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Entity Relationship (Zitieren)

Daten können grundsätzlich zu sogenannten "Entitäten" zusammengefasst werden. Dabei handelt es sich um Klassen von Daten, die jeweils eine bestimmte Art und Anzahl spezifischer Merkmale aufweisen. So können beispielsweise die Städte Trento, Innsbruck und Luzern eine Klasse "Orte" bilden, der die Merkmale "Ortsname", "Längengrad", "Breitengrad", "Staat" und "Einwohnerzahl" zu eigen ist. Die einzelnen Mitglieder einer solchen Klasse unterscheiden sich durch die unterschiedlichen Werte der die Klasse ausmachenden Merkmale.
In einer relationalen Datenbank werden Entitäten idealerweise in jeweils eigenen Tabellen gespeichert, wobei jede Tabellenspalte die Werte jeweils eines spezifischen Merkmals aufnimmt. Die Tabellenzeilen enthalten die individuellen, durch ihre Merkmalswerte von einander unterschiedenen Mitglieder der Datenklasse (Entität). In den allermeisten Fällen – und so auch bei VerbaAlpina – stellt eine relationale Datenbank eine Sammlung verschiedener Entitäten (und somit Tabellen) dar, zwischen denen logische Beziehungen bestehen. So wäre etwa die Entität "Informant", die durch die Merkmale "Alter", "Geschlecht", "Geburtsort" und "Wohnort" definiert ist, mit der Entität "Orte" in der Weise logisch verbunden, dass die Werte der Merkmale "Geburtsort" und "Wohnort" Entsprechungen in der Entität "Orte" besitzen. Beziehungen zwischen Mitgliedern dieser beiden Entitäten ergeben sich aus Übereinstimmungen der Werte eines oder mehrerer, ihrem Wesen nach kongruenter, Merkmale der jeweiligen Entitäten. Im gegebenen Fall könnte sich theoretisch eine Zuordnung aus identischen Werten der Merkmale "Geburtsort" und "Ortsname" ergeben, wodurch mittelbar einem Informanten die Geokoordinaten seines Geburtsortes zugeordnet werden könnten. Es ist leicht zu erkennen, dass in diesem Beispiel Probleme aufgrund von Homonymen auftreten könnten. Um dergleichen zu vermeiden, ist es üblich, Ganzzahlen als Identifikatoren (kurz: "ID") zu verwenden, die die Mitglieder einer Entität eindeutig bezeichnen.
Das skizzierte System der Entitäten und ihrer logischen Zusammenhänge wird als Entity Relationship bezeichnet. Der in einer relationalen Datenbank gesammelte Datenbestand ist ohne eine Erläuterung dieser dort bestehenden Abhängigkeiten nur schwer versteh- und nutzbar. Üblicherweise erfolgt die Abbildung der Entity Relationship in Gestalt eines graphischen Schemas.
Die Entity Relationship unterliegt während der zyklischen Entwicklungsphasen von VerbaAlpina (s. Versionierung) ständigen Anpassungen und somit Veränderungen. Jeder archivierten Version von VerbaAlpina wird das Entity Relationship Modell der jeweils zugrundeliegenden Datenbankversion in Form eines ER-Diagramms beigegeben, das mit dem Programm yEd erzeugt und als GraphML- und PDF-Dokument abgespeichert wird. Folgende Graphik basiert auf den Entitäten und Verknüpfungen der Datenbank VA_XXX in ihrem aktuellen Zustand (20.3.2015), bildet diese jedoch nicht vollständig ab und ist nur als illustrierendes Beispiel zu verstehen:





(auct. Stephan Lücke)

Tags: Informationstechnologie



Ergänzende Daten (Zitieren)

Für die induktive Kulturraumforschung sind demographische und institutionelle Daten immer dann interessant, wenn sie sich als georeferenzierbar erweisen. Dazu zählen siedlungsgeschichtliche Informationen, insbesondere im Hinblick auf die Zugehörigkeit zu kirchlichen und staatlichen Institutionen. Aber auch Verkehrswege, insbesondere Passverbindungen, sind von grundlegender Bedeutung (vgl. Karte).
Ökologische und geophysikalische Daten sind immer dann relevant, wenn sie einen klaren Bezug zur Siedlungsgeschichte haben. Das ist zum Beispiel evident im Hinblick auf die Vegetationszonen, die bestimmte Nutzungen gestatten oder verlangen (z. B. die Almwirtschaft setzt Höhenlagen über der Baumgrenze voraus (http://www.slf.ch/forschung_entwicklung/gebirgsoekosystem/themen/baumgrenze/index_DE).

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Außersprachlicher Kontext



Erklärungssprache (Zitieren)

Die Oberfläche dieses Portals wird in mehreren Standardsprachen aufrufbar sein, nämlich (in alphabetischer Reihenfolge) auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch (Rumantsch Grischun) und Slowenisch, dabei ist im Fall des Deutschen je nach Autor/in gelegentlich mit schweizerischen und österreichischen Standardvarianten zu rechnen. Unabhängig von der gewählten Erklärungssprache hat der Nutzer jedoch stets Zugriff auf sämtliche objektsprachlichen Materialien aller erfassten Dialekte und Sprachen.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Webseite



Ethnolinguistik (Zitieren)

"On ne peut pas faire l'histoire des mots sans faire l'histoire des choses" (Jaberg 1936, 23).
In der romanistischen, aber vor allem italianistischen Forschungstradition war die Dialektologie von Beginn an, d.h. in Italien mindestens seit Giuseppe Pitré, immer sehr eng mit den Sozialwissenschaften, genauer gesagt mit der Soziologie und der Ethnologie verbunden. In dieser Perspektive lässt sich die gesamte Geolinguistik sogar als Teildisziplin einer übergeordneten 'Ethnowissenschaft' verstehen. Dieser Ausdruck, der hier als Übersetzung von ita. etnoscienza (aus engl. ethnoscience) gesetzt wird, hat allerdings weder in Italien, noch in Deutschland etablieren können. In dem sehr scharfsinnigen und informativen Manuale di etnoscienza von Giorgio Raimondo Cardona (Cardona 1995) heißt es:

"[...] il prefissoide etno- permette un'immediata 'etnologizzazione' di qualunque sottodisciplina [...]. L'inglese offre ancora un altro tipo di formazione, quella con folk- (folk-taxonomy), che ha però lo svantaggio di non essere atrettanto facilmente esportabile quanto il suo concorrente grecizzante.
Il termine con etno- copre però due cose distinte, nella letteratura: etnobotanica può significare:
a) una vera botanica scientifica, ma ritagliata sull'habitat, uso ecc. di una specifica etnia;
b) la scienza botanica posseduta da una specifica etnia.
Nel primo caso, il ricercatore è soprattutto un naturalista, che compie il suo lavoro consueto, anche se con una particolare attenzione alle denominazioni locali ecc.; nel secondo il ricercatore è piuttosto un antropologo conoscitivo, che studia come venga categorizzato il mondo naturale da una data etnia; dei dati naturalistici egli si servirà soprattutto per ancorare le classificazioni così individuate a referenti reperibili e riconoscibili anche per chi è esterno alla cultura studiata. [...]
Gran parte dell'analisi etnoscientifica si basa sull'analisi di enunciati della lingua del gruppo [...] " (Cardona 1995, 15 f.; Hervorhebung durch fette Schrift: ThK)  

Die so skizzierte etnoscienza wird in der US-amerikanischen Tradition auch als cultural anthropology (dt. Kulturanthropologie) bezeichnet. Speziell im deutschsprachigen Raum wurde darüber hinaus zwischen Volkskunde für die Erforschung einheimischer Kultur(en) und Völkerkunde für die Erforschung fremder, insbesondere nichteuropäischer Kulturen unterschieden. In der Gegenwart wird stattdessen meist allgemein von Ethnologie mit dem besonderen Teilgebiet der Europäischen Ethnologie (im Sinne der Volkskunde) gesprochen. Die Bezeichnung Ethnolinguistik ist daher auch nicht eindeutig, da sie oft auf die sprachwissenschaftliche Untersuchung nichteuropäischer Kulturen eingeschränkt wird (vgl. Senft 2003), obwohl sie die europäischen nicht ausschließen sollte; die kategorische Trennung erweist sich im Hinblick auf die massenhaften und weiträumigen Migrationsströme ohnehin in rapide zunehmendem Maße als sinnlos.

Eine Unschärfe im zitierten Passus von Cardona bleibt zu klären; sie betrifft das 'Präfixoid' ethno-, das einerseits als Synonym des en. folk und andererseits mit Bezug auf etnia verwendet wird. Mit folk (in folk-taxonomy usw.) wird auf die alltags- oder lebensweltlichen Wissensbestände und Konventionen der Laien bzw. Nicht-Wissenschaftler verwiesen und genau in diesem Sinne sollte auch Ethnie (bzw. ethno-) auf alltagsweltliche Kulturgemeinschaften bezogen werden, ohne jedoch idealisierte Vorstellungen von Homogenität, Archaizität, sozialer Abgeschlossenheit usw. zu implizieren. Die Unterscheidung Cardonas (a vs. b) verweist weiterhin auf zwei komplementäre Forschungsperspektiven in den Kultur- und Sozialwissenschaften.

Zusammenfassend darf man dialektologische Forschungen im Sinn von Cardona (auch im Nachhinein) als 'ethnolinguistisch' bezeichnen, wenn sie ihre sprachlichen Daten im engen Zusammenhang mit der Alltagskultur der Sprecher erheben und analysieren.
In der romanistischen Tradition wurde diese Ausrichtung durch den prototypischen Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz (AIS) etabliert; sie markiert zweifellos den größten Unterschied und Fortschritt zum ALF, wie Karl Jaberg nicht ohne Emphase festhält. Der im Hinblick auf das Selbstverständnis des AIS und die Wissenschaftsgeschichte aufschlussreiche Passus verdient durchaus herausgehoben zu werden:
"L'importance des «choses» n'a pas échappé à l'esprit de Gilliéron [...] Que Gilliéron ait complètement négligé ce point de vue dans la conception de l'Atlas et qu'il n'en ait tenu compte qu'en passant dans ses autres publications, c'est un fait d'autant plus étrange qu'il connaissait fort bien les «choses» et s'y intéressait passionnément. A-t-il approuvé l'enseignement que Ferdinand de Saussure a tiré de ses incursions dans les domaines limitrophes de notre science, à savoir que la «linguistique a pour unique et véritable objet la langue envisagée en elle-même et pour elle-même», principe qui, malgré l'admiration que j'ai pour le grandsavant genevois, m'a toujours semblé singulièrement rétrécir le champ d'action du linguiste." (Jaberg 1936, 27 f.)
Jaberg weist explizit und vollkommen zu Recht darauf hin, dass der Saussuresche Strukturalismus gerade in diesem Punkt junggrammatische Vorstellungen beibehält; aus der Sicht der zeitgenössischen Geolinguistik wird der Versuch, die Sprache als isolierbares 'Modul' zu betrachten, also keineswegs als ein neues Paradigma, sondern geradezu als traditionalistisch wahrgenommen:
"La conception du Petit Atlas phonétique du Valais roman [ebenfalls von Gilliéron; Th.K.] et celle de l'Atlas linguistique de la France remontent à une époque qui était encore sous l'empire des néogrammairiens, et on sait ce que les néogrammairiens doivent aux sciences naturelles. Ce n'est certes pas un hasard que le Cours de linguistique générale s'en ressente également. M. Jud et moi, nous avions pas ces attaches avec les néogrammairiens, Gilliéron lui-même nous avait aidés à les rompre. Nous étions en revanche fortement impressionnés par les brillants articles de Meringer et de Schuchardt. La réalité des choses était autours de nous. Nous avions nous-mêmes parcouru les pays romans ; nous avions recueilli sur le terrain des observations ethnographiques et folkloriques. Comment en rester aux mots? Tout en sauvegardant le caractère essentiellement linguistique de notre ouvrage, nous croyions devoir fournir à l'historien des mots les données nécessaires pour se faire une idée des choses, afin qu'il ne bâtisse pas dans le vide." (Jaberg 1936, 28).


Richtungweisend für die ethnolinguistisch orientierte Tradition der italienischen Dialektologie ist die in teilnehmender Beobachtung entstandene Untersuchung von Hugo Plomteux 1980 über die Cultura contadina in Liguria. Ethnolinguistisch sehr gut, im regionalen Vergleich vielleicht am besten erschlossen ist Sizilien. Zu nennen sind vor allem: Fanciullo 1983 und mehrere wichtige Arbeiten, die im Rahmen des Atlante linguistico della Sicilia entstanden sind; die folgenden Titel geben Auskunft über die jeweils untersuchten kulturellen Techniken und Traditionen: Bonanzinga/Giallombardo 2011, Matranga 2011, Sottile 2002 und Castiglione 1999.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik Außersprachlicher Kontext



Ethnolinguistisches Ähnlichkeitsprofil (Zitieren)

Aus der ethnolinguistischen Sicht dieses Projekts bilden die Basistypen das Fundament des mehrsprachigen alpinen Raums. Im Sinne einer synthetischen Darstellung sind zwei unterschiedliche quantitative Kartierungsfunktionen vorgesehen:
  1. Zunächst sind die Alpenwörter von besonderem Interesse; ihre Gesamtheit bildet sozusagen einen fiktiven Idealtyp, dem die einzelnen Ortsdialekte mehr oder weniger nahe kommen. Dem entspricht die Kartierung einer gradueller Ähnlichkeit, die durch die Darstellung des champ gradient de la gasconité im ALG 6 inspiriert wurde.
  2. Sodann wird nach dem Vorbild des ASD die relative Ähnlichkeit aller Aufnahmeorte untereinander kartiert, indem die gemeinsamen Basistypen eines beliebigen Aufnahmeortes und diejenigen eines beliebigen anderen Ortes als Bezugspunkt festgestellt und angezeigt werden.


(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik Außersprachlicher Kontext



Etymologie (Zitieren)

Die Freilegung der sprachlichen Strata, die Stratigraphie, setzt die Etymologisierung voraus. Der etymologische Kommentar geht jeweils vom Basistyp aus und verfolgt ein dreifaches Ziel:
- die Ermittlung der Herkunftssprache der lexematischen Basis;
- die Begründung der Zusammengehörigkeit aller unter dem Basistyp vereinigten Typen; dafür sind die Regularitäten der historischen Phonetik und die semantische Plausibilität der zugrundeliegenden Konzeptrelationen entscheidend;
- die Rekonstruktion der Entlehnungswege, falls der Basistyp in mehreren Sprachgebieten verbreitet ist; sobald die Sprache des Etymons einerseits und des Informanten andererseits nicht übereinstimmen, wird automatisch Sprachkontakt festgestellt.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik