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Quantifizierende Darstellungen (Zitieren)

[Vorbemerkung: Der nachfolgende Artikel nimmt in Teilen Bezug auf derzeit noch in Entwicklung befindliche Funktionalitäten von VA_WEB, die für die Öffentlichkeit derzeit noch nicht zugänglich sind.]

Die interaktive Online-Karte von VerbaAlpina erlaubt neben der qualitativen Kartierung auch die Visualisierung aggregierter Daten im Sinne einer quantifizierenden Abbildung der Daten im Raum. Die Aggregierung orientiert sich dabei stets an geographischen Regionen. Der Nutzer hat dabei die Auswahl zwischen Aggregierung auf Basis der Gemeindeflächen (Kleinraum), der sog. NUTS-3-Regionen (Mittelraum) und schließlich der Verbreitungsregionen der drei großen Sprachfamilien Germanisch-Romanisch-Slavisch (Großraum). Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, beliebige Gemeindeflächen als individuelle Regionen zu definieren, die dann wiederum als Bezugsgröße der Aggregierung fungieren. Letztere Option kann verzerrenden Effekten entgegenwirken, die sich in der Perspektive der Aggregierung über die administrativ – und somit aus Sicht der Sprachwissenschaft sachfremd – motivierten Flächen der Gemeindegebiete oder der NUTS-3-Regionen ergeben. Im Einzelfall kann die entsprechende Vorgehensweise natürlich nur heuristisch sein, der Nutzer hat aber die Möglichkeit, einmal entdeckte sinnvolle regionale Kohärenzen abzuspeichern, zu kommentieren, wiederzuverwenden und der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Bezogen auf die gewählten Regionen bzw. Flächen werden sodann sämtliche bis zur Aktivierung der quantifizierenden Darstellung ausgewählten qualitativen Daten aggregiert. Größe und Farbgebung der einzelnen Kartensymbole korrelieren dabei mit der Anzahl der jeweils in einem Symbol gebündelten qualitativen Einzeldaten. Der arithmetisch zugrunde gelegte Maximalwert, bei dessen Erreichen ein Symbol stets die jeweils maximale Größe und Farbgebung erhält, entspricht dabei standardmäßig der höchsten Anzahl an aggregierten Daten, der in einer der ausgewählten Flächen bzw. Regionen auftritt. Wahlweise kann dieser maximale Referenzwert auf die Gesamtanzahl der aggregierten Einzeldaten umgesetzt werden, was zu einer Änderung der Kartendarstellung führt.

Bei aktivierter Quantifizierung können durch Deaktivierung einzelner Listeneinträge in der Kartenlegende die entsprechenden qualitativen Daten aus der Berechnung der Quantitäten herausgenommen oder andere durch zusätzliche Auswahl hinzugenommen werden.

Neben der Quantifizierung vor dem Hintergrund einer georeferenzierten, die realen Grenzverläufe abbildenden Karte erlaubt VerbaAlpina auch die Darstellung quantifizierter Daten auf einer sog. Wabenkarte. Gestalterisches Vorbild ist eine Wikipedia-Grafik, die die Wahlergebnisse der britischen Unterhauswahl von 2015 visualisiert. Im folgenden ist zunächst die punkt-, längen- und winkeltreue Karte (im folgenden als "geographische Karte" bezeichnet) mit den Wahlergebnissen in den einzelnen Wahlkreisen wiedergegeben. Daran anschließend ist die Wabenkarte abgebildet, auf der jeder Wahlkreis durch ein Sechseck jeweils identischer Größe dargestellt ist.




Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3e/2015UKElectionMap.svg (abgerufen am 03.11.2016)




Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cd/2015_UK_general_election_constituency_map.svg (abgerufen am 03.11.2016)

Die Gegenüberstellung der beiden Kartentypen zeigt die jeweiligen Vor- und Nachteile. Die Wabenkarte weist geographische Ungenauigkeiten bzw. diesbezüglich sogar Fehlinformationen auf. So erkennt man z.B. im Distrikt Greater London eine isolierte rote Wabe, die von lauter blauen Waben umgeben ist – ein scheinbares Faktum, das jedoch keinen Rückhalt in der geographischen Karte findet. Auf der anderen Seite besitzt die Wabenkarte den Vorteil, die realen Zahlenverhältnisse zwischen den einzelnen Farben besser zu visualisieren, da eine Vielzahl von flächenmäßig sehr kleinen Wahlbezirken auf der geographischen Karte vom Betrachter als nachrangig wahrgenommen werden, obwohl die politische Bedeutung mit der der flächenmäßig großen Wahlbezirke gleichgestellt ist. Somit ergänzen sich die beiden Kartentypen und der eigentliche Mehrwert besteht in der Möglichkeit, beide Karten konsultieren und deren Visualisierung gegenüberstellen zu können.

Die Wabenkarte von VerbaAlpina zeichnet sich dadurch aus, dass sämtliche politischen Gemeinden im Alpenraum durch jeweils gleich große Hexagone abgebildet werden. Dabei wird versucht, die geographische Logik wenigstens ungefähr zu bewahren. Die Berechnung der Farbgebung der einzelnen Hexagone erfolgt dort in der gleichen Weise wie oben bei der Punktsymbolkarte beschrieben. Der Vorteil einer solchen Wabenkarte besteht gegenüber einer simplen Einfärbung der Gemeindeflächen auf einer georeferenzierten Karte darin, dass suggestive Effekte durch stark unterschiedliche Größe der Gemeindeflächen unterdrückt werden.

(auct. Stephan Lücke)

Tags: Informationstechnologie Webseite