Drusus [dessen jüngerem Bruder] i. J. 15 v. Chr.; Hauptquellen: Cassius Dio 54, 22 und Strabon 4, 6, 6–9; 7, 1, 5) auf Beschluss von Senat und Volk von Rom zu Ehren des Kaisers Augustus bald nach dem Jahr 7/6 v. Chr. (die Beschlussfassung erfolgte laut Inschrift im 17. Jahr seiner Tribunicia potestas, d.h. zwischen dem 26.6.7 und dem 25.6.6 v. Chr.) errichtet worden war. Die Reste des monumentalen, ursprünglich rund 50 Meter hohen, Bauwerks stehen in den französischen Seealpen hoch oberhalb von Monaco bei der Ortschaft La Turbie direkt auf der Passhöhe des Col d'Èze (512 m über dem Meer; Märtin 2017, S. 119).




Rekonstruktion des Tropaeum Alpium im Museum von La Turbie. Auf dem Sockel ist die im Folgenden besprochene Inschrift erkennbar.
(Von Matthias Holländer – Selbst fotografiert, Copyrighted free use, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37407992)


Aus Sicht von VerbaAlpina ist vor allem die monumentale (etwa 20 x 4 Meter) an dem Denkmal angebrachte Inschrift (CIL V 7817 = EDCS-05401067; Foto) von Interesse, die die Namen der damals unterworfenen Stämme auflistet. Diese Inschrift ist nur teilweise erhalten, und die Reste sind überdies in knapp 170 Fragmente zerschlagen. Der vollständige Text ist jedoch vom römischen Schriftsteller Plinius dem Älteren in dessen Naturalis Historia überliefert (Plin. NH 3, 136f.), so dass die Rekonstruktion der fragmentierten Inschrift gelingen konnte.




Die, über weite Strecken rekonstruierte, Inschrift auf dem Sockel des Tropaeum Alpium
(Foto: Stefano Costa https://www.flickr.com/photos/47912543@N00/11358571655/in/pool-1876758@N22, Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/)

Reflexe der in der Inschrift genannten Stammesnamen haben sich z.T. bis heute in der Benennung von Orten oder Regionen im Alpenraum erhalten, so dass auch aufgrund dessen in manchen Fällen die Lokalisierung der jeweiligen Siedlungsräume mit einiger Sicherheit angegeben werden kann. Aus Sicht der Sprachwissenschaft können dies im Hinblick auf die Substratforschung wichtige Informationen sein (vgl. Krefeld, Thomas [2018]: Geschichte des romanisch-germanischen Sprachkontakts. Vorlesung dh-lehre. Version 8 [27.08.2018, 17:03]. https://www.dh-lehre.gwi.uni-muenchen.de/?p=53255&lv=8&v=8#p:5).

Die Passage bei Plinius, in der der Text der Inschrift zitiert ist, liest sich wie folgt (Plin. a.a.O.; die Auflösung der Abkürzungen in runden Klammern stammt von mir, Buchstaben[folgen], die nur in der Inschrift am Tropaeum Alpium vorhanden sind, sind unterstrichen; die Zeilenumbrüche sind durch senkrechte Striche angegeben; die Nummerierung in Klammern hinter den Stammesnamen stammt von mir):

(136) Non alienum videtur hoc loco subicere inscriptionem e tropaeo Alpium, quae talis est:

IMP(eratori) · CAESARI DIVI FILIO AVG(usto) | · PONT(ifici) · MAX(imo) · IMP(eratori) · XIIII · TR(ribunicia) · POT(estate) · XVII | · S(enatus) · P(opulus) · Q(ue) · R(omanus) |· QVOD EIVS DVCTV AVSPICIISQVE GENTES ALPINAE OMNES QVAE A MARI SVPERO AD INFERVM PERTINEBANT SVB IMPERIVM P(opuli) · R(omani) · SVNT REDACTAE · | GENTES ALPINAE DEVICTAE TRVMPILINI (1)· CAMVNNI (2) · VENOSTES (3)· VENNONETES (4)· ISARCI (5)· BREVNI (6)· GENAVNES (7)· FOCVNATES (8) · | VINDELICORVM GENTES QVATTVOR (9)· COSVANETES (10)· RVCINATES (11)· LICATES (12)· CATENATES (13)· AMBISONTES (14)· RVGVSCI (15)· SVANETES (16)· CALVCONES (17) · | BRIXENETES (18)· LEPONTI (19)· VBERI (20)· NANTVATES (21)· SEDVNI (22)· VARAGRI (23)· SALASSI (24)· ACITAVONES (25)· MEDVLLI (26)· VCENNI (27)· CATVRIGES (28)· BRIGIANI (29)· | SOGIONTI (30)· BRODIONTI (31)· NEMALONI (32)· EDENATES (33)· VESVBIANI (34)· VEAMINI (35)· GALLITAE (36)· TRIVLLATI (37)· ECDINI (38)· | VERGVNNI (39)· EGVI (40)· TVRI (41)· NEMATVRI (42)· ORATELLI (43)· NERVSI (44)· VELAVNI (45)· SVETRI (46).

(138) Non sunt adiectae Cottianae civitates XV, quae non fuerant hostiles, item adtributae municipiis lege Pompeia.

(ed. C. Mayhoff, Stuttgart [Teubner] 1906; Text der Edition Loeb [zugangsbeschränkt])


Übersetzung:

Es erscheint nicht abwegig, an dieser Stelle die Inschrift vom Tropaeum Alpium anzufügen, die folgendermaßen lautet:
Dem Imperator Caesar, Sohn des Göttlichen, Augustus, Pontifex Maximus, als er 14 Mal die imperatorische Akklamation erhalten hatte und zum 17. Mal die tribunizische Amtsgewalt ausübte, haben der Senat und das römische Volk, weil unter seiner Führung und unter seinem Oberbefehl alle Stämme in den Alpen, die sich vom oberen bis zum unteren Meer erstreckten, unter die Herrschaft des römischen Volkes gebracht worden sind, (dieses Monument errichtet). Die besiegten alpinen Stämme: [Liste der Namen].
Nicht hinzugefügt sind die 15 Gemeinden der Cottier, die nicht feindselig gewesen waren und auch (schon) durch die Lex Pompeia zu den Municipien hinzugefügt worden sind. (Übers. Stephan Lücke)


Plinius dürfte den Text der Inschrift nicht am Monument selbst, sondern vielmehr das originale Schriftstück im Archiv in Rom gesehen haben. Darauf deuten nicht zuletzt die Abweichungen hin, die zwischen dem Text der Inschrift und dem von Plinius überlieferten bestehen.

Mit dem "mare superum" ist die Adria gemeint, "mare inferum" ist das tyrrhenische Meer (s. Georges, s.v. mare; man vergleiche auch die Formulierung von Plinius [NH 3, 133]: verso deinde in Italiam pectore Alpium iuris Euganeae gentes, quarum oppida XXXIIII enumerat Cato. Die Metapher von der "Brust der Alpen" [bei den Euganei, also ungefähr dem heutigen Veneto/Friaul] versteht man gut, wenn man sich die Alpen als einen auf seiner linken Seite liegenden Riesen vorstellt, dessen in Richtung Süden blickendes Haupt am "oberen" Meer zu verorten ist. In diesem Sinn liegt das Tropaeum Alpium am "Fuß" der Alpen, und auch der Name der italienischen Region Piemonte [ich danke Thomas Krefeld für diesen Hinweis] erhält dadurch eine spezifische, bislang wohl eher selten wahrgenommene Konnotation; es ist allerdings einzuräumen, dass die Bezeichnung "Piemonte" für die heute so genannte Region in Antike und Mittelalter anscheinend unbekannt war Treccani s.v. Piemonte), die Unterwerfung betraf also Stämme fast im kompletten Alpenbogen. Ausgenommen scheint allerdings die Gegend östlich des Brenners gewesen zu sein, in der Metapher des Plinius also das "Caput Alpium". Diese Region war ein Jahr vor dem Feldzug des Drusus und Tiberius von Publius Silius Nerva niedergeworfen worden, wobei speziell Noricum keinen Widerstand geleistet hatte (s. Junkelmann, Die Legionen des Augustus, 1986, S. 63 und 70 [non vidi]; zum widerstandslosen Anschluss Noricums: Karl-Wilhelm Welwei, Römische Weltherrschaftsideologie und augusteische Germanienpolitik, Gymnasium 93, 1986, S. 118–138 [non vidi]).

Einige der genannten Stämme werden auch in antiken literarischen Quellen erwähnt und können aufgrund dessen lokalisiert werden. Im Folgenden geben die Nummern hinter den Namen die Position innerhalb der Inschrift an. Die Trumpilini (1) und die Camunni (2) seien Stämme der Euganeer, so Plinius (NH 3, 134). Plinius (ebd.) berichtet von den Leponti (19) – deren Name von Manchen angeblich vom griechischen Wort für VERLASSEN, ZURÜCKLASSEN (λείπω) hergeleitet werde, weil sie angeblich bei der Überschreitung der Alpen im Gefolge des Herakles dort zurückgeblieben seien, da ihnen die Kälte die Glieder hatte gefrieren lassen –, dass sie in der Nähe der Quelle der Rhone siedelten. Die Uberi (20) (im Text der Inschrift VIBERI) bezeichnet Plinius (a.O. 135) als einen Teil, also vermutlich Stamm, der Lepontier, was diese einerseits als Volk erscheinen lässt und damit gleichzeitig im Widerspruch zur Inschrift auf dem Tropaeum Alpium steht, wo sie als gens figurieren. Auffällig ist, dass Leponti und Uberi offenkundig in nächster Nachbarschaft zu einander siedelten und in der Inschrift des Tropaeum Alpium auch unmittelbar nach einander genannt werden. Dies reflektiert u.a. die der Anordnung innewohnende geographische Logik (s. unten). In 3,135 erwähnt Plinius auch die Vennonenses, bei denen es sich um einen Stamm der Raeter handle und die, gemeinsam mit den Sarunetes, in der Nähe der Rheinquelle siedelten. Dass sie mit den Vennonetes (4) der Inschrift zu identifizieren sind, ist jedoch sehr unwahrscheinlich, wie aus dem Folgenden ersichtlich werden wird. Von den in der Inschrift erwähnten Turi schließlich berichtet Plinius (NH 3,135), dass sie ein Stamm der Ligurer seien, demnach also bereits irgendwo im Bereich der Seealpen lebten.

Neben den Nachrichten aus antiken Quellen gibt auch die neuzeitliche Toponomastik Hinweise auf die Lage der Siedlungsgebiete der genannten Gentes. Der Name der Trumpilini (1), von denen Plinius sagt, sie seien ein Stamm der Euganeer, an die noch heute die Colli Euganei westlich von Padua erinnern, kann mit dem Namen der Val Trompia etwas westlich des Gardasees in Verbindung gebracht werden (s. Thomas Krefeld). Nördlich der Val Trompia befindet sich die Val Camonica, deren Name sich sehr wahrscheinlich von den Camunni (2) herleitet. Wiederum nördlich davon liegt das Vinschgau, italienisch Val Venosta, das man unschwer mit den Venostes (3) assoziieren kann. Die Isarci (5) passen zum Isarco, dem linken Nebenfluss der Etsch, der am Brenner entspringt. Der Brenner wiederum mag seinen Namen von den Breuni (6) bekommen haben.

Die Vindelici (9) sind wohlbekannt durch den römischen Namen für Augsburg, Augusta Vindelic(or)um. Da es hier um Bewohner der Alpen geht, wird man ihr Siedlungsgebiet also irgendwo am nördlichen Rand der Alpen unmittelbar südlich von Augsburg zu suchen haben. Es ist umstritten, ob der Eintrag VINDELICORVM GENTES QVATTVOR als Überschrift zu verstehen ist und somit die nachfolgenden vier Gentes als Vindelicer zu verstehen sind. Dafür könnte sprechen, dass eine dieser im Folgenden genannten Gentes, die Licates (12), sicher als vindelikischer Stamm angesehen wurden (Strab. 4,6,8: ἰταμώτατοι δὲ τῶν μὲν Οὐινδολικῶν ἐξητάζοντο Λικάττιοι καὶ Κλαυτηνάτιοι καὶ Οὐέννωνες, τῶν δὲ Ῥαιτῶν Ῥουκάντιοι καὶ Κωτουάντιοι [ed. Loeb [zugangsbeschränkt]). Sehr wahrscheinlich haben sie irgendwo im Lechtal (lat. Licca) gesiedelt, somit in einer Region, die man als Siedlungsgebiet der Vindelicer erwarten würde. Entsprechend wären dann auch die Cosuanetes (10), Rucinates (11) und Catenates (13) Vindelicer und in der näheren oder weiteren Umgebung des Lechtals zu suchen (eine genauere Lokalisierung ist anscheinend bislang noch nicht möglich). Eine weitere Stütze der Annahme, dass VINDELICORVM GENTES QVATTVOR als Überschrift zu verstehen ist, kann in der Analogie von GENTES ALPINAE DEVICTAE, das die Namensliste einleitet, gesehen werden. Auch dieser Passus hat offenkundig den Charakter einer Überschrift. Hinzu kommt, dass VINDELICORVM GENTES QVATTVOR ebenso wie GENTES ALPINAE DEVICTAE am Anfang einer Inschriftenzeile steht.

Brixenetes (18) ist ein anderer Name der Briganti, die ihren Namen an den der Stadt Bregenz am Bodensee weitergegeben haben (HLS, s.v. Brigantii; ich danke Thomas Krefeld für den Hinweis). Thomas Krefeld a.a.O bringt die Val Leventina mit dem Namen der Leponti in Verbindung, was sehr gut zur Nachricht des Plinius passt, diese hätten in der Nähe der Quellen der Rhone gelebt. Den Namen der Caturiges (28) schließlich erkennt Thomas Krefeld im Namen der französischen Ortschaft Chorges in der Nähe von Gap.

Auch die Siedlungsgebiete noch einer Reihe weiterer der in der Inschrift genannten Gentes lassen sich wenigstens ungefähr georeferenzieren, wobei allerdings durchaus die Gefahr von Zirkelschlüssen besteht. Trägt man diese ungefähren Lokalisierungen auf einer Karte ab und kippt diese um ca. 90 Grad nach Westen, erkennt man die der Inschrift innewohnende Logik (die Nummern beziehen sich wiederum auf die Rangfolge der Nennung in der Inschrift. Türkise Zahlen markieren Stämme, deren Lokalisierung allein auf Grundlage der geographischen Logik der Inschrift erschlossen wurde; die Verortung kann nicht wörtlich genommen werden, sondern ist absolut vage):




Ungefähre Lokalisierung der Alpenstämme auf einer um 90 Grad nach links gekippten Karte
(Kartengrundlage: Google Earth; Download der kmz-Datei)

Die unterworfenen Stämme werden, beginnend beim "oberen" Meer, der Reihe nach nach unten bis zum "unteren" Meer aufgezählt – was ja auch exakt dem Wortlaut der Inschrift entspricht: GENTES ALPINAE OMNES QVAE A MARI SVPERO AD INFERVM PERTINEBANT. Genau an der Stelle, an der die letztgenannten Stämme gelebt haben, steht symbolisch das Siegesmonument und setzt damit im übertragenen Sinn ein Ausrufezeichen unter die Liste. Der Standort ist also alles andere als zufällig und überdies auch deswegen ideal gewählt, weil er an einer sicher sehr stark frequentierten Land- und Seeroute (das Monument ist vom Meer her sehr gut zu sehen) gelegen war. Das Tropaeum Alpium lag genau am höchsten Punkt der Via Iulia Augusta, einer sehr wichtigen Straßenverbindung, die erst wenige Jahre vor der Errichtung des Siegesmonuments (im Jahr 13 v. Chr., also unmittelbar nach der siegreichen Beendigung des Feldzugs von Drusus und Tiberius im Spätsommer 15 v. Chr.) von Augustus angelegt worden war und die Italien mit der Provinz Gallia Narbonensis verband.

Wirklich irritierend ist zunächst allein die Nennung des Stammes der Ambisontes (14), da deren Siedlungsgebiet traditionell im Saalfeldener Becken und somit vollkommen außerhalb der ansonsten konsistenten Reihung von Ost nach West bzw. oben nach unten angenommen wird. Diese Lokalisierung geht anscheinend auf eine Stelle in den Geographica des Claudius Ptolemaeus (2,13,2: Κατέχουσι δὲ τὰ μὲν δυσμικώτερα τῆς ἐπαρχίας ἀπὸ ἄρκτων ἀρχομένοις Σεούακες καὶ Ἀλαυνοὶ (Ἀλανοὶ) καὶ Ἀμβισόντιοι, τὰ δὲ ἀνατολικώτερα Νωρικοὶ καὶ Ἀμβίδραυοι καὶ Ἀμβίλικοι.) zurück. Ziemlich sicher liegt hier eine fehlerhafte Identifizierung vor (bereits Theodor Mommsen, CIL III 2, p. 588, hatte vermutet, dass die bei Ptolemaeus genannten Ambisonten nicht mit denen auf dem Tropaeum Alpium identisch sind). Aufgrund der Position 14 innerhalb der Liste des Tropaeum Alpium wäre ihr Siedlungsgebiet wesentlich weiter westlich, vielleicht im Unterengadin oder dem angrenzenden österreichischen Inntal zu suchen. Hinzu kommt, dass die von Ptolemaeus genannten Ambisontes ein Stamm der Noriker gewesen sind, von denen wir wissen, dass diese sich bereits ein Jahr vor dem großen Alpenfeldzug, auf den sich das Tropaeum Alpium bezieht, im Rahmen der Kampagne des Publius Silius Nerva widerstandslos unterworfen hatten. Andere Stämme der Noriker werden in der Inschrift nicht genannt, die Ambisonten wären also der einzige in der Inschrift erwähnte Stamm der Noriker, was allein schon verdächtig wäre. Schließlich ist noch anzumerken, dass die Inschrift vom Tropaeum Alpium von "Ambisontes" spricht, bei Ptolemaios jedoch von den Ἀμβισόντιοι, in der lateinischen Entsprechung also von den Ambisontii, die Rede ist. Einander sehr ähnliche Stammesnamen sind für den Alpenraum auch anderwärts nachgewiesen (vgl. die Vennonenses und die Vennonetes [4]).

Soweit mir bekannt, sind die folgenden in der Inschrift genannten Stämme bislang noch nicht genauer lokalisiert worden: Clucones (17), Acitavones (25), Sogionti (30), Brodionti (31), Nemaloni (32), Veamini (35), Gallitae (36), Ecdini (38), Egui (40), Nematuri (42), Oratelli (43), Nerusi (44), Velauni (45), Suetri (46). Auf Basis der in der Inschrift vom Tropaeum Alpium offenbar vorliegenden geographischen Logik, lässt sich nun aber zumindest eine ungefähre Verortung dieser Stämme vornehmen. Demnach ist das Siedlungsgebiet der Clucones (17) irgendwo in Graubünden, am ehesten vielleicht im Rheintal in der Umgebung von Chur zu suchen. Die Acitavones (25) könnten irgendwo südlich des Mont Blanc im oberen Aosta- oder auch Isère-Tal gelebt haben. Sogionti (30), Brodionti (31), Nemaloni (32) wären in der Gegend südlich von Gap zu suchen, die übrigen genannten bislang nicht lokalisierten Stämme wiederum weiter südlich davon im Bereich der Seealpen.

Laut Plinius fehlen in der Inschrift diejenigen, die sich während des Feldzugs den Römern gegenüber freundschaftlich verhalten hatten. Konkret (aber eben nicht namentlich) genannt werden die 15 Stämme der Cottii (s. Georges, s.v. cottius), deren Siedlungszentrum sich im Susa-Tal (Segusio) südwestlich von Turin befand (Märtin 2017, S. 108). Die Namen von insgesamt 14 Stämmen der Cottii ist durch eine Inschrift (CIL CIL V 7231; Eintrag in der Epigraphischen Datenbank Heidelberg) auf dem Augustusbogen von Susa überliefert (aus dem Jahr 9/8 v. Chr.). Dort werden genannt: Segovii, Segusini, Belaci, Caturigi, Medulli, Tebauii, Adanatii, Savincatii, Ecdinii, Veaminii, Venisami, Iemerii, Vesubianii, Quadiatii.

Bei der von Plinius erwähnten Lex Pompeia muss es sich um die sog. Lex Pompeia de Transpadanis handeln, ein Gesetz aus dem Jahr 89 v. Chr., das vom Konsul Pompeius Strabo (dem Vater Pompeius' des Großen) eingebracht worden war (vgl. E. Weiss, RE 12,2 [1925], Sp. 2403, s.v. Lex Pompeia [1]; G. Rotondi, Leges publicae populi Romani, 1912 [Nachdruck 1962] S. 342 [non vidi]). Gegenstand des Gesetzes ist die Verleihung des latinischen Bürgerrechts an die nördlich des Flusses Po lebenden Verbündeten der Römer im Bundesgenossenkrieg (91-88) gewesen (vgl. Luraschi, Giorgio [1980]. Sui destinatari della c.d. Lex Pompeia de Transpadanis. In: Atti del II seminario romanistico Gardesano, S. 267-292. Milano [non vidi]). Insofern stellt dieses Gesetz eine Ergänzung der Lex Iulia de Civitate Latinis et Sociis Danda aus dem Jahr 90 sowie der Lex Plautia Papiria de Civitate Sociis Danda (89 v. Chr.) dar, durch die die in Italien südlich des Po lebenden Stämme bzw. Völker das latinische Bürgerrecht erhalten hatten.

Die Inschrift vom Tropaeum Alpium unterscheidet hinsichtlich der gelisteten Namen mindestens zwei unterschiedliche Status. Beim Gros der Namen handelt es sich offenkundig um "gentes", also um Stämme. Der Eintrag "Vindelicorum gentes quattuor" zeigt jedoch, dass "gentes" grundsätzlich eine Gliederung einer größeren Einheit sein konnten, die man wohl als "Volk" bezeichnen kann. Es mag sein, dass unter den civitates der Cottier, von denen Plinius spricht, im Grunde auch "gentes" zu verstehen sind. Die unterschiedliche Bezeichnung dürfte mit dem geänderten rechtlichen Status zu erklären sein, der sich aus der Verleihung des latinischen Bürgerrechts ergeben hat (civitas < civis !).

(auct. Stephan Lücke)

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Untersuchungsgebiet (Zitieren)

"Eine umfassende und kohärente Geschichte der Alpen wurde bisher noch nicht vorgelegt" (http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D8569.php); vielmehr konkurrieren unterschiedliche, "naturräumliche" und "wirtschaftlich-politische Alpendefinitionen" (Bätzing 1997, 23 f.). Im Sinn einer transparenten und pragmatischen Abgrenzung wurde das Untersuchungsgebiet dieses Projekts mit dem klar umrissenen Geltungsbereich der Alpenkonvention gleichgesetzt; die dort festgeschriebenen "Inkonsistenzen zwischen den Mitgliedstaaten" (Bätzing 1997, 31) wurden in Kauf genommen; sie betreffen das bayerische Alpenvorland (eingeschlossen), "größere randalpine Gebiete wie das Emmental oder das Zürcher Oberland" ((Bätzing 1997, 32), ausgeschlossen) sowie den Umgang mit einigen wichtigeren Städten am Alpenrand: Luzern und Salzburg sind eingeschlossen, Graz und Biella dagegen ausgeschlossen. Der Perimeter der Alpenkonvention kann hier heruntergeladen werden. Das eigentliche Ziel des Projekts ist es jedoch, die Alpen in diesem formal abgesteckten Rahmen als sprachlich-kulturellen Raum zu erfassen und die Ähnlichkeit der zugehörigen Orte abzubilden.

(auct. Thomas Krefeld)

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Wissenshorizont (Zitieren)

Dieses Portal informiert in drei unterschiedlichen Dimensionen:
(1) über außersprachliche Realität (‘Sachen’),
(2) über Konzepte, oder: inhaltliche, bzw. onomasiologische Kategorien, die nicht an einzelne Sprachen oder Dialekte gebunden sind,
(3) über sprachliche Ausdrücke der untersuchten Sprachen und Dialekte.
Die getrennte Behandlung von (2) und (3) ist grundlegend, da ja die relevanten Konzepte durchaus nicht immer im gesamten Untersuchungsgebiet mit spezifischen Bezeichnungen belegt (‘lexikalisiert’) sind; so gibt es z. B. in weiten Teilen des bairischen Gebiets kein Wort für den aus Molke hergestellten so genannten Käse (vgl. dafür gsw. (alemannisch) Ziger, ita. ricotta, fra. sérac), während es z.B. für die frische, noch ungeformte Käsemasse (bar. Topfen, deu. Quark) in den romanischen Dialekten oft, so wie auch im Standarditalienischen, keine Bezeichnung gibt. Das Verhältnis von (1) auf der einen Seite und (2) und (3) auf der anderen ist gelegentlich auch problematischer als es auf den ersten Blick erscheint; so finden sich manchmal sprachliche Ausdrücke mit unklarem semiotischen Status, weil aus den Belegen nicht hervorgeht, ob es sich um Bezeichnungen von Konzepten oder aber womöglich um Namen für Dinge handelt; das ist z. B. der Fall, wenn ein Sprecher eine ganz bestimmte Alm, etwa diejenige, die er selbst nutzt, mit einem generischen Wort als munt wörtlich ‘Berg‘ oder als pastüra ‘Weide‘ tituliert.


(auct. Thomas Krefeld)

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