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Sprachatlanten im Alpenraum (Zitieren)

Von Westen nach Osten wird die alpine Dialektlandschaft durch die folgenden, teils noch nicht vollständigen Atlanten erschlossen:
  • Romania alpina: ALF, AIS (Details), ALI, ALP, ALJA, ALEPO, CLAPie, APV, ALAVAL, ALD-I, ALD-II, ASLEF;
  • Germania alpina: SDS, VALTS, BSA, SONT, TSA, SAO;
  • Slavia alpina: SLA.
Die große Zahl darf aber nicht über die erheblichen, teils durchaus überraschenden Diskrepanzen zwischen den einzelnen Atlanten hinwegtäuschen. So sind ausgerechnet manche Regionalatlanten, wie z. B. der ALD-II oder auch der BSA keineswegs besonders an ethnolinguistischen Daten interessiert. Gerade das Almwesen – das ja eine der grundlegenden Wirtschaftsformen des Alpenraums repräsentiert – wird so gut wie überhaupt nicht thematisiert; im ALD-II gibt es zwar (im Unterschied zum BSA) einen Stimulus 869 l'alpeggio 'Alm'/ la baita 'Sennhütte'. Aber schon ganz fundamentale Konzepte der Milchverarbeitung wie SENN (ita. casaro, caciaio), MELKEN (ita. mungere), LAB (ita. caglio), ENTRAHMEN (ita. scremare) und der Viehhaltung wie STALL (ita. stalla), HIRTE (ita. pastore), WEIDE (ita. pascolo) usw. fehlen (vgl. das Fragebuch).



(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik



Sprachfamilien im Alpenraum (Zitieren)

Im Territorium der Alpenkonvention und damit im Untersuchungsgebiet von VerbaAlpina werden traditionell Sprachen aus drei Sprachfamilien gesprochen. Alle drei sind durch dialektale Kontinua repräsentiert, deren Ausdifferenzierung offenkundig auch von der Ausdehnung ihres Verbreitungsgebiets abhängt. Die Fragmentierung der romanischen Zone ist stärker als die der germanischen und diese wiederum als die der slawischen; über die dialektalen Verhältnisse informieren die einschlägigen Sprachatlanten, deren Erhebungspunkte hier zu einem umfassenden, mehrsprachigen Netz verknüpft werden. Auf der Ebene der übergeordneten Nationalsprachen bzw. regional implementierten Minderheitensprachen ist jedoch nur die Romania alpina weiter untergliedert. Denn neben dem Französischen und Italienischen sind hier nach Maßgabe der politischen Anerkennung in der Schweiz und in Italien das Okzitanische, das im Aostatal politisch offizialisierte Arpitanische (oder: Frankoprovenzalische), das Rätoromanische, das Dolomitenladinische und das Friaulische zu nennen. Die Slavia alpina und die Germania alpina kennen dagegen mit dem Slowenischen und mit dem Deutschen jeweils nur eine Standardsprache. Was das plurizentrische Deutsche betrifft, sind allerdings mindestens für die Schweiz, für Deutschland und für Österreich koexistierende nationale Standardvarietäten zu unterscheiden.
Das Projekt zielt auf dialektale ('basilektale') Daten; standardsprachliche oder standardnahe ('akrolektale') Varianten werden nicht erhoben; sie können de facto aber jeder Zeit auftauchen, weil die korrespondierenden Dialektformen nicht mehr geläufig oder allenfalls noch passiv bekannt sind; dieser Fall ist in Bereich der traditionellen Lebenswelt nicht selten. Es kann aber ebenso sein, dass lokale Dialektvarianten niemals existiert haben; genau diese Konstellation wird in einer eventuell dritten Phase, in der die moderne Lebenswelt thematisiert werden soll, vermehrt erwartet (vgl. Onomasiologischer Rahmen). Es wäre jedoch zu einfach, die sprachliche Dynamik ausschließlich im Abbau diatopisch markierter Formen zu vermuten: Aktuell fehlende regionale oder lokale Formen schließen zukünftige Entstehungen keineswegs aus.

(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik



Sprachkontakt (Zitieren)

Beim Sprachkontakt, zu dem auch der Varietätenkontakt gehört, sind zwei grundverschiedene Typen zu unterscheiden, je nachdem ob es sich – auf der Ebene des sprachlichen Systems – um feste, sprecherunabhängige Integrate ('Entlehnungen') oder aber – auf der Ebene des Sprechers – um indivuelle Erscheinungen handelt. Letztere wiederum können habitualisierten oder ganz okkasionellen Verwendungen, so genannten switchings, entsprechen. Dieser Vorbehalt ist auch bei der Interpretation älterer Atlasmaterialien immer dann zu berücksichtigen, wenn ein Informant eine standardnahe Form oder, in zweisprachigen Gebieten, eine Form der jeweiligen Zweitsprache liefert. Der theoretisch fundamentale Unterschied ist angesichts der sprachlichen Daten mehr oder weniger wahrscheinlich, jedoch eigentlich nie evident. Nur die Vermehrung der Informanten, die mit social media zu einer durchaus realistischen Option wird, verspricht hier zuverlässige Auskunft.



(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik



Stratigraphie (Zitieren)

Die Alpen sind seit prähistorischer Zeit ein Gebiet vielfältiger Sprachkontakte, die auf ganz unterschiedliche Stratakonstellationen zurückgehen. Grundsätzlich werden Sprachen, die in einem Gebiet in Kontakt stehen, weil es dort mehr oder weniger viele zweisprachige Sprecher oder gar Sprechergemeinschaften gibt, als Adstrate bezeichnet. Falls ein Basistyp nur in einem bestimmten Gebiet verbreitet ist, also etwa in den Alpen, und in den betroffenen Sprachfamilien ansonsten nicht vorkommt, sind die Entlehnungsrichtung und die Herkunftssprache oft nicht eindeutig (vgl. den Basistyp rom. baita / dt. Beiz, Beisl).
Wenn die Herkunftssprache des entlehnten Elements im Verbreitungsgebiet, oder in einem Teil davon, nicht mehr gesprochen wird, werden zwei Konstellationen unterschieden: Im Fall des Substrats wurde die Herkunftssprache (Substratsprache) im Verbreitungsgebiet gesprochen, bevor ihre Überlieferungskontinuität abriss und die geltende Sprache sich durchsetzte; das Romanische ist eine Substratsprache des gesamten deutsch- und slowenischsprachigen Alpengebiets. Substratwörter setzen zwar Sprachwechsel voraus; sie zeichnen sich aber trotzdem oft durch außerordentliche regionale oder lokale Kontinuität aus.
Im Falle des Superstrats galt die Herkunftssprache während eines gewissen Zeitraums im Verbreitungsgebiet, ohne sich dort dauerhaft zu etablieren. So herrschten in Teilen des heute romanischsprachigen Alpenraums nach dem Zusammenbruch der römischen Infrastruktur zeitweise germanische Superstrate (Gotisch, Langobardisch) und in Slowenien spielte das Deutsche während der Habsburgerzeit diese Rolle.
Zwischen den drei Sprachfamilien haben sich nun durchaus unterschiedliche Szenarien ergeben; hinsichtlich der Bedeutung des Sprachkontakts für die Geschichte des sprachlichen Raums ist vor allem die Chronologie der Entlehnung wichtig: Handelt es sich beispielsweise bei Romanismen im germanischen und slawischen Sprachraum um Substratwörter mit regionaler Überlieferungskontinuität seit der Antike oder um jüngere adstratale Übernahmen? Dieselbe Frage gilt mutatis mutandis ebenso für die Germanismen im romanisch- bzw. slawischsprachigen und die Slawismen im deutsch- und romanischsprachigen Raum.
Entlehnungen sind ein zuverlässiger Indikator historischer Akkulturationsprozesse; deshalb ist eine quantitative Darstellung angebracht, die es gestattet, die relative Häufigkeit der belegten Entlehnungen ortsgenau abzubilden. Die Akkulturationsrichtung ist jedoch keineswegs immer eindeutig; nicht selten koexistieren in eng definierten onomasiologischen Bereichen gegenläufige Entlehnungen. Die folgende Graphik schematisiert die stratigraphische Herausforderung. Sie differenziert die drei heute romanisch-, deutsch- und slowenischsprachigen Gebiete nach Substrat- und Superstratsprachen und symbolisiert (durch Kugeln) die mehrsprachigen Sprechergruppen in Adstratkonstellationen. Gleichzeitig wird die besondere historische Bedeutung der Romanisierung verdeutlicht (vgl. Märtin 2017, 102-129), die – wenn auch in sehr unterschiedlicher Intensität – den gesamten Alpenraum erfasste und deshalb wohl auch alles Ältere vermittelte. Direkter Kontakt zwischen Sprechern vorrömischer Sprachen und Sprechern der das Lateinisch-Romanische gebietsweise überdeckenden nachfolgenden Sprachen (Slawisch und Germanisch) kann zwar nicht kategorisch ausgeschlossen werden; diese Annahme ist jedoch sicherlich problematisch.




(auct. Thomas Krefeld)

Tags: Linguistik



Synoptische Karte (Zitieren)

Diese Funktion erlaubt es dem Nutzer, eine getroffene Auswahl an Karten auf einer synoptischen Kombinationskarte zu fixieren . So können die Verbreitungsgebiete beliebiger sprachlicher und außersprachlicher Merkmale im Zusammenhang visualisiert werden. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, diese synoptischen Karten in Zoomstufen festzuhalten, wenn ein lokaler Kontext, wie z.B. das Karwendel oder das okzitanisch-frankoprovenzalisch-piemontesische Dialektkontinuum der Westalpen, dokumentiert werden soll.

(auct. Thomas Krefeld)

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